25.09.2020 - 07:54 Uhr
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Was Autofahrer über Winterreifen wissen sollten

Vor dem Winter stellt sich für viele Autofahrer auch die Reifenfrage. Neben speziellen Winterpneus sind auch Ganzjahresreifen für Schnee und Eis zugelassen. Und es gibt weitere Möglichkeiten.

Rutschfestes Rüstzeug: In Deutschland sind Winterreifen immer dann verpfichtend, sobald winterliche Straßenverhältnisse es erfordern. Foto: Markus Scholz/dpa-tmn
von Agentur DPAProfil

Bonn (dpa/tmn) - Wenn es draußen nass und kalt wird, ist das ein untrügliches Anzeichen dafür, dass es bald auch Zeit wird für eine wintergerechte Autobereifung. Seit 2010 ist diese gesetzlich vorgeschrieben, wenn winterliche Straßenverhältnisse herrschen, also bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte.

Infrage kommen reine Winterreifen, Ganzjahresreifen oder runderneuerte Pneus dieser beiden Sorten. Ein festes Startdatum jedoch gibt es nicht, denn es handelt sich um eine „situative Winterreifenpflicht“, so der ADAC. Als Faustformel gelte aber der Zeitraum von Oktober bis Ostern. Wer die Winterreifenpflicht missachtet, riskiert ein Bußgeld von mindestens 60 Euro sowie einen Punkt in Flensburg.

Aufschlussreiche Reifenflanke

Ob ein Reifen für den Einsatz im Winter zugelassen ist, lässt sich an der Reifenkennzeichnung ablesen: „Entscheidend ist das Alpin-Symbol, also das Bergpiktogramm mit Schneeflocke auf der Reifenwand“, sagt Michael Schwämmlein vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV). Daneben sind bis zum 30. September 2024 auch noch Reifen mit der M+S-Kennzeichnung für den Winter zugelassen, sofern die Pneus bis Ende 2017 produziert wurden.

Technisch gesehen unterscheiden sich Reifen für den Winter vor allem durch die Gummimischung und das Profil von Sommermodellen: „Winterreifen besitzen eine weiche Gummimischung. Die sorgt bei kalten Temperaturen für kurze Bremswege“, erklärt Antonia Eckert vom Auto Club Europa (ACE). „Außerdem besitzen Winterreifen viele Lamellen, also kleine wellenförmige Einschnitte in den Profilblöcken, die maßgeblich dazu beitragen, dass der Winterreifen auf Schnee und Eis eine bessere Haftung hat.“

Jahreszeit-Reifen sind Spezialisten

„Reine Winter- wie Sommerreifen sind Spezialisten für die jeweilige Jahreszeit, während der Ganzjahresreifen einen Kompromiss darstellt“, sagt Schwämmlein. „Ein Ganzjahresreifen kommt an diese Spezialisten nicht heran, das macht sich vor allem im Sommer durch ein schlechteres Handling und einen längeren Bremsweg bemerkbar.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der ACE, der acht Ganzjahresreifen unter verschiedensten Bedingungen getestet hat. Das Ergebnis: Einige Modelle hatten bessere Sommerfahreigenschaften, andere konnten im Winter punkten. Unterm Strich bleibe der Ganzjahresreifen aber ein Kompromiss. „Für Wenigfahrer, die nicht auf das Auto angewiesen sind und den Wagen bei Extremwetterlagen auch stehen lassen können, sind diese Reifen aber durchaus eine Möglichkeit“, so Eckert.

Wer häufig in Gebieten mit winterlichen oder extremen sommerlichen Bedingungen mit dem Auto unterwegs ist, sollte aber nicht zum Ganzjahresreifen greifen, sagtSchwämmlein.

Neu aufgebautes Profil

Eine weitere Alternative für den Winter sind runderneuerte Reifen. „Diese Reifen kommen als umweltbewusste Alternative zu Neureifen infrage. Sie unterliegen in der Typengenehmigung ähnlichen Vorgaben wie Neureifen“, erläutert Schwämmlein. Hier wird der Unterbau eines gebrauchten Reifens - nachdem er auf mögliche Vorschäden durchleuchtet wurde - erneut genutzt und nur die Lauffläche mit dem Profil komplett neu aufgebaut. Wegen dem hohen Anteil von Handarbeit dabei lägen die Runderneuerten preislich oft über Billigangeboten für Neureifen aus Asien, so Schwämmlein.

Sortenrein rollt am besten

Welcher Reifen auch immer zum Einsatz kommt, empfehlenswert ist es, alle vier Räder mit der gleichen Sorte zu bestücken. „Nach europäischem Recht muss zumindest achsweise der gleiche Reifen gefahren werden, wir empfehlen aber dringend, am gesamten Fahrzeug Reifen vom gleichen Fabrikat und Typ aufzuziehen“, sagt Stefan Ehl von der Prüforganisation KÜS.

Wer ins winterliche Ausland reisen will, sollte die jeweiligen Landesvorschriften kennen. So gilt etwa in Österreich für Winterreifen ein Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern, während in Deutschland 1,6 gesetzlich ausreichend sind. Die Experten raten aber auch hier zu mindestens 4 Millimetern. „Zudem gilt in einigen Ländern eine Mitführungspflicht für Schneeketten“, weiß Schwämmlein. Auch sind in Skandinavien und einigen Alpenländern Spikereifen erlaubt, aber in Deutschland seit 1975 verboten.

© dpa-infocom, dpa:200924-99-696340/2

Gibt Tipps zum Thema Winterreifen: Stefan Ehl von der Prüforganisation KÜS. Foto: KÜS/dpa-tmn
Was ist das Besondere an Winterreifen? Michael Schwämmlein vom Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) gibt Auskunft. Foto: El Kholy/BRV/dpa-tmn
Profis mit Profil: Spezielle Winterreifen haben nicht nur ein besonderes Profil, sondern auch weichere Gummimischungen. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Wintertauglich: Reifen mit Schneeflocken-Symbol sind als Winterreifen zugelassen. Foto: Robert Günther/dpa-tmn
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