CSU-Politiker im Helferkreis für Flüchtlinge engagiert
Nichts tun geht nicht

"Da kann ich nicht wegschauen und nichts tun." Zitat: Bürgermeister Ludwig König über sein Engagement im Helferkreis.
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Brand
21.12.2016
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Ein Anruf, und Bürgermeister Ludwig König springt ins Auto: Ein Notfall beim Helferkreis für Flüchtlinge. Ein zweijähriger Bub hat hohes Fieber, klagt seine Mutter. König fährt beide ins Krankenhaus. Viele hätten das nicht von einem CSU-Politiker erwartet.

Besonders, wenn Kritik laut wird, die CSU wäre zu rechtslastig, oder nähere sich inhaltlich der AfD, ist König der Beweis, dass es auch anders geht. Er habe den Eindruck, dass die großen Entscheider sich die Lage vor Ort ansehen sollten, sich ein Bild von dem machen, was im kleinen Dorf passiert.

"Da kommen am Boden zerstörte Familien an, alleinerziehende Mütter mit vier Kindern, die in Lager hausten, die sicher nicht menschenwürdig waren." Da kann der Bürgermeister nicht wegschauen und nichts tun. "Wenn eine Mutter sagt, mein Zweijähriger hat hohes Fieber, dann kann ich nicht sagen: 'Komm morgen wieder, ich klär das erst mit dem Landratsamt.' Natürlich fahre ich sie mit dem Jungen ins Krankenhaus", erläutert König.

Ob seine Helfer-Einstellung sich auch mit dem politischen Standpunkt vereinbaren lässt? Der Bürgermeister trennt das Ehrenamt eher von seinem Job. "Angela Merkel hat gesagt: Wir schaffen das. Sie hat sich wahrscheinlich auch mehr Unterstützung von anderen EU-Staaten erhofft", sagt er. Zuviele Faktoren würden in die Flüchtlingspolitik hineinspielen. "Frieden in Syrien wäre gut", sagt der CSU-Politiker. Mit der Obergrenze, die Ministerpräsident Horst Seehofer festlegen möchte, ist König nicht konform: "Wenn wir noch 200 000 Flüchtlinge aufnehmen, was passiert dann mit dem 200 001?"

Selbst wenn die Obergrenze kommt, "wir müssen uns richtig um die kümmern, die schon da sind." Deshalb ist der Helferkreis und insbesondere die Asylanten auf Fahrdienste angewiesen. In einer größeren Stadt sei das anders, die Asylanten kommen besser von A nach B, können Behördengänge alleine erledigen. Die öffentlichen Verkehrmittel auf dem Land sind dürftig. Nur zum Arzt nach Neusorg kommen sie mit dem Bus. Um Ämtergänge zu erledigen, Elterngeld oder Kindergeld zu beantragen, sind sie auf ein Auto angewiesen. "Ein Kollege saß letztens sechs Stunden mit einem Flüchtling im Jobcenter. Das ist schon zeitraubend." Zum Einkaufen fahren alle gemeinsam mit den freiwilligen Fahrern des Helferkreis. Auch wenn man gerne helfe, gehe es von der Freizeit ab. Die meisten, die sich engagieren, sind über 60 Jahre alt. Rentner, mit Zeit und Auto.

Seit September 2014, als die ersten Hilfesuchenden im Ort ankamen, hilft König mit. "Gott sei Dank gibt es Frau Wöhner von der AWO und Frau Zeitler von der Caritas. Auch Georg Zaus und seine Frau Irmgard leisten tolle Arbeit." Zu den größten Problemen der Integration gehört die Sprache: "Anfangs haperte es noch", sagt der Bürgermeister. Nach wöchentlichen Deutschstunden mit dem pensionierten Lehrer Franz Preis konnten die Asylanten an der VHS einen Kurs besuchen. Ein halbes Jahr fuhren sie jede Woche mit dem Schulbus vormittags zum Unterricht nach Kemnath. Johanna Kuhbandner, Zaus Tochter, lernt mit den Flüchtlingen ab und an immer noch deutsch. "Mit denen, die regelmäßig den Unterricht besuchten, kann man sich gut unterhalten", so der Rathauschef.

In Brand sind derzeit noch zehn Flüchtlinge, alle anerkannt mit einer Aufenthaltsgenehmigung. Drei Familien, darunter vier Kinder. "Diese Leute sind wirklich dankbar für jeden Handgriff, den man tut", erklärt der König. "Ich mache das in jedem Fall weiter, davor kann ich meine Augen nicht verschließen", auch wenn der Bürgermeister für spontane Fahrdienste Arbeit liegen lassen oder seine Freizeit opfern muss.

Da kann ich nicht wegschauen und nichts tun.Bürgermeister Ludwig König über sein Engagement im Helferkreis.
4 Kommentare
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Maria Estl aus Pullenreuth | 21.12.2016 | 11:32  
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 21.12.2016 | 13:09  
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Markus Balk aus Waldsassen | 21.12.2016 | 13:33  
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Markus Balk aus Waldsassen | 21.12.2016 | 14:03  
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