18.04.2018 - 20:00 Uhr
BodenwöhrOberpfalz

Blitzmarathon: Kontrollstelle in Bodenwöhr Doppel-Pieps heißt Anzeige

Die Laserpistole piepst zwei Mal, dann hebt Polizeihauptmeister Matthias Lotter die Anhalte-Kelle. Fünf Verkehrsteilnehmer winkt er binnen einer halben Stunde an den Straßenrand. Der "Blitzmarathon" an der Bundesstraße 85 läuft.

Markus Schlegel mit der Laserpistole. Auf der Anzeige steht die Entfernung, in der ein Fahrzeug gemessen wurde und das Tempo. Hier wurde gerade ein Verkehrsteilnehmer mit 102 km/h erwischt, bei erlaubten 70.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Polizeibus ist weithin zu sehen, verstecken wollen sich die Kontrolleure heute nicht. "Es geht vor allem darum, bei den Verkehrsteilnehmern das Bewusstsein für angepasste Geschwindigkeit zu schärfen", sagt Erster Polizeihauptkommissar Bernhard Hager, der Chef der Inspektion Neunburg vorm Wald. Seine Mitarbeiter haben die Messstelle an der Abzweigung nach Bodenwöhr aufgebaut. "70" gilt hier derzeit als Höchsttempo, wegen einer Baustelle. Die Laserpistole piepst nur, wenn ein Fahrzeug mehr als 24 Stundenkilometer zu schnell ist.

"Man ist halt so im Dusel", sagt einer der "geblitzten" Autofahrer, er muss mit 70 Euro Bußgeld und einem Punkt rechnen und nimmt das gelassen. Die direkte Ansprache der Tempo-Sünder sei wichtig, sagt Polizeirat Bernhard Huber, zuständig für Verkehrsangelegenheiten beim Polizeipräsidium Oberpfalz. Die Aufklärung solle für mehr Sicherheit sorgen. Auch, dass das Präsidium die 94 Messstellen in der Oberpfalz bekannt gegeben hat, wie immer beim "Blitzmarathon". Huber verweist auf eine traurige Statistik: Überhöhtes Tempo gehört ist in 11 Prozent der schweren Unfälle Ursache, bei denen Tote und Verletzte zu beklagen sind. Von den 55 Verkehrstoten in der Oberpfalz im Jahr 2017 seien 15 bei Unfällen gestorben, die auf Raserei zurückzuführen waren. 565 Verletzte waren bei Tempo-Unfällen zu beklagen.

"Ziel des Blitzmarathons ist nicht eine besonders hohe Zahl von Ahndungen", bekräftigt Huber, sondern Prävention. Dafür setzt das Präsidium zum 24-stündigen Marathon von Mittwoch bis Donnerstag Früh rund 180 Beamte ein. Sie kontrollieren mit 29 Handlasern, wie in Bodenwöhr, und mit sechs "Großgeräten", also Radarfallen oder Lichtschranken. Vielleicht hat auch diese Präventionsarbeit dazu geführt, dass die Zahl der Verkehrstoten in den vergangenen 10 Jahren um 30 Prozent gesunken ist. "Aber jeder Tote und Verletzte ist einer zu viel", sagt der Polizeirat.

Die Tempokontrolle läuft parallel weiter. Ein Blick durch die Laserpistole offenbart, wie die Messungen funktionieren. Mit einem Visierpunkt im Objektiv - ähnlich einer Autofokus-Kamera - muss möglichst das Kennzeichen eines Fahrzeugs angepeilt werden, dann heißt es den Abzug zu drücken. Die Geschwindigkeit des Wagens wird eingeblendet, gleichzeitig an der Seite des Geräts angezeigt. Vorher wird eingestellt, ab welchem Tempo der "Doppelpiep" ertönen soll, der für den Kollegen das Signal ist, einen "Sünder" aus dem Verkehr zu winken. Am Mittwoch ist die Pistole auf ein Limit von 94 bei erlaubten 70 eingestellt. Drei km/h Toleranz abgezogen, sind die erwischten Fahrer mindestens 21 km/h zu schnell. Das bedeutet: Anzeige, mindestens ein Punkt im Register. Der schnellste in der ersten Messstunde am Mittwoch war mit 115 km/h unterwegs. Dafür gibt's ist schon ein Monat Fahrverbot.

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