01.11.2017 - 20:00 Uhr
BodenwöhrOberpfalz

Bodo Kirchhoff liest aus seinem Buch Preisgekrönter Autor in Nittenau

Eigentlich wollte Reither nur seine Ruhe haben. Zuhause bei Rotwein und einem Buch, Schritte vor seiner Tür, die er schließlich öffnete, und schon war er mittendrin in einer Zufallsbekanntschaft, mit der er spontan ungeahnte Wege beschritt. Aus einer Fahrt wurde eine Reise bis nach Italien - in Etappen nahm Bodo Kirchhoff sein Publikum mit auf diese Tour.

Bodo Kirchhoff war zunächst am Regental-Gymnasium, am Abend trug er einige Passagen aus seinen Werken im Haus des Gastes vor. Bild: sir
von Ingrid SchiederProfil

Nittenau. "Widerfahrnis" ist das Werk von Bodo Kirchhoff, der dafür den Deutschen Buchpreis bekam. Im Haus des Gastes wurden noch einige Stühle herbeigeschafft, angesichts des großen Andrangs bei der Autorenlesung. Carolin Schmuck, Vorsitzende des Volksbildungswerks Nittenau, freute sich über die hohe Resonanz an Besuchern. In Kooperation mit der Bücherwelt Schwandorf war dieser Abend zustande gekommen, der sich als sehr amüsant gestaltete.

Das lag vor allem an der lebendigen Erzählweise von Bodo Kirchhoff, der beim Lesen einzelner Passagen aus "Widerfahrnis" nicht nur mit seiner Stimme Akzente setzte, sondern mit Körperhaltung und Mimik den Situationen mehr Ausdruck verlieh. In Einzelheiten beschrieb er die Wohnung und die Charaktere der Personen, die Situationen gewannen durch die verschiedenen Dialoge an Tiefe. Zu Hause einmal alle Fünfe gerade seinlassen, etwas nachlässig gekleidet sein und einfach mal seine Ruhe haben wollen: Wer kennt das nicht? Und dann steht jemand vor der Tür, klingelt schließlich, simpel das Anliegen einer Terminvereinbarung. Der im Ruhestand lebende Verleger Reither traf auf die Leiterin eines Lesekreises, Leonie Palm, einer früheren Besitzerin eines Hutladens.

Die Teilnehmer am Lesekreis schreiben selber auch Geschichten. Aus dieser rein zufälligen Begegnung entspann sich eine Unterhaltung, in deren Verlauf eine Fahrt mit dem Cabrio der Dame wurde. Und nicht nur das: Bis nach Sizilien ging die Reise, bei der sich wieder Begegnungen ergaben, mit Flüchtlingen. Und auch mit seinem Buch "Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt" zeigte der Autor die Tücken auf, denen ein Schriftsteller ausgesetzt ist, wenn er nicht zahlender Passagier ist, sondern als ein sogenannter Gastkünstler fungieren soll. Hinter einem ordentlichen Honorar, der Außenkabine, freie Verpflegung und weiteren Annehmlichkeiten stecken ungeahnte Verpflichtungen und daraus resultierende Peinlichkeiten. Das Vergnügen der Zuhörer bestand an dem Antwortschreiben an die Reederei, das von leiser Ironie geprägt war und durch den vorgehaltenen Spiegel der Absurdität aufzeigt, dass im Grunde genommen kein Platz für solche Lesungen bleibt. Der Applaus ließ nicht lange warten nach den Geschichten. Nach der Lesung nutzen viele der Anwesenden die Gelegenheit, ein Buch zu erwerben und es signieren zu lassen oder mit dem Autor ins Gespräch zu kommen.

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