Basketball: Champions-League in Bayreuth
Ein Abend in der Oberfrankenhölle

Gabe York lässt sich von den Bayreuther Fans feiern. Der US-Boy war mit 22 Punkten Topscorer im Spiel gegen Athen. Bilder: Peter Kolb
Sport
Bayreuth
07.12.2017
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Kapitän Bastian Doreth (links) hält sich Vasilis Xanthop vom Leib. Der Nürnberger hat in Bayreuth seine sportliche Heimat gefunden.

Am Dienstag war die Königsklasse mit Paris St. Germain in München zu Gast. Am Mittwoch machte die Champions-League in Bayreuth Station. Es war ebenfalls ein Spektakel.

Es dauert nur etwa ein Sekündchen - und schon wird aus der Oberfrankenhalle die Oberfrankenhölle. Ein genialer Wurf von Gabe York, der Ball flutscht zwischen dem Ring ins Körbchen. Ein Dreier, knapp 3000 Fans sind aus dem Häuschen.

Champions-League-Abend in Bayreuth: Die Basketballer von medi empfingen am Mittwochabend den Traditionsklub AEK Athen und siegten mit 80:73. Der erste Heimerfolg in der Gruppenphase der Champions-League war geschafft, der Einzug ins Achtelfinale dieses europäischen Wettbewerbs ist weiter machbar.

Die Anhänger der Basketballer haben in den letzten Wochen und Monaten ohnehin viel zu feiern. "Ich will jetzt nicht von einem Boom sprechen, aber sportlich läuft es derzeit gut wie selten zuvor", sagt Sven Ammon, der Pressesprecher des Klubs. Im vergangenen Jahr wurden erstmals nach dem Aufstieg 2010 die Play-offs erreicht, die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb wurde auch klar gemacht. Und jetzt steht Bayreuth in der Liga wieder auf Platz vier - noch vor dem großen fränkischen Rivalen Brose Bamberg.

"Keiner hat Starallüren"

Das gefällt natürlich auch Bastian Doreth. Der deutsche Nationalspieler ist Kapitän des Teams und blickte am Mittwoch nicht nur auf den Erfolg gegen Athen zurück: "Was wir letztes und diese Jahr bewegt haben und bewegen, ist schon großartig." Auch der Mittelfranke (ein gebürtiger Nürnberger) saugt die Stimmung in Oberfranken auf. Nicht nur die im Umfeld, sondern auch in der Mannschaft. "Hier geht es sehr familiär zu. Da hat keiner Starallüren."

Das ist auch zu spüren, wenn die Spieler von John Cox bis Steve Wachalski nach dem Spiel in der Halle mit den Fans ganz locker plaudern. Doreth, auch ein glühender Fan der Fußballer des 1. FC Nürnberg, weiß aber auch, dass mit dem Aufschwung die Erwartungen steigen: "Der Druck wird größer, die Leute wollen immer mehr", mutmaßt der 28-Jährige. Doreth behält aber auch, wie auf dem Spielfeld, danach einen kühlen Kopf: "Wir wollen uns einfach in der Bundesliga richtig etablieren."

Noch weit weg von der Basketball-Elite des Landes

Sie wissen in Bayreuth, dass die Großen der Branche, der FC Bayern, Bamberg oder Alba Berlin, noch weit weg sind. Die Zuschauerkapazitäten in Bayreuth sind beschränkt. "Mehr als 3300 Zuschauer gehen nun mal nicht rein in die Halle", sagt Pressesprecher Ammon. Beim Basketball machen die Eintrittspreise aber einen Großteil des Etats. Mal wieder Meister zu werden wie 1989, als der Klub noch unter Steiner Bayreuth firmierte, das wissen sie, ist Utopie.

Dennoch ist der Zuschauerandrang groß wie selten zuvor. Das Publikum ist bunt gemischt. Das Klischee vom Studentensport Basketball ist total veraltet. "Vom einfachen Arbeiter bis zum Uni-Professor ist hier alles vertreten", sagt Ammon. Und auch einige Oberpfälzer finden immer wieder den Weg zu den Spielen. "Tirschenreuther Kennzeichen sieht man hier immer wieder auf dem Parkplatz", sagt Michael Jungnickel. Der gebürtige Brander (Kreis Tirschenreuth) wohnt jetzt in Fichtelberg und ist so oft es geht mit seinen Kindern bei den Spielen.

Auch in der Mannschaft sind Oberpfälzer

Auch aus der Auerbacher oder Kemnather Ecke kommen Fans. Dass die Leute aus einem Umkreis von 50, 60 Kilometern kämen, sei keine Seltenheit, erklärt Ammon. Oberpfälzer Komponenten gibt es auch im Team: Jevon Perschnick (17) ist Amberger, Nico Wenzl (16) stammt aus Altenstadt/WN. Beide sind große Talente. Beide müssen aber noch viel lernen und gehörten am Mittwoch gegen AEK nicht zum Kader.

Die große Bescherung für die Bayreuther gibt es in diesem Jahr bereits zwei Tage vor Heiligabend. "Dann kommen die Bayern", freut sich Ammon jetzt schon. Vergangene Saison gab's eine böse Bescherung für die Münchener in Oberfranken. "Die Niederlage haben sie sicherlich schon wieder im Hinterkopf." Die Bayreuther wollen es dem Emporkömmling aus der Landeshauptstadt aber erneut zeigen. Und wenn es dann wieder eng wird, dürfte auch Bastian Doreth wie im Spiel gegen Athen cool bleiben. Als es gegen die Griechen zum Ende hin richtig eng wurde, packte der Kapitän einen Dreier aus. Ein Sekündchen, und dann wurde aus der Oberfrankenhalle wieder die Oberfrankenhölle.

Vom einfachen Arbeiter bis zum Uni-Professor ist hier alles vertreten.Sven Ammon, medi-Pressesprecher über das Bayreuther Publikum


Champions-LeagueDer Wettbewerb heißt zwar Champions-League, ist aber hinter der Euroleague (mit Bamberg) und dem Eurocup nur die Nummer drei der europäischen Wettbewerbe. Dennoch sind "Hochkaräter" dabei. In der Bayreuther Gruppe spielen unter anderem der italienische Basketball-Meister Venedig oder die französische Spitzenmannschaft Straßburg.
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