Berchinger Rossmarkt 2018: Pferde, Politik und Pointen
Söders Regierungserklärung

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) steht beim beim Berchinger Rossmarkt zwischen zwei Pferden. Bild: Armin Weigel/dpa (Foto: dpa)
Politik
Berching
07.02.2018
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Die Zügel in der Hand halten: So in der Art stellt sich das wohl auch Markus Söder vor, wenn er in Bayern an der Macht ist. Nur das der Freistaat kein Pferd ist. Bild: Armin Weigel/dpa

Pferde, Politik und Pointen: Der bayerische Finanzminister Markus Söder zeigt sich auf dem Berchinger Rossmarkt volksnah und staatsmännisch. In seiner Rede stellt er klar, was er als Ministerpräsident vorhat.

Es scheint ihn gar nicht besonders zu jucken. Kurz bevor Markus Söder (CSU) vor der Berchinger Grund- und Mittelschule aus seinem Dienstwagen steigt, wird bekannt, dass sich Union und SPD auf eine Große Koalition geeinigt haben. Der designierte bayerische Ministerpräsident betont zwar, wie wichtig eine stabile Regierung für Deutschland sei und dass er hoffe, die SPD-Basis stimme zu. Aber Söder sagt auch: "Berching ist heute wichtiger." Dass Horst Seehofer Bundesinnenminister werden soll? Söder verzieht keine Miene: "Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe mich auf den großartigen Rossmarkt konzentriert."

Bei seiner Rede - fast eine Regierungserklärung - setzt er mehrere Schwerpunkte. Was ihm besonders wichtig ist: Er wolle Politik für den kleinen Mann machen. Für die Menschen, wie sie hier in Berching (Kreis Neumarkt) auf dem traditionellen Rossmarkt vor ihm stehen, für Regionen wie die Oberpfalz. Und eben nicht für die Eliten in Berlin und München - gegen die er oft wettert.

Zu Beginn verteilt Söder viel Lob: Der Rossmarkt sei toll, die Oberpfalz sei toll, und vor allem Bayern sei toll. Freilich auch Deutschland. "Das liegt aber nicht an Berlin, sondern an Bayern", sagt Söder. Und am ländlichen Raum. Vor allem dort liege die Zukunft des Freistaats, dort wolle Söder investieren. Stichpunkt Breitbandverbindung: "Jeder soll einen Gigabit-Anschluss haben." Auch das Mobilfunknetz müsse verbessert werden. 20 Millionen Euro wolle Söder in die Hand nehmen. Vereinzelter Applaus im Publikum, ein Mann in der ersten Reihe ruft "Bravo".

Pflegekräfte stärken

Stichwort Gesundheit: Auch in Krankenhäuser wolle er investieren, eine Landarztprämie einführen. Beim Thema Pflege greift Söder die "große Politik" an, sprich: Angela Merkel. Die habe sich zu wenig interessiert für das Thema. Söders Plan: Die Pflegekräfte besser bezahlen, mehr unterstützen. Auch die, die nicht in einem Tarifvertrag sind, die Angehörige daheim pflegen. Dafür solle es ein bayerisches Pflegegeld geben. "Damit jeder so lange wie möglich zu Hause bleiben kann", ruft Söder in die Menge. Die antwortet verhalten, der Mann in der ersten Reihe ist aber begeistert und sagt: "Da hat er recht."

Die größte Zustimmung im Publikum erhält der künftige Ministerpräsident beim Thema Zuwanderung. Ein Punkt, der ihm persönlich sehr wichtig ist, sagt Söder. "Die Seelenlage unseres Volkes hat sich seit 2015 geändert." Und jeder, der das verleugne, sei nicht ehrlich. Dann dankt er den vielen Flüchtlingshelfern für ihr Engagement. Aber eins sei auch klar, sagt Söder: Die Balance stimme nicht ganz. Bayern gebe mehr Geld für Zuwanderung aus als für Umwelt, Wirtschaft und Gesundheit. Das sei auf Dauer nicht richtig. Man müsse zuerst auf die einheimischen Menschen schauen. Applaus im Publikum, der Mann in der ersten Reihe schreit wieder "Bravo". Zuwanderung sei auch eine kulturelle Frage. "Wer bei uns lebt, soll sich auch an unsere Werte und Sitten anpassen." Und natürlich die deutsche Sprache lernen. Söder scherzt: "Wenn sie begabt sind, dann lernen sie bayerisch. Wenn sie besonders intelligent sind, fränkisch." Großes Gelächter. Söder sagt: "Das musste sein, darauf habe ich lange gewartet."

Hände abgeschleckt

Der designierte bayerische Ministerpräsident zeigt sich volksnah. Hier ein Plausch mit Milchbauern, dort ein Handschlag mit Rettungskräften. Bei seiner Rede scherzt er immer wieder, sorgt für Lacher - auch auf eigene Kosten. Söder nimmt sich Zeit, um mit Kindern Fotos zu machen oder Autogramme zu schreiben, einmal signiert er ein Bild von sich im Prinz-Regenten-Kostüm. Natürlich schaut er sich auch ein paar Rösser aus der Nähe an, die ihm sogleich die Hände abschlecken.

Söder ist ja nur eine Attraktion von vielen auf dem Rossmarkt. Für einige viel interessanter: Die rund 100 Pferde, die vor der Rede präsentiert werden. Tausende Menschen sind wieder nach Berching gekommen. Auch Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, der die Söder-Rede "eigentlich gut" findet. Dieser habe die wunden Punkte angesprochen. Aber: "Er hat oft gesagt: Wir werden." Dabei habe die CSU doch bereits die absolute Mehrheit. "Warum haben sie es also noch nicht gemacht?"

Für Söder ist es der dritte Auftritt auf dem Rossmarkt. Und es könnten gerne weitere folgen. Dann als Ministerpräsident. Wann er es endlich wird? "Ich weiß es auch nicht genau." Jedenfalls will er's nicht länger als zehn Jahre sein, wie er nochmal bekräftigt. "Das reicht." Ein Signal wolle er damit aus Bayern senden. Wohin, sagt er nicht. Vielleicht nach Berlin?
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