15.04.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Juristin: Aktionäre sollten Hauptversammlung nicht schwänzen - Einmischen ist nicht umsonst Jedem gehört ein Ziegelstein

Vielen Vorstandschefs in Deutschland steht in den nächsten Wochen wieder ein unangenehmer Termin bevor: Hauptversammlung. Stundenlang müssen sie die Fragen der Aktionäre beantworten und meist jede Menge Kritik einstecken. Diese Chancen sollten die knapp neun Millionen Anleger nutzen, meint die bayerische Landeschefin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Daniela Bergdolt.

Daniela Bergdolt appelliert an alle Aktionäre, die Hauptversammlungen ihrer Unternehmen zu nutzen, um sich einzumischen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die Juristin gehört zu den bekanntesten Hauptversammlungs-Rednerinnen und spricht Klartext.

Was hat der Kleinaktionär davon, wenn er zu Hauptversammlungen geht?

Daniela Bergdolt: Dem Aktionär gehört ein Ziegelstein an dem Unternehmen - also sollte er sich die Zeit für die Hauptversammlung nehmen. Es geht schließlich um sein Unternehmen, sein Geld oder sogar seine Altersvorsorge.

Das ist für die Aktionäre meist die einzige Chance, den Vorstandschef einmal persönlich zu erleben. Welche Vision hat er vom Unternehmen? Wie reagiert er auf Kritik der Aktionäre? Das sind wichtige Informationen, um mir einen Eindruck von dem Vorstand zu machen.

Wenn er auf der Hauptversammlung den Eindruck macht, dass er seine Aktionäre nicht ernst nimmt oder Fragen nicht auch selbst beantworten kann, dann ist das in der Regel kein gutes Zeichen für das Unternehmen insgesamt.

Aber ein echtes Mitspracherecht haben Kleinaktionäre bei den Konzernen doch ohnehin nicht? Bergdolt: In den Abstimmungen meist nicht - hier dominieren in aller Regel Großaktionäre oder die großen Kapitalgesellschaften mit ihren Stimmrechten. Aber jeder Aktionär hat hier das Recht, Fragen an den Vorstand zu stellen, die auch beantwortet werden müssen. Dadurch können auch Kleinaktionäre Themen zur Sprache bringen, die dann vielleicht in die Berichterstattung über die Hauptversammlung eingehen. Dafür lohnt es sich auch, mal einen Tag von der Arbeit freizunehmen. Wenn für den Fußballclub Zeit da ist, sollte das auch mal für eine Hauptversammlung möglich sein.

Sie selbst sprechen in den nächsten Wochen unter anderem bei BMW, Allianz, Adidas und Linde. Was sind für Sie die großen Themen in diesem Jahr?

Bergdolt: Die Manager-Bezüge bleiben weit oben auf der Agenda. Ich kann nur an die Manager appellieren, ein Mindestmaß an Bescheidenheit an den Tag zu legen. Wichtig ist mir außerdem eine Aussage zur künftigen Entwicklung des Geschäfts. Die Vorstände haben eine Planung, die sollten sie ihren Aktionären auch offenlegen. Meine Ansage an die Vorstandschefs: Gebt mir eine klare Prognose!

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