04.09.2017 - 20:00 Uhr
BodenwöhrOberpfalz

Hospizinitiative der Caritas Begleiter auf dem letzten Weg

Kaum ein Thema wird im Alltag so von der Gesellschaft ausgeklammert wie der Tod. Früher oder später erfolgt für jedermann unausweichlich die direkte oder indirekte Konfrontation mit dem letzten Lebensabschnitt. Nicht selten entstehen dabei große Unsicherheiten. Geschulte Mitarbeiter der Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf leisten wertvolle Hilfe.

Birgit Wölker fungiert als Ansprechpartnerin rund um die Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf. Bild: sir
von Ingrid SchiederProfil

Nittenau. Beistand für Schwerkranke und deren Angehörige zu leisten, das ist die Kernaufgabe der Hospizinitiative. "Laut Gesetz hat jeder ein Recht auf Hospiz und Sterbebegleitung", erklärt Birgit Wölker, verantwortliche Koordinatorin und Pflegefachkraft mit "Palliative Care"-Weiterbildung. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Manuela Singer-Bartos fungiert sie als Ansprechpartnerin für die Hilfesuchenden.

Hoher Bedarf

Die Dauer der Begleitung ist ganz unterschiedlich. Etwa zwei bis drei Jahre sind es bei Demenzkranken, bei Krebserkrankungen ist die Begleitung laut Wölker meist von kurzer Dauer. Die Patienten werden aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen. Manchmal beginnt die Begleitung bereits in der Klinik. Auch in den Seniorenheimen sind die Hospizhelfer tätig.

Professionelle Hospizbegleiter sind emotional nicht so beteiligt wie der Angehörige. Sie wissen und vermitteln, dass etwaige Wut des Kranken sich nicht gegen seine ihn betreuenden Menschen richtet. "Nicht persönlich nehmen", rät Birgit Wölker. 80 ehrenamtliche Hospizhelfer sind im Landkreis Schwandorf derzeit tätig. Der Bedarf ist jedoch weit höher. Deshalb finden immer wieder Hospiz-Begleiter-Kurse statt. Generell handelt es sich bei den Begleitern um gefestigte Persönlichkeiten mit viel Empathie, denen durch zielgerichtete Schulungen das nötige Rüstzeug an die Hand gegeben wird.

Wie läuft nun so eine Begleitung ab? Wölker sagt, dass der Angehörige die Termine vereinbart. Zunächst sucht der Hospizhelfer das Gespräch mit dem Angehörigen, achtet aber gleichzeitig darauf, dass der Kranke eingebunden ist. Die Helfer sollen ein Gespür entwickeln, was alle Beteiligten brauchen. Häufig geht es auch darum, dass der Angehörige in der Betreuung zeitweise abgelöst wird. "Trennungsschmerz, Verlustangst und auch Existenznöte können den Angehörigen plagen", erklärt Wölker.

Demnächst neuer Kurs

Ihr Credo sei: "Nicht mitleiden, aber mitfühlen. Gefühle darf man zeigen, das ist eine Erleichterung für die Angehörigen." Im Altenheim könnten die Pflegekräfte zeitlich diese Sterbebegleitung nicht leisten. Auch für die Pflegenden sei der Einsatz von Hospizhelfern deshalb eine große Erleichterung. Vorlesen, Handmassage mit ätherischen Ölen, Hören und Singen von bekannten Liedern, Naturgeräusche wie Vogelstimmen oder Wasserrauschen - das alles kommt bei den meisten Kranken sehr gut an.

Und die Hospizhelfer? Sie profitieren selber durch ihren Dienst, der für sie selber sehr erfüllend sei, erläutert Wölker. "Es ist das gute Gefühl, jemanden geholfen zu haben, Wertschätzung zu spüren, das Leben für den Augenblick, gegen den Trend der Schnelllebigkeit und Geld." Der nächste Hospiz-Begleiter-Kurs beginnt am Dienstag, 19. September, und umfasst 120 Stunden. Es sind noch einige wenige Plätze frei. Informieren und anmelden können sich Interessierte bei der Hospizinitiative in den Räumen der Caritas-Sozialstation Nittenau, St.-Wolfgang-Straße 3, oder unter Telefon 09436/3009313 und 0151/20312086 sowie per E-Mail an hospiz[at]caritas-sad[dot]de.

Trennungsschmerz, Verlustangst und auch Existenznöte können den Angehörigen plagen.Birgit Wölker, Pflegefachkraft und Koordinatorin bei der Hospizinitiative

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