"Ten Years After" in Burglengenfeld
Nie zu spät für den Rock ’n’ Roll

Auch nach 50 Jahren im Musikgeschäft noch einer, der den Rock 'n' Roll und den Blues zelebriert: Ric Lee (71), Gründungsmitglied von "Ten Years After". Bild: hou
Kultur
Burglengenfeld
08.01.2017
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Von Wolfgang Houschka

Burglengenfeld. Schon mal etwas von "Stonedhenge" gehört? Eine Langspielplatte, die 1969 jeder Rockfan im Regal hatte. Musik aus Großbritannien von einer Band mit dem Namen "Ten Years After". Richtungsweisend und eine Antwort auf alles, das aus Amerika an Gitarrenriffs nach Europa schwappte.

Lohnt sich die Erinnerung wirklich? In unseren Tagen sind Bands von damals unterwegs, die zwar prominente Gruppennamen auf das Plakat schreiben und trotzdem mit den Originalen nichts zu tun haben. Bei "Ten Years After" ist das vom Aufgebot her anders. Der Keyboarder Chick Churchill (70) ist noch mit dabei, auch Ric Lee (71) setzt sich wie gusseisern hinter sein Schlagzeug und trommelt los, dass es einen schier umwirft. Leo Lyons und der 2013 verstorbene Alvin Lee (nicht verwandt mit Ric) fehlen im Touraufgebot. Zur Erinnerung: Beide waren mit dabei, als im Juli 1989 das letzte Anti-WAA-Festival stattfand.

Nicht zweitklassig

Warum immer noch durch die Lande ziehen? Die Antwort ist einfach: Mit dem ebenfalls schon in die Jahre gekommenen Bassisten Colin Hodgkinson (71) und dem Londoner Gitarristen Marcus Bonfanti hat sich Ersatz gefunden. Keine zweitklassigen Auswechselspieler. Im Gegenteil: Hodgkinson kann Bandpartner wie Charlie Watts, Peter Green, Spencer Davis auf seine Visitenkarte drucken. Und Bonfanti ist einer, dessen Rock-Röhre sogar Alvin Lee in Erstaunen versetzt hätte. Besser als Jon Bon Jovi und Ian Gillan von Deep Purple es jemals waren. Großartiger Abend im Burglengenfelder Veranstaltungszentrum (VAZ). Laut wie Gefechtsfeuer und gekennzeichnet von einer Musik, die den Blues und den Rock 'n' Roll gleichsam als unsterbliche Symbiose miteinander vereinigt.

Knallharter Rock

Alles so wie damals, als "Ten Years After" beim legendären Woodstock-Festival mit Leuten wie Janis Joplin, Joe Cocker, Pete Townshend und Jimi Hendrix auf die Bühne gingen. Hymnen, die nie aus dem Gedächtnis kamen. "Good Morning, Little Schoolgirl", "Hear Me Calling" und "I'd Love To Change The World". Konnte "Ten Years After" die musikalische Welt verändern? Allein sicher nicht. Aber die vier Männer aus Großbritannien zählten zur Speerspitze des Mainstream-Widerstands, wenn es um die Hitparaden-Einordnung mit Songs der Beach Boys und der Mamas & Papas ging. Keine Softsongs, kein "California Dreamin'". Dafür knallharter Rock aus dem Land der Queen.

Schöne zweieinhalb Stunden mit Gedanken, die weit zurück schweiften. "Goin' Home" und "Love Like A Man": Vom genialen Alvin Lee geschaffen und umgesetzt von diesem furiosen Gitarristen und Sänger Marcus Bonfanti. Er allein war das Eintrittsgeld wert. Obgleich Alvin Lee, Gott hab ihn selig, sein Großvater hätte gewesen sein können. Zum Schluss Rock 'n' Roll in ursprünglichster Form. "Blue Suede Shoes" und "Hound Dog" von Elvis. Also doch ein Zugeständnis an den musikalischen Konkurrenten USA? Keineswegs. Vielmehr tiefe Verbeugung vor dem, der alles veränderte. Auch bei den Briten.
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