04.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Reise auf andere Seite der Welt

Speichersdorf ist seit vielen Jahren ein multikultureller Ort. Rund 30 verschiedene Nationalitäten leben dort zusammen. Nun wird die für ihre Gastfreundschaft bekannte Kommune bald um etwa 100 weitere Neubürger reicher - wenn auch nur für ein paar Tage.

Jessica Schumacher und Christian Porsch mit der neuseeländischen Flagge. Sie freuen sich schon auf die Gäste von der anderen Seite der Erde. Bild: fue
von Autor FUEProfil

Speichersdorf. Vom 3. bis 5. Oktober macht eine Delegation aus Neuseeland Station in der Gemeinde. Während die Erwachsenen im Falkenheim untergebracht sind, werden für die anreisenden Schüler noch einige Gasteltern gesucht.

Initiatorin des Besuchs aus der mehr als 18 000 Kilometer entfernten, südöstlich von Australien gelegenen Insel ist die 18 Jahre alte Jessica Schumacher. Die Schülerin des Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasiums (WWG) Bayreuth verbrachte als Teil eines Schüleraustauschprogramms neun Monate am "anderen Ende der Welt" und war begeistert von ihrer vorübergehenden Heimat. "Es war schon immer mein Traum, einmal nach Neuseeland zu gehen." Ihre Vorstellungen und Träume seien nicht enttäuscht worden. Es habe einfach alles gepasst dort. "Ich durfte unglaublich herzliche, offene und spontane Menschen kennenlernen."

Jessica Schumacher besuchte in Neuseeland die Schule in Tuakau, einer etwa 4000 Einwohner zählenden Kleinstadt im Bezirk Waikato. Circa eine Fahrstunde entfernt liegt Oakland, die größte Stadt der nördlichen der beiden Neuseeländer Inseln. "Wenn du dorthin fährst, siehst du hundert Mal mehr Schafe als Menschen", erinnert sie sich schmunzelnd. Die Speichersdorferin machte nach dem Dreivierteljahr einen Abschluss an der Schule, der sie zum Arbeiten berechtigen würde.

Blindes Verständnis

Trotz ihres Auslandsaufenthalts durfte die Schülerin des elften Jahrgangs ihre Noten am WWG in Bayreuth behalten.
Noch heute ist Jessica tief beeindruckt von ihrem Erlebnis Neuseeland. "Dort geht es viel gelassener zu, was wohl auch an den großen Entfernungen liegt. Man muss einfach mehr Geduld haben in Neuseeland. Das Land ist von der Fläche her ungefähr so groß wie Deutschland, hat aber nur vier Millionen Einwohner und gefühlt genauso viele Schafe." Mit ihrer Gastfamilie habe sie sich bestens verstanden, die Chemie habe sofort gepasst. Ihre Gast-Mama, eine Lehrerin, und ihre Gast-Schwester, eine Uni-Schülerin, hätten sie prima aufgenommen und behandelt wie ein ganz normales Familienmitglied.

Jetzt freut sich Jessica auf die Gäste, die von 21. September bis 14. Oktober zu einer Europatour aufbrechen. Frankreich, Italien und Deutschland sind die Ziele der 64 Schüler zwischen 15 und 18 Jahren und 38 Erwachsenen aus Neuseeland. Drei Tage, vom 3. bis 5. Oktober, werden sie von Speichersdorf aus verschiedene Ziele ansteuern: Die Gedenkstätte Flossenbürg, Bamberg und Bayreuth. Am 4. Oktober veranstaltet das WWG eigens für die neuseeländische Delegation einen Europatag mit Sportwettbewerben, Tänzen, Liedern und einem Konzert. Tags zuvor werden die Speichersdorfer ihren Gästen in der Sportarena beim Willkommensabend einen herzlichen Empfang bereiten und ihre Gastfreundschaft beweisen.

Herberge beim Rathauschef

Jessica Schumacher ist überzeugt, dass sich die Neuseeländer in Oberfranken sehr wohlfühlen werden. "Die Speichersdorfer haben schon oft bewiesen, dass sie sich mit Gästen aus aller Welt verstehen." Gemeinderat und Jugendbeauftragter Christian Porsch, der die Schülerin bei der Herbergssuche unterstützt, ist sich dessen ebenfalls sicher: "Nicht zuletzt hat man das bei der Kegel-Weltmeisterschaft oder bei den vielen internationalen Wettkämpfen der Sportstacker von den Hochstaplern gesehen." Ehrensache ist es für Porsch und seinen Vater, Bürgermeister Manfred Porsch, auch Schüler zu beherbergen an den drei Tagen im Oktober.

"Das wird sicher eine tolle Erfahrung für alle Beteiligten werden", freut sich die 18-Jährige auf die gemeinsamen Tage. "Speichersdorf ist für seine Gastfreundschaft bekannt. Ich bin mir sicher, dass wir auch für unsere jungen Gäste aus Neuseeland gute Gastgeber sind", ruft auch Bürgermeister Manfred Porsch dazu auf, sich an dem Austausch zu beteiligen.

Natürlich betrachtet Jessica Speichersdorf und Oberfranken weiterhin als Heimat. Obwohl ihr in Neuseeland viele Dinge besser gefallen haben als hier. Deshalb ist ihr Wunsch, so schnell wie möglich wieder dorthin zu fliegen, keine allzu große Überraschung.

Wer Interesse hat, Schüler aus Neuseeland für zwei Nächte zu beherbergen, kann sich bei Jessica Schumacher, Telefon 0175/6287230, oder bei Christian Porsch, Telefon 0151/54723955, melden.

Das Land ist von der Fläche her ungefähr so groß wie Deutschland, hat aber nur vier Millionen Einwohner und gefühlt genauso viele Schafe.Jessica Schumacher

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