07.12.2006 - 00:00 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld zeigt bis 7. Januar Werbung aus den Fünfzigern Sarotti-Mohr, Milchbär und Persil-Frau

von Susanne WolkeProfil

In den 1950-er Jahren war die Welt noch in Ordnung. Da ging die deutsche Hausfrau - in der Regel blond und blauäugig - fröhlich pfeifend ihrer Arbeit nach. Ihr Vergnügen am Waschen, Putzen und Scheuern hatte allen Grund: Schließlich gab es Persil, Ariel und Ata - und damit erledigte sich die Hausarbeit fast von selbst.

So vermittelt es zumindest die zeitgenössische Werbung. Besucher des Oberpfälzer Volkskundemuseums Burglengenfeld können sich derzeit ein Bild davon machen. "Sarotti, Rama und Persil" lautet der Titel einer Sonderausstellung, die dort bis zum 7. Januar zu sehen ist. Gezeigt werden Emailschilder, Plakate, Verpackungen und Ladendekorationen aus den 1920-er bis 50-er Jahren. Die Stücke stammen aus der Sammlung von Gerhard Pretzl aus Viechtach.

"Die alten Werbefiguren waren entspannter und charmanter, freundlicher und zurückhaltender als heute", findet Museumsleiterin Dr. Margit Berwing-Wittl. Manche davon sind immer noch bekannt. Der Bärenmarke-Bär zum Beispiel oder der Sarotti-Mohr. "Mohren scheinen ebenso wie Kinder und Zwerge die geeigneten Repräsentanten für Schokolade oder Kakao gewesen zu sein", so Margit Berwing-Wittl. Anders verhält es bei den Produkten für die gepflegte Frau. Hier zeigen die alten Werbeschilder elegante junge Damen mit perfekten Proportionen und einem strahlenden Teint.

Welch ein Glück, dass der Kunde im erläuternden Werbetext erfahren kann, dass Schönheit und Eleganz nur selten angeboren seien. Von Natur aus weniger Gesegnete hätten lediglich zum richtigen Produkt zu greifen - egal ob es um Haare, Haut oder Hühneraugen geht. "In diesem Zusammenhang lernen wir auch einiges über die gesundheitlichen Wehwehchen in der Zeit unserer Großeltern", bemerkt Margit Berwing-Wittl. "Allein die Werbung für Mittel gegen Hornhaut und Hühneraugen füllt ganze Schaukästen."

Passend zur Jahreszeit zeigt die Ausstellung auch weihnachtliche Werbung. Neben dickbäuchigen Weihnachtsmännern, die Radios oder Süßigkeiten anpreisen, gibt es Bobfahrende Esso-Öltröpfchen. Als Besonderheit hebt Margit Berwing-Wittl hervor, dass die Schau zum Teil in den ständigen Museumsbestand eingebunden ist: Reklame für Mottenkugeln wird in einem Kleiderschrank gezeigt, Rasiermittelwerbung in der Museumsabteilung "Der Bader", Putzmittelreklame zwischen hölzernen Zubern.

"Das Putzen ist heute trotz moderner Bodenbeläge und Haushaltsgeräte noch immer eine lästige und anstrengende Muskelarbeit." Diese Bemerkung auf einer Erläuterungstafel konnte sich die Museumsleiterin nicht verkneifen. Damit verweist Margit Berwing-Wittl auch auf eine Grundaussage der Ausstellung: "Werbung zielt auf unsere Gefühle und Sehnsüchte ab, will uns aber nicht in erster Linie Wahrheit verkünden." Also war die glücklich putzende deutsche Hausfrau auch in den 50-ern wohl nur ein Traum.

"Sarotti, Rama und Persil - Historische Werbung in Europa" ist bis zum 7. Januar im Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld zu sehen. Öffnungszeiten Mittwoch bis Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 09471 / 701842).

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