02.10.2017 - 16:26 Uhr
BodenwöhrOberpfalz

Wandertag in der Grundschule Schrittweise Geschichte erlebt

Die ganze Grundschule Bodenwöhr war auf Wanderschaft. 125 Erst- bis Viertklässler besuchten das Fischerhaus-Firmengelände in der Ortsmitte, wo sie auf allerhand ungewöhnliche Personen und Sachen stießen.

Die 125 Kinder der Grundschule Bodenwöhr erlebten einen besonderen Wandertag mit viel Wissenswertem über die Heimathistorie. Bilder: sir (2)
von Ingrid SchiederProfil

Ein Bergmann in voller Montur (Bürgermeister Richard Stabl) präsentierte den Kindern Gusserzeugnisse aus alter Zeit, die in Bodenwöhr gefertigt worden waren - von der Büste König Max' II. bis hin zur emaillierten Badewanne. Außerdem erklärte er den Mädchen und Buben anhand der Exponate, die im Fischerhaus-Verwaltungsgebäude ausgestellt sind, wie Eisenguss damals wie heute funktioniert.

Oberverweser Franz Adam Hofseß (Hubert Süß, wie Stabl ebenfalls vom Verein "Ring der Eisenzeit") empfing die Kinder im Freien im Schatten des mächtigen Hochofen-Modells, das die Hüttenwerks-Rentner gebaut haben. Die Kinder erfuhren, dass die Hammerherren Gilg und Kotz den zentralen See Bodenwöhrs 1464 aufgestaut haben und er den schweren Eisenhammer antrieb (daher "Hammersee"). Geschildert wurden auch die "Nachbarschaftsschwierigkeiten" zwischen Bodenwöhr und Bruck im 16. Jahrhundert.

Schule seit über 300 Jahren

Im Jubiläumsjahr der Luther-Thesen kamen auch der Dreißigjährige Krieg und die daraus folgende Verödung Bodenwöhrs zur Sprache. Nach 1670 ging es wirtschaftlich aber wieder aufwärts, weil kurze Zeit später Eisenerz bei Buch gefunden wurde. Seit über 300 Jahren ist das Schulwesen am ehemaligen Hüttenwerksort nachweisbar. Wie sich die Schule entwickelte, die Geschichten vom jüngsten Lehrer (Christoph Dobmayer, 1773, war erst 15 Jahre alt), dem dümmsten Lehrer (Herr Axtmann, 1818, konnte angeblich nicht richtig schreiben und kaum rechnen) und viele weitere Anekdoten bereicherten den Vormittag. Jener Herr Axtmann (gespielt von Ingrid Schieder) trat dann auch persönlich auf, um vom Oberverweser davongejagt zu werden. Eine weitere Szene bot der "Ring" mit der Beschwörung des vermeintlich verfluchten Hochofens durch eine Hexe aus Plößberg (Mia Süß), die freilich nicht das gewünschte Resultat brachte.

Gärten geplant

Stattdessen sattelten die Bodenwöhrer sehr erfolgreich auf Gusseisen um. Als jedoch die Eisen-Badewannen und die Öfen aus dem Hüttenwerk aus der Mode gekommen waren, war 1971 Schluss mit dem Betrieb. Fischerhaus siedelte sich an. Seitdem wird in Bodenwöhr mit Holz statt Eisen produziert. Die Geschäftsführerin Barbara Fuchs zeigte den Kindern die Produktion und erklärte ihnen, dass ihre Firma im kommenden Jahr die Gärten anlegen möchte - in der Freifläche an der Staatsstraße, wo früher die Hüttenwerksanlagen standen. Im Zentrum soll ein Spielgerät platziert werden, das Eisen-Geschichte und Holz-Gegenwart miteinander versinnbildlicht. Die Grundschüler werden in den nächsten Monaten dafür Ideen entwickeln und im Frühjahr bei der Umsetzung helfen.

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