20.03.2018 - 14:36 Uhr
Brand

Wasserzweckverband der Gruppe Brand-Mehlmeisel: Tag des Wassers Flüssiges Leben

"Was wollte die Erde mit all ihren Jahren, wenn nimmer ein Regen mehr wär", lautet der Anfang eines alten Kinderliedes. Es sollte Bewusstsein wecken für das Lebenselixier Wasser. Wirklich verstehen aber kann das Lied nur jemand, der einmal einen Wassermangel miterleben musste.

Ganz bewusst brachte Wassermeister Gerhard Daubner den Spruch an der Wand im Maschinenhaus an. Sich daran zu halten, wird immer wichtiger!
von Bertram NoldProfil

Das ist ein Problem für Menschen in den Entwicklungsländern, für die fließendes, sauberes Wasser immer noch das wichtigstes Gut ist, weil es Überleben bedeutet. Immerhin haben 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Eine Ungeheuerlichkeit, die man sich am morgigen Donnerstag des Wassers verdeutlichen muss.

Was Wasserknappheit bedeutet, haben auch die Brander vor 56 Jahren schon einmal erlebt. Tankwagen brachten das kostbare Nass in die Straßen und die Menschen kamen mit Krügen, um sich mit etwas Vorrat für die nächsten Tage einzudecken. Man lieh sich bei Bauern Milchkannen aus und fuhr in benachbarte Gemeinden, um sie dort aufzufüllen.

Unbewusster Segen

Dabei war die zentrale Wasserversorgung der Gemeinde Brand in dieser Trockenperiode erst ein paar Jahre alt. Fast 70 Jahre können die Brander bereits auf den Bau der Wasserleitungen zurückblicken. Die Wasserversorgung ist durch mehrere Tiefbrunnen gesichert, aber auch schon wieder so sicher, dass dem Verbraucher deren Segen, den sie ihm beschert, schon wieder nicht mehr bewusst ist. Längst geht man mit Trinkwasser um, als wären die Reserven unerschöpflich. Warnungen gibt es seit Jahrzehnten, erst langsam finden sie Beachtung.

Die Löhen (der Name Bernlohe kommt davon), Moore also, waren einmal die Wasserspeicher, und der heute noch bei Ölbühl bestehende Hahnenfilz ist ein letzter Hinweis. Die Löhen sind ausgetrocknet, in den kargen Kriegszeiten wurden sie ausgebeutet; es wurde Torf gestochen, um damit den Bedarf an Brennmaterial zu decken. Später gab es Brunnen im Dorf und "in der Bruck" gab es einen Weiher, dem man Trinkwasser entnahm. Von der sogenannten "Kieferwiese" her hatte man das Wasser zu den Brunnen geleitet. Mit der Drainage 1956 hörte diese Dorfwasserleitung auf zu fließen. Die Wassertröge vor den Häusern hatten auch ihre guten Seiten. Bis die Wasserholer an der Reihe waren, nutzten sie ihre Zeit für einen Plausch.

Ruhige Kriegsjahre

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich eine neue Initiative zum Bau einer zentralen Wasserversorgung. Pläne wie Pumpstation in Fuhrmannsreuth mit Hochbehälter auf dem Hummelhart und Quellenfassung auf der Zinne waren ins Auge gefasst. Die Kriegsjahre ließen dann alles ruhen. 1950 begann man über einen Zusammenschluss nachzudenken. In Mehlmeisel war bereits mit der Wasserversorgung begonnen worden, Brand wollte mitmachen, doch nun musste alles größer werden - und das Geld wurde knapp.

Es gelang, in ein Finanzierungsprogramm aufgenommen zu werden. Der Bau begann, der Hauptstrang endete beim "Hammerbass" und mündete hier in die Brander Leitung ein, die über das Tannensträßchen nach Ölbühl und von dort nach Brand geführt wurde. Auf 547 000 Mark beliefen sich die Baukosten, wovon die Gemeinde 71 500 zu tragen hatte. Um die Wassermenge feststellen zu können, wurde im Hochbehälter ein Zähler eingebaut. Was Brand verbrauchte, wurde in Oberölbühl gemessen.

Wassermangel kennzeichnete zum Teil die Jahre nach dem Bau der Wasserleitung, so dass man sich auf die Suche nach weiteren Reserven begab. Dann kam jener Sommer 1962. Wassermangel führte dazu, dass der Verbrauch auf das Allernotwendigste beschränkt werden musste. Zwei amerikanische Transportfahrzeuge wurden eingesetzt, die aus Immenreuth einige Kubikmeter Wasser brachten und in den Hochbehälter einfüllten. Das war keine Lösung. Es wurde beschlossen, die fehlende Wassermenge aus Nagel zu beziehen. Das 1959 angeschaffte Feuerwehrauto wurde eingesetzt. Sobald das Wasser im Hochbehälter zu Neige ging, startete das Fahrzeug Richtung Nagel bis zum Hydranten im sogenannten "Bremerschlag", von wo aus das Wasser mit Hilfe von Feuerwehrschläuchen in den Hochbehälter gepumpt wurde. Dies war mühsam, da auf der 360 Meter langen Strecke 60 Höhenmeter zu überwinden waren. Im Winter musste gar ein Schneepflug eingesetzt werden, um dem Feuerwehrauto einen Weg zu bahnen.

Der Wassermangel setzte sich in den folgenden Monaten fort. Im Januar 1963 musste die Wasserzufuhr aus Nagel wegen Rohrbrüchen eingestellt werden, so dass in Brand völliger Stillstand in der Versorgung eintrat. Die Bevölkerung taute Schnee auf, Wassergräben wurden freigelegt. Mit einem vom Milchhof Kemnath geliehenen 3000-Liter-Behälter wurde Wasser aus Immenreuth geholt.

Wasser-Suche

Einen Sonntag lang nahmen die Bürger mit Eimern Wasser in Empfang, das rationiert war. Der Gemeinderat war sich klar darüber, dass diese kostspielige und aufwendige Wasserbeschaffung nicht länger beibehalten werden kann. Erste Versuche, durch die Firma Markgraf Wasser zu finden, scheiterten. Inzwischen war auch in Mehlmeisel Wasserknappheit eingetreten. Man sah eine Lösung nur noch durch einen Tiefbrunnen. Eine Bamberger Firma unternahm im Raum Mehlmeisel eine Tiefbohrung. Nach 25 Metern wurde man fündig.

1965 wurde der Wasserzweckverband der Gruppe Brand-Mehlmeisel gegründet, ein zweiter Tiefbrunnen wurde gefasst mit 60 Sekunden-Litern. Damit war die Wasserversorgung sichergestellt. Weitere Gemeinden traten dem Verband später bei. Die Probleme waren somit aus der Welt geschafft. Mit dem Luxus, einfach den Hahn aufdrehen zu können und sofort und überall sauberes Trinkwasser zu haben, schwand aber auch das Bewusstsein, dass Wasser eines der kostbarsten Güter ist.

"Jeder Tropfen zählt"

Das Bewusstsein für Wasser wurde zumindest bei denen geschärft, die im September 2017 an der offiziellen Inbetriebnahme des sanierten Maschinenhauses teilnahmen oder den Tag der offenen Tür besuchten. Schon beim Eintreten stockte den Besuchern der Atem.

1,4 Millionen Euro waren verbaut worden, und jeder, der sich vor Ort ein Bild machte, musste denen dankbar sein, die sich kümmerten. Aus den Hähnen der angeschlossenen Gemeinden fließt sauberes Wasser ohne Chemie, das jeden Vergleich mit käuflichen Mineralwässern standhält. "Jeder Tropfen zählt!", steht in der Werkstatt des Maschinenhauses. Der Schriftzug wurde von Wassermeister Gerhard Daubner eigenhändig dort angebracht,

Der Vorsitzende des Wasserzweckverbandes "Oberes Fichtelnaabtal", der Neusorger Bürgermeister Peter König, brachte zum Ausdruck: "Wasser bedeutet mehr als die Verbindung von Wasserstoff mit Sauerstoff mit einem Siedepunkt von 100 und einem Gefrierpunkt von 0 Grad." Trinkwasser bereitzustellen bedeutet, die strikte Einhaltung der technischen und der hygienischen Parameter eines umfangreichen Grenzwertkatalogs, besser bekannt als Trinkwasserverordnung.

Der Aufwand zur Einhaltung aller Vorschriften findet meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, in Gebäuden oder Bauwerken dieser Art, und wird daher oft verkannt. Die Bedeutung von technisch und hygienisch einwandfreiem Trinkwasser soll wieder einmal in den Vordergrund gestellt werden." Damit brachte König die gute Absicht des "Tag des Wassers" auf verständlich den Punkt. (ld)

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