Brand _ Ein Ort erfindet sich neu
Peter Haimerl präsentiert seine Vision von einem neuen Brand

Eineinhalb Stunden lang hielt Gemeinderäte und Zuhörer den Atem an, als der Münchener Architekt Peter Haimerl (Dritter von links) seine Vision von einem „neuen Brand“ vortrug. Mit ihm war seine Mitarbeiterin und künftige Projektleiterin Anna Firak in der Gemeinderatssitzung anwesend.
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Brand
29.06.2017
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Da hat einer eine Vision, die keine bleiben soll. Die Umsetzung ist das Ziel. Ideen von einem neuen Brand! "Brand - Branding - Ein Ort erfindet sich neu!" titelt die Computerpräsentation, die der Münchener Architekt Peter Haimerl den andächtig lauschenden Gemeinderäten vorführt.

(ld) Und er ist nicht irgendein Architekt, die lange Liste an Auszeichnungen zeugen von nationaler und auch internationaler Anerkennung. Zahlreiche, zukunftsweisende Projekte zeugen von der Denkart des Architekten.

Eine Parkgarage in der Münchner Innenstadt gehört zu seinen preisgekrönten Projekten, ein Spiegel-Pavillon im Stadtpark von Cincinnati und natürlich das mehrfach ausgezeichnete Konzerthaus Blaibach, ein Kunstraum mitten im Dorf und das im letzten Winkel des bayerischen Waldes. Und jetzt die Gemeinde Brand. Haimerl denkt in anderen Kategorien, die sich die Gemeinderäte erst noch erschließen müssen. Er geht andere Wege. Um diese zu verstehen, braucht man Zeit und vor allem Offenheit, auch verknüpft mit einer Portion Mut.

Durchs Fenster

Und natürlich müssen auch seine Mitarbeiter diese Wege mitgehen. Anna Firak, die ihn nach Brand begleitete hatte und künftige Projektleiterin wird, tut dies und hat dies auch schon eindrucksvoll bewiesen, als sie ins - seit einigen Tagen gemeindeeigene - Schlachthaus zum Vermessen durchs Fenster einstieg, weil ein Schlüssel einfach nicht verfügbar war.

Dieses Gebäude wird die "Initialzündung" des Projektes sein, gefolgt von der Freibadbrache und dem "Goberhaus". Das Rätsel um die 330 000 Euro, über die vor einiger Zeit berichtet wurde, ist somit auch gelöst. Brand hatte das Glück, in die Städtebauförderung zu kommen, und die Summe ist der erste Teil davon. Was will Peter Haimerl? Er will Brand einen Stempel aufdrücken, und zwar einen, den sonst keine Gemeinde hat: Branding, brandmarken im positiven Sinn. Nach außen wirtschaftlich vermarkten und nach innen ein neues Selbstverständnis setzen. Eine noch stärkere Veränderung als die derzeitige habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben.

Läden und Gasthäuser verschwinden, alte Dorfstrukturen sind nicht mehr da. Und auf die Frage "Was machen wir jetzt?" weiß niemand eine Antwort, weil man sich inmitten eines neuen Selbstfindungsprozesses befindet. Gemeinden müssten sich wirtschaftlich konsolidieren und das gehe nur über Steuer, Einkommens- und Gewerbesteuer. Man könne niemanden zwingen, nach Brand zu ziehen, doch man könne Firmen motivieren, dies freiwillig zu tun.

Alleingestellt

Dafür gebe es das "Branding", Bekanntheit für eine bestimmte Eigenschaft erlangen, ein Alleinstehungsmerkmal. Immer wieder fällt der Begriff "Kultur": Arbeitskultur, Wohnkultur, Lebenskultur und vor allem Historie im Sinne von "kulturvollem Umgang mit der Bausubstanz". Mit Architektur müsse Kultur geschaffen werden, Kultur sei die Haupt-Basis der Architektur. In seinem eineinhalbstündigen Vortrag beklagte Haimerl auch den Verlust der Architektur-Qualität. Baumärkte hätten ungeheuren Einfluss auf die Bautätigkeit, Gebäude würden von schnell ausgebildeten Fachleuten errichtet.

Historischer Kern

Eine Bestandsaufnahme von Brand zeige einen historischen Ortskern, von der Max-Reger-Straße aus aber gebe es auch ein riesiges Neubaugebiet, in das der alte Ortskern nicht einbezogen ist. "Der Mittelpunkt hat es nicht kapiert, dass er Mittelpunkt ist."

Drei Pilotprojekte sollen am Beginn stehen, wobei das ehemalige Schlachthaus an der Einfahrt ins Dorf zu einem Willkommensgebäude mit Laden, Café, Ausstellungsraum oder Büro werden könnte. Das Gebäude habe eine wunderbare Größe, sei wertvoller als manch anderes Haus. Es sei verfallen, gefalle nicht, aber die Tradition spiele eine besondere Rolle. Die Wortbeiträge der Gemeinderäte ließen auch Aufbruchstimmung erkennen.
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