22.11.2017 - 20:00 Uhr
BrandOberpfalz

Große Pläne für das Schlachthaus in Brand: "Das fliegende Schlachthaus"

Große Pläne hat Architekt Peter Haimerl für das alte Schlachthaus. Es soll so gut wie möglich erhalten und saniert werden. Einige Gemeinderäte haben Nachfragen, doch der Architekt verfolgt seine Vision.

Peter Haimerl (Zweiter von links) war zusammen mit seiner Mitarbeiterin Judith Kinzl in der letzten Sitzung des Gemeinderates anwesend, um die Entwurfsplanung für den Schlachthausumbau zu erläutern
von Bertram NoldProfil

Es geht voran mit der Städtebauförderung und auch mit der Revitalisierung des Ortskerns, begonnen beim alten Schlachthaus. In der letzten Gemeinderatssitzung galt es, das Fördergebiet festzulegen, das mit der Regierung abgesprochen wurde. Im Westen ist es begrenzt beim Anwesen Söllner in der Fichtelberger Straße. Nicht mehr dabei sind die Anwesen Kraus bis Schulte-Fischedick. Im Norden ist der Bereich des Freibads eingeschlossen und auch Neubrand ist dabei bis zur Tannenstraße. Der Bereich "östliche Ortskernerweiterung" wurde gestrichen. Die Bürgermeister-Daubner-Straße und das Anwesen von Willi Würstl sind nicht mehr Fördergebiet.

Spannend wird der Umbau des Schlachthauses. Die Entwurfsplanung ist fertig und lag dem Gemeinderat in der letzten Sitzung vor. Bürgermeister Ludwig König (CSU) konnte zur Sitzung auch den Architekten Peter Haimerl und seine Mitarbeiterin Judith Kinzl begrüßen. Einmal mehr stellte Haimerl das Haus als überaus interessant heraus. Der alte Baubestand begeistert ihn und das alte Backsteingemäuer mit einem Anbau hat für ihn einen ungeheuren Charme. Das Objekt begeistert ihn auch wegen seiner "wunderbaren Größe". Von außen wird es nahezu unberührt bleiben, der Anbau bekommt nach Westen eine Öffnung von drei mal drei Metern, wobei Haimerl über die Größe noch mit sich reden lässt.

Laden und Café möglich

Ein Tante-Emma-Laden soll es werden und vielleicht ein Tagescafé, das zu einer Einkehr für Radfahrer und Biker einlädt. Im Laden sollen regionale Produkte angeboten werden. Nichts wird aus dem Haus verschwinden, auch das ehemalige Metzgerei-Equipment nicht. Die Fleischerhaken bleiben da und die Räuchereinrichtung, selbstverständlich wird alles saniert. Im Anbau muss eine Trennwand weichen, dann entsteht ein etwa 40 Quadratmeter großer Raum. Die Decke muss bleiben; dort waren die Fleischerhaken angebracht und die Träger sind wichtig für die Statik. "Jeder hat schon einmal in einem weiß getünchtem Raum getagt. Aber wer hat sich schon in einem Raum an einen Tisch gesetzt, der vom Boden bis zur Decke gefliest ist?" fragte Haimerl. Die weißen Fliesen werden nicht verschwinden. Den Raum im Anbau werden auch seine beiden Mitarbeiterinnen Judith Kinzl und Anna Firak als Büro nützen; auch als Informationszentrum für die Bürger.

Man muss sich öffnen für die Ideen des Architekten und für sein Konzept. Es wird ein Gesamtkunstwerk bleiben, das nur machbar ist, wenn das Gesamtkonzept akzeptiert und nicht um Einzelheiten debattiert wird. "Eine coole Hütte" wird es werden und sie wird ein breites Publikum ansprechen. "Genauso cool wie in Berlin kann man auch in Brand sein!" Schon die Bauphase werde regionale und überregionale Medien nach Brand holen, denn das, was im kommenden Jahr am Schlachthaus passiert, ist sicher nicht alltäglich. Das Haus steht nicht genau waagrecht, fällt nach Norden hin ab, weil es auf feuchtem Grund steht.

Stahlgerüst und Brücke

Anstatt eines aufwendigen Fundaments, wird das "fliegende Schlachthaus" entstehen. Der gesamte Bereich unter dem Gebäude wird etwa drei Meter tief ausgehoben, an drei Rändern etwa zwei Meter über die Mauern hinaus, nicht auf der Straßenseite. Dann werden Betonbohrpfähle erstellt. Etwa zehn Meter Tiefe sind wegen der Feuchtigkeit erforderlich. Darauf wird ein Stahlgerüst errichtet, auf dem dann das Haus stehen wird. Um ins Freie zu gelangen, wird man über eine kleine Brücke am nördlichen Ausgang gehen. Die Doppel-T-Träger dürften etwa 30 Zentimeter groß werden. Mit dieser Bauweise ist es dann auch möglich, das Haus wieder in die Waage zu richten.

"Warum reißt man den Anbau nicht einfach weg und baut etwas Ordentliches hin?", lautete eine Frage im Gemeinderat. Genau aber darin sieht Haimerl die Chance: Diese Frage und die Tatsache, dass hier in Brand etwas "Unmögliches" passiert, werde tausende Klicks mit kritischen Kommentaren hervorrufen und genau das mache Brand bekannt und genau deshalb werden Leute kommen, um sich das anzusehen. Eine bessere und günstigere Werbung könne es nicht geben.

Es ist schwierig für Haimerl, auf Fragen und Vorschlägen zu Änderungen zu seinem Gesamtkunstwerk Stellung zu beziehen. Dann bleibt ihm oft nicht mehr als zu sagen: "Ihr müsst mir halt einfach glauben. Wir sind nicht in Brand, weil hier nur Langweiler wohnen." Die Gemeinde hat das Glück, einen international renommierten Architekten unter Vertrag zu haben, der sich ganz sicher keinen Flop leisten will.

Bleibt die Frage der Finanzierung. 475 000 Euro Gesamtkosten, der Gemeindeanteil wird dann zwischen 60 000 und 70 000 Euro liegen. Was gibt es da zu überlegen? Der Förderantrag wird pünktlich am 1. Dezember bei der Regierung sein. Dafür sorgt verlässlich Bauamtsleiter Achim Scherm. "Was ist mit der Tür des Schlachthauses?" "Sie bleibt und wird saniert. Das wird das Herzstück des Objekts", lautet die Antwort des Architekten. Die Bürger haben Gelegenheit, sich den Umbau detailliert erklären zu lassen. Bei der Bürgerversammlung am heutigen Donnerstag um 19 Uhr im Mehrzwecksaal werden die Architektinnen Judith Kinzl und Anna Firak anwesend sein und Rede und Antwort stehen.

 

 

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