24.08.2017 - 20:00 Uhr
BrandOberpfalz

Revitalisierung des Ortskerns Romantisch und modern

Von einem "Modellort" sprach Peter Haimerl in der jüngsten Sitzung des Brander Gemeinderats. Der Architekt stellte die ersten Projekte der Revitalisierung des Ortskerns im Rahmen der Städtebauförderung vor.

Arbeiten in entspannter Atmosphäre lautet das Ziel bei der geplanten neuen Nutzung des Freibad-Geländes. Holz und Acrylglas sind die bestimmenden Materialien. Bilder: ld (2)
von Bertram NoldProfil

Das ehemalige Freibad soll einer neuen Nutzung zugeführt werden. Schlachthaus und Freibad, das dann diesen Namen nicht mehr führen wird, könnte eine Achse bestimmen, die den südlichen und den nördlichen Endpunkt des Dorfs bestimmen. "Working space center" wäre der treffendere Begriff, der die Nutzung des derzeit brachen Areals genau beschreibt. Arbeiten im Grünen, entspannter als in einem Großraumbüro in der Stadt, Blick in die freie Natur und auf einen Seerosenteich mit romantischem Flair. Dazu wird das bisherige Becken Verwendung finden. Dem Architekten gefällt der Charme des alten 70-er-Stils, die klaren Linien, die eine hohe Eleganz hätten, die es heute kaum mehr gebe, weil viele Gebäude verändert oder abgerissen wurden.

Natürlich wird dieses Becken eine Veränderung erfahren und dabei wird auch der Sprungturm seine Aufgabe als eigenes kleines Kunstwerk erfüllen. In den ehemaligen Umkleideräumen könnte sich Haimerl eine Rezeption vorstellen, Ladestationen für Elektroautos, für E-Bikes und ähnliche Dinge, die in der Entwicklung sind und in Zukunft vermehrt gebraucht werden. Mit wenig Mitteln könne das Areal - von Haimerl als "Mini-Englischer Garten" bezeichnet - zu einer Parklandschaft umgestaltet werden, etwa mit einem ausgetüftelten Wegesystem.

"Geschützte Räume zum Arbeiten" sollen entstehen. Als Einzugsgebiet sieht Haimerl die großen Städte, die alle in höchstens drei Stunden Fahrzeit zu erreichen sind: Frankfurt, München, Nürnberg. Diese modernen Arbeitsräume - mit elf Meter Länge und Breite sowie 13 Metern Höhe einem Kubus nahekommend - stellten Anna Firak und Judith Kinzl von "Juan" vor. Sie seien gedacht für Selbstständige, für Gruppen, die hier Seminare abhalten wollen, für Workshops oder auch Startups.

Holz und Acrylglas

Arbeitende Menschen sollen hier in Ruhe ihre Aufgaben erledigen können. Dabei könnte sich unter den Nutzern ein reger Erfahrungsaustausch entwickeln. Im Modulsystem sollen diese Häuser entstehen und dafür werden die klaren Linien der 70-er wieder aufgenommen. Holz und Acrylglas sind die vorherrschenden Materialien. Das Innenleben ist variabel, von unten nach oben wird es immer privater und das Treppensystem ist so ausgedacht, dass man beim Hinaufgehen in die oberen Räume, die unteren Räume umgehen kann. Jeder Pavillon muss für sich funktionieren.

Man könne klein anfangen und nach Bedarf erweitern. Deutschland sei auf dem Gebiet der Gestaltung von angenehmer Arbeitsatmosphäre noch rückständig, in anderen Ländern finde das schon längst statt, ergänzte Haimerl. Das Areal solle Signalwirkung nach außen haben. Leute sollen kommen, sich vielleicht ein solches Haus kaufen, mieten oder selber bauen. Selbstverständlich werde mit regionalen Firmen zusammengearbeitet. Der Architekt zeigte Bilder von Gebäuden, die er andernorts schon erstellt hat. Eines davon sei das "zufriedenste Gebäude", das er je gebaut habe. Eine Frau wollte ein solches Gebäude unbedingt haben; es wurde zerlegt, auf einen Tieflader verladen und abtransportiert. Den Preis eines solchen Gebäudes konnte Haimerl auf die Frage von Florian Söllner (CSU) nicht genau angeben, doch werde es soviel kosten wie ein "normaler Bau", sei jedoch wesentlich attraktiver. Ilona Hofmann durfte als Zuhörerin ihre Meinung äußern. Beruflich müsse sie öfter solche Räume suchen, leider gebe es zu wenig. Die Hotels in den Städten seien einfach zu teuer.

Vieles ist möglich

Robert Seitz (FW) sprach eine mögliche Reaktivierung des Freibads an. Davon will Haimerl vorerst nichts wissen. Sollte es aber gut laufen, könne man darüber nachdenken; sicher dann in anderer Form. Zweiter Bürgermeister Christian Drehobel (CSU) fand an der Planung vor allem sympathisch, dass es stets überschaubare Projekte sind, die die Gemeinde stemmen könne.

Man kann davon ausgehen, dass die Umsetzung kommt. Am Rande der Sitzung wurde immer wieder von der letzten Chance für die Freibad-Brache gesprochen. Wenn dies nicht gemacht werde, hieß es, sei wohl die letzte Chance vertan und man könne nichts anderes tun, als den Rückbau ins Auge zu fassen. Im Gegensatz zum geplanten Projekt - der Fördersatz beträgt 90 Prozent - werde dieser aber nicht gefördert und koste viel, viel Geld.

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