18.08.2017 - 20:00 Uhr
BrandOberpfalz

Revitalisierung des Ortskerns Bei "Seff" und "Dammer"

Wer erinnert sich nicht an den "Gobers-Seff" (Josef) und den "Gobers-Dammer" (Thomas)? Zwei alte Männer aus Brand, die gern auf der Bank vor dem Haus saßen und das Leben um sich herum beobachteten.

- Nachdem alle Beteiligten anwesend und sich auch einige Gäste eingefunden hatten, eröffnete Bürgermeister Ludwig König den ersten Bauschautag am „Goberhaus“ in Brand
von Bertram NoldProfil

Ihr Wohnhaus ist nun zum Bau-Schauhaus geworden, seine Sanierung wird ein Lehrstück werden, begleitet von Architekt Peter Haimerl aus München und seinen beiden Mitarbeiterinnen Judith Kinzl und Anna Firak vom Architekturbüro Juan aus Linz. Ein zweites Auto mit österreichischem Kennzeichen fiel auf in Brand: Gunar Wilhelm ist zusammen mit seiner Partnerin augenblicklich in Linz dabei, ein ähnlich altes Haus - allerdings von einer anderen Größenordnung - zu sanieren.

Die vorbereiteten Bänke im "Goberhaus" reichten für die Besucher nicht aus, und als zwei weitere eingeschoben waren, gab es im ehemaligen Wohnzimmer vom "Seff" und vom "Dammer" absolut kein freies Fleckchen mehr. Bürgermeister Ludwig König wies auf die Bedeutung des Projekts hin. Unter den Gästen war auch Kreisbaumeister Klaus Weig. Peter Haimerl erläuterte einmal mehr die Absicht des Projekts, den Ortskern zu revitalisieren, um mit der Wiederbelebung die Lebensqualität zu verbessern und auf diese Weise einer drohenden Urbanisierung entgegenzuwirken.

Historie, Architektur und Kultur bilden für ihn eine Einheit, und wer die alten Gebäude einfach abreiße, zerstöre auch ein Stück Zukunft. Für das Architekturbüro Juan dankte Judith Kinzl für die Unterstützung vieler, die diesen ersten Bau-Schauhaustermin mit vorbereitet haben.

Miteigentümer Christian Drehobel erinnerte anhand von Fotos an die Last und Entbehrung, mit der das alte Häuschen gebaut wurde. Jeder einzelne Stein musste aufgehoben und mit dem Ochsenkarren ins Dorf gefahren werden, um Stein für Stein zu einer stabilen Mauer zusammenzufügen. Es wäre geradezu respektlos, einfach den Radlader zu nehmen und das Gebäude wegzuschieben. Beim heutigen Forsthaus habe es laut Chronik eine Ziegelei gegeben, die etwa 100 Jahre Bestand hatte. Von dort müssen wohl die Ziegel gekommen sein. Den "Steinhaufen" habe man erst entdeckt, als der Putz abgeschlagen war, und immer wieder stoße man auf Hinweise zur Beschaffenheit des ehemaligen Hauses. Wo sich das große Fenster hin zur Straße befindet, sei wohl der Eingang zum Stall gewesen.

Es gibt Preußisches und Böhmiches Kappengewölbe. Abklopfen der Wand führe oft zu Überraschungen wie das Auffinden eines sogenannten "Hauslöchels", das der Ablage von allen möglichen Gegenständen diente, die man laufend brauchte. Als "Remmerdeck" (Riemendecke) bezeichnete man das, was den Eigentümern wohl noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird. Denn diese ist durch Feuchtigkeit beschädigt und nicht mehr stabil genug. Eine große Aufgabe wird die Erneuerung des Daches sein, die heuer noch geschehen wird.

Gunar Wilhelm stellte sein Büro "mia2" (Wir Zwei) vor, das er mit seiner Partnerin betreibt. Der Wunsch nach einem Garten habe ihn motiviert, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen, und die gab es in der Innenstadt von Linz in Form eines großen vierstöckigen, abbruchreifen Hauses. Beeindruckende Fotos verdeutlichten seine Worte und der Begriff "Haus MUT" steht wohl als Synonym für das, was der Architekt vorhat. Da galt es nun, einen ersten unteren Teil zu planen und zu sanieren mit immer neuen Ideen und immer neuer Verfahren, auch um die Angelegenheit finanziell in Grenzen zu halten. Decken erhalten oder rausnehmen? Offen lassen oder nicht? Manches Mal hatte der Statiker das letzte Wort.

Auch der Erdaushub wurde nicht einfach auf Halde geschüttet, damit entstanden neue Wände. Vermischt mit anderen Baumaterialien, in eine Form gebracht und gestampft, finden die entstandenen Quader Verwendung als Zwischenwand. Problem Feuchtigkeit! Eine Lösung, zugleich Heizung, stellte Peter Haimerl vor. Anwesende Baufachleute zweifelten, doch zu funktionieren scheint das System trotzdem, denn Haimerl hat es schon oft verbaut.

Kupferrohre werden die Wand eingebettet, erwärmen die Mauer und drängen die Feuchtigkeit nach außen. Von einem Drittel weniger Verbrauch, sprach Haimerl, von wesentlich weniger Rohren als bei herkömmlichen Heizungen. Diese Heizungen laufen ganzjährig, zu warm werde es in den Räumen nie. Weil das System nicht anerkannt sei, gebe es nur wenige, die entsprechende Berechnungen ausführen könnten.

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