22.02.2018 - 18:08 Uhr

Interview mit Ludwig Haag, Professor für Schulpädagogik Zwischenzeugnisse: Immer cool bleiben

Manche werden zittern, manche werden sich freuen: An diesem Freitag bekommen rund eine Million Schüler in Bayern ihr Zwischenzeugnis. Gerade für die Kinder, die mit schlechten Noten nach Hause kommen, kann der Tag zur Qual werden. Wie Eltern und Schüler damit umgehen sollten und warum die Zwischenzeugnisse so wichtig sind, erklärt Professor Ludwig Haag, Inhaber des Lehrstuhls für Schulpädagogik an der Universität Bayreuth.

"Ich verstehe nicht, warum die Eltern immer aus allen Wolken fallen." Zitat: Professor Ludwig Haag, Inhaber des Lehrstuhls Schulpädagogik an der Universität Bayreuth
von Julian Trager Kontakt Profil

Was sollten Eltern machen, wenn das Zwischenzeugnis schlecht ausfällt?

Professor Ludwig Haag: Zuerst einmal sollten sie nicht überrascht sein, das Zeugnis fällt ja nicht vom Himmel. Es bestätigt, was sich seit Monaten andeutet. Ich verstehe nicht, warum Eltern immer wieder aus allen Wolken fallen. Sie sollten mit dem Kind überlegen, wie es zu den schlechten Noten kam, Ursachenforschung. Und überlegen, was man besser machen muss. Wenn zum Beispiel bei den Hausaufgaben geschlampt wurde, sollte man für klare Hausaufgabenzeiten sorgen. Die Eltern sollten die schlechten Noten ansprechen, nichts beschönigen. Nicht den Lehrern die Schuld geben - das kommt leider oft vor.

Was sollten die Eltern auf keinen Fall tun?

Herumschreien und meckern. Das führt nie zu einer Lösung. Es geht nicht über Emotionen, man muss den Verstand einschalten und cool bleiben.

Wie wichtig sind Zwischenzeugnis und Noten?

Das Zwischenzeugnis hat einen doppelten Wert: Es ist eine Bestandsaufnahme der Leistung des Kindes und es gibt Hinweise darauf, was im zweiten Halbjahr besser gemacht werden kann, was es für Möglichkeiten gibt. Darauf sollten sich Eltern und Kinder besinnen. Eine Note drückt eine Bilanz aus. Jeder will wissen, wo er selbst, wo sein Kind steht. Und eine Note tut erstmal nicht weh.

Manchmal aber schon.

Das stimmt. Eine Note tut immer dann weh, wenn sie Folgen hat - wie beim Jahreszeugnis. Das Zwischenzeugnis ist eigentlich schön, ein Frühwarnsystem.

Manche Grundschulen verzichten von der ersten bis zur dritten Klasse auf Zwischenzeugnisse und Noten. Stattdessen gibt's Lernentwicklungsgespräche. Auch eine Möglichkeit für höhere Klassen?

Das ist eine schöne Form, Lösungen mit den Lehrern erarbeiten. Ideal wäre: Die Schüler bekommen Noten als eine Bilanz, als Ist-Zustand, und dann wird ein Gespräch mit dem Lehrer angehängt. Das geht heute schon.

Ohne Noten geht es also nicht?

Nein. Alle wollen wissen: Wo steht mein Kind? Die Note ist dafür der einfachste Weg. Die Alternative sind Gespräche. Aber in der Sprache ist immer Interpretationsspielraum. In der Note nicht.

Und bei einem besonders guten Zeugnis: Wie sieht es mit zu viel Lob und finanziellen Belohnungen aus? Ist das gut?

Zu viel Lob gibt es nicht. Das schadet nie - wenn es ehrlich ist. Und wenn der Opa zu viel Geld hat und den Enkel für gute Noten belohnt, schadet das auch nicht. Kein Problem.

Hier geht es zum Angemerkt von Julian Trager

Ich verstehe nicht, warum die Eltern immer aus allen Wolken fallen.Professor Ludwig Haag, Inhaber des Lehrstuhls Schulpädagogik an der Universität Bayreuth

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