Prozessauftakt in Bayreuth [Aktualisierung]
19-jähriger Syrer soll Terroranschlag geplant haben

Der Angeklagte terrorverdächtige Syrer (links) und sein Anwalt Jochen Ringler stehen zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal des Landgerichts in Bayreuth. (Foto: Nicolas Armer/dpa)
Politik
Bayreuth
05.02.2018
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Plante ein junger Syrer, der im beschaulichen Städtchen Pegnitz lebte, einen Terroranschlag? Die Generalstaatsanwaltschaft München geht davon aus. Der Angeklagte selbst findet für die Vorwürfe Rechtfertigungen. Nur einen Punkt in der Anklageschrift räumt er ein.

Ein junger Syrer soll Pläne für einen Terroranschlag geschmiedet haben - nun hat am Montag vor dem Landgericht Bayreuth der Prozess gegen den 19-Jährigen begonnen. In der Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft München heißt es: "Spätestens Mitte Juni 2016 fasste der Angeschuldigte den Entschluss, in Deutschland oder Syrien einen Terroranschlag zu begehen, bei dem möglichst viele Menschen getötet werden sollten."

Propagandamaterial der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Videos von brutalen Hinrichtungen, Anleitungen zum Bombenbau - all das fanden Polizisten im vergangenen Sommer in der Wohnung des Mannes in Pegnitz (Landkreis Bayreuth). Dabei hatten die Ermittler den Syrer eigentlich wegen anderer Straftaten im Visier. Auf das verdächtige Material stießen sie durch Zufall.

Seit drei Jahren in Deutschland

Der Angeklagte, der vor rund drei Jahren als Flüchtling nach Deutschland einreiste, hatte für die Funde in seiner Wohnung und auf seinem Smartphone Erklärungen: Er bekomme täglich mehrere Tausend Nachrichten über einen Messenger-Dienst auf sein Handy. Ein Video zur Bombenherstellung habe er geöffnet, aber nicht gewusst, was sich hinter dem Link verbarg. Es habe ihn auch nicht interessiert, deshalb habe er es wieder geschlossen. Auf die Frage des Richters, warum er ein Hinrichtungs-Video an einen Freund weitergeleitet habe, sagte er, er habe nur zeigen wollen, was der IS in der Heimat mache. Er habe auch nicht vorgehabt, einen Lastwagen zu stehlen.

Video mit Kinderpornografie

Außerdem fanden die Ermittler laut Anklageschrift auf seinem Handy ein Video mit kinderpornografischem Inhalt, das der 19-Jährige auch weitergeleitet hatte. Hier ließ der Syrer über seinen Verteidiger erklären: "Das tatsächliche Geschehen wird eingeräumt."

Der Angeklagte schilderte, dass er im September 2014 seine Heimatstadt in Syrien verlassen hatte. Über die Türkei und Griechenland kam er schließlich nach Deutschland. In Pegnitz besuchte er zunächst die Realschule, dann die Mittelschule. Mit dem Schulabschluss habe es nicht geklappt, sagte er. Ein Urteil in dem Fall wird am 21. Februar erwartet.
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