Drei Werke von Gerhard Richter für einen Abend im Fichtelgebirge
"Jahrhundert-Maler" erhellt die Provinz

Gedränge einer großen Schar Gäste vor kleinen Bildern: Für einen Abend lang rücken die Werke von Gerhard Richter in den ostbayerischen Fokus.
Kultur
Bayreuth
29.09.2017
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Schauplatz der Deutschland-Premiere sind diesmal nicht die Metropolen München oder Berlin, sondern die oberfränkische Provinz: Exklusiv - für einen Abend - zeigt die berühmte Kunstsammlung der HypoVereinsbank bei ihrer "Art on Tour" drei Bilder des mit Abstand teuersten deutschen Künstlers, Gerhard Richter.

Weißenstadt. Bei Auktionen erzielen die Werke von "Europas größtem Maler" (New York Times) zweistellige Millionensummen. Das bemerkenswerte Mäzenatentum des Unternehmer-Ehepaars Dr. Laura Krainz-Leupoldt und Franz H. Leupoldt (Pema) macht es möglich, dass sich in der Kleinstadt am Rand des Fichtelgebirges das Fenster zur globalen Kunstszene öffnet: In Verbindung mit der Kunstsammlung der HypoVereinsbank, in deren Besitz sich mehr als 30 Bilder Gerhard Richters finden.

Diese "Große Kunst vor Ort" lockt zum zehnjährigen Bestehen des "Kleinen Museums" - dessen architektonische Ambition übrigens ganz groß ist - mehrere Hundert Besucher zur Vernissage nach Weißenstadt. Zum besseren Verstehen von Technik, Schaffen und politisch-philosophischer Intention des 85-jährigen Malers erfolgt ein 45-minütiger Ausschnitt aus dem prämiierten Dokumentarfilm "Gerhard Richter Painting". Der Film führt nicht nur die geniale, zielstrebige und disziplinierte Kreativität des "Welt-Künstlers" und "Jahrhundert-Malers" (Dr. Bärbel Kopplin, Kuratorin der Kunstsammlung) vor Augen: Sondern auch seine Bescheidenheit und die Akribie, sogar die Hängung der Bilder an maßstabgetreuen Modellen der internationalen Mussen auszuprobieren.

Keine "schlechten" Bilder

Die "rigorose Selbstkontrolle" Richters verhindert nach Einschätzung der Kuratorin, dass sogenannte schlechte Bilder auf den Kunstmarkt kommen: "Richter übermalt misslungene Werke radikal." Zu sehen ist bei der "Großen Kunst vor Ort" eine Originalfotografie über den Tod der RAF-Terroristen in Stammheim. Mit bewusster Unschärfe drückt Richter düster Ohnmacht und Scheitern aus. Kopplin wählte weiter ein kleinformatiges Aquarell aus dem Jahr 1984, wo Richter mit Farben, ihren Verläufen und ihrer Wirkung experimentiert - quasi in der Vorbereitung der großformatigen Werke. Den (abstrakten) Weg in den "Olymp des Erfolg" lässt ein abfotografiertes Gemälde von 1989 erkennen, das frappierend dreidimensional wirkt.

Angesichts ihres Millionenwerts und der daraus resultierenden irrwitzigen Versicherungssumme sind die drei Bilder nur an diesem Abend zu sehen. Sie schenken in der kurzen Zeit beglückende, inspirierende Momente - und erhellen eine strukturschwache Region. Dieser neue Ansatz der Museums-Gründerin, der ideenreichen Dr. Laura Krainz-Leupoldt, birgt Potenzial.
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