21.01.2018 - 20:00 Uhr
BirglandOberpfalz

Telekom vernachlässigt Region beim Handy-Empfang Mobilfunk: Fehlanzeige im Birgland

"Mit hohem Tempo mobil ins Internet - Telekom versorgt Birgland mit LTE-Technik -Schneller Surfen mit bis zu 50 MBit/s" heißt es in einer Pressemeldung der Telekom. Die Wirklichkeit aber sieht anders aus. Im Birgland klaffen riesige Funklöcher.

"Hier sind wir auf dem Status eines Entwicklungslandes." Zitat: Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Ab sofort könnten die Bürger im Birgland schnell mobil surfen - und zwar in ähnlich hohem Tempo wie im Festnetz. Die Telekom habe die Gemeinde mit der Mobilfunktechnik LTE (Long Term Evolution) versorgt. LTE steht für hohe Sprachqualität und schnelle Datenübertragung. Das behauptet die Telekom. Aber wie ist die Realität?

Der Sulzbach-Rosenberger kennt im Stadtgebiet Funklöcher nur im Bereich Forsthof/B 85 und an einigen wenigen andren Flecken. Im Birgland und auch in der Gemeinde Illschwang aber geht stellenweise gar nichts. "Wir sind sehr enttäuscht von der Telekom", meint Bürgermeister Dieter Dehling. Er wird wie seine Kollegin Brigitte Bachmann im Birgland ständig von genervten Bürgern auf die riesigen Funklöcher hingewiesen. Und die spricht jetzt Klartext:

Frau Bachmann, ist denn in der Gemeinde der Empfang überall gleich oder gibt es weiterhin Funklöcher?

Brigitte Bachmann: Nachdem ich die Werbung der Telekom gelesen hatte, musste ich mich erst einmal beruhigen. Es ist eine reine Werbekampagne, wie sie auch Vodafone des Öfteren betreibt. Dabei ist der 1. April noch fern. Der einzige Ort, an dem ich mit meiner Telekom-Handykarte im Umkreis ohne Unterbrechung telefonieren kann, ist mein Büro in Illschwang, die Besucherbank in Schwenderöd und die im nahen Waldgebiet gegenüber der Staatsstraße bei Schwend. Von meinen 42 Ortschaften und Weilern haben die meisten Bürger einen unzumutbaren oder mancherorts überhaupt keinen Handyempfang. Fragen Sie mal im Wirtshaus Laurer in Sunzendorf nach. Ich habe selbst mitgehört, wie ein langjähriger aber jetzt ehemaliger Gast auf Anfrage von Frau Laurer bei einem zufälligen Treffen in Amberg sagte, dass er wegen dem nicht vorhandenen Mobilfunknetz in Sunzendorf mit seinen Mitarbeitern nicht mehr zum Essen kommen könne.

Da habe ich noch funktionierende Wirtshäuser in der Gemeinde, deren Eigentümer keine Kosten für die Modernisierung gescheut haben, und dann gibt es noch nicht einmal Mobilfunk. Hier sind wir auf dem Status eines Entwicklungslandes, Breitbandversorgung nicht zu vergessen.

Bekommen auch die Kunden anderer Mobilfunkanbieter diese Geschwindigkeit zur Verfügung gestellt oder nur Telekomkunden?

Bachmann: Die Telekom arbeitet grundsätzlich nicht mit anderen Anbietern zusammen. Wir arbeiten beim sogenannten schnellen Internet mit der Firma Brandl Services Pavelsbach, die im Gegensatz zur Telekom das Kabel nicht über Masten verlegt, sondern unter der Erde. Hier gab es speziell bei einer Ortschaft Schwierigkeiten, weil die Telekom - sagen wir mal - es vergessen hat, alle notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich hätte liebend gerne den Vertrag mit der Telekom abgeschlossen, nachdem fast jeder Haushalt einen Festanschluss von der Telekom besitzt, doch sind wir wenigen Bürger auf die Fläche gerechnet unattraktiv, im Klartext unwirtschaftlich. Meiner Meinung nach wäre es der Auftrag der Telekom gewesen, mit staatlichen Fördergeldern den Breitbandausbau voranzutreiben. Nun "wurschtelt" jeder vor sich hin, was diesen Ausbau für mich gefühlt teurer macht. An Weihnachten sollten ja manche Wünsche wahr werden, aber in welchem Jahr?

Gibt es inzwischen eine aktuelle Entwicklung?

Aber ja. Heute kamen nun noch weitere Beschwerden hinzu, dass in Schwend seit letzten Sonntag bei den Telekom-Kundenanschlüssen weder Telefonie noch Internet funktionieren. Über die Gründe kann ich nur spekulieren.

Autobahn ist wichtiger

Die Freude hielt nicht lange: Nach einem halben Tag Verbindung im Mobilfunknetz ging vor ein paar Tagen nun wieder nichts im Birgland. Brigitte Bachmann rekapituliert und stellt auch eine haarsträubende Aktion der Telekom an der Autobahn vor.

Noch einmal zur Erinnerung: Seit Anfang Dezember funktioniert das Mobilfunknetz in Frechetsfeld und Fürnried nicht. Als Grund erhielten die Bürger die verschiedensten Aussagen: Die Gemeinde habe den Mietvertrag für den Funkmasten nicht unterschrieben, Reparaturarbeiten müssten vorgenommen werden und vor kurzem, quasi als Clou, dass die Antenne des Birglandes für die Autobahn benötigt worden wäre, damit die dort fahrenden Autos und Lastwagen keine Unterbrechung in der Verbindung hätten.

Sollte das stimmen, findet Bachmann das empörend. "Besonders meine Geschäftsleute und Firmen sind darauf angewiesen, dass das Handynetz funktioniert." Die Birgland-Bürgermeisterin sucht jetzt nach ähnlichen Fällen und überlegt, Staatssekretär Albert Füracker einzuschalten. (ge)

Hier sind wir auf dem Status eines Entwicklungslandes.Birgland-Bürgermeisterin Brigitte Bachmann

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