Weihnachtsausstellung zum Thema Zirkus
Menschen, Tiere, Sensationen

Freude an der Farbigkeit und Exotik des Zirkus: Das ist es, was die aktuelle Sonderausstellung im Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld erfolgreich vermittelt. Bilder: Wolke (5)
Kultur
Burglengenfeld
24.12.2016
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Wie die meisten anderen Ausstellungsstücke gehört der kletternde Affe zu der Sammlung von Gerhard Pretzl aus Viechtach.

Die neue Schau des Oberpfälzer Volkskundemuseums hat von allem etwas: Da gibt es Zwerge und Musiker, Kostüme und Spielapparate, Leckereien und jede Menge Exotik. Kein Wunder, denn es geht um ein besonders buntes Thema: den Zirkus.

Von Susanne Wolke

Menschen, Tiere, Sensationen. Eigentlich trifft der Titel der aktuellen Ausstellung das Programm des Oberpfälzer Volkskundemuseums in Burglengenfeld selbst. Denn: "Was hat man hier nicht schon alles zu sehen bekommen", findet Margit Berwing-Wittl. Die Leiterin des Museums spielt an auf "Kaffeemühlen und Gartenzwerge, Elvis Presley und oberpfälzische Trachten, Bierkrüge, mittelalterliche Kochkunst, Spielzeug aller Art und Andenken aus Deutsch-Südwestafrika".

Dass Berwing-Wittl die faszinierende Zirkuswelt in Kleinformat in ihr Museum holen konnte, hat sie einem Sammler zu verdanken, der dem Museum schon mehrmals unter die Arme gegriffen hat: Gerhard Pretzl aus Viechtach bestückte in Burglengenfeld bereits Ausstellungen über Spielzeug und Werbung.

Unmengen gesammelt

"Zum Zirkus hat Gerhard Pretzl Unmengen an Grafiken, Werbeplakaten, Spielzeugen und anderen typischen Requisiten zusammen getragen." Die Kuratorin spricht von "Unmengen" und so meint sie es auch. Bei den besucherfreundlichen Ausstellungen des Oberpfälzer Volkskundemuseums wird ohnehin ungern nur gekleckert. Und so zeigt sich hier gerade das Thema Zirkus in aller Opulenz.

Dass die präsentierten Stücke allesamt aus Blech, Papier und Pappe und somit in Miniaturformat sind, tut der Sache keinen Abbruch. Löwen, Clowns und Artisten bewahren ihren schillernden Glanz auch als buntes Spielzeug. Und Einblicke in das Leben der Zirkusleute liefern Fotos und Geschichten. So etwa die über eine Tierdompteurin, die ihr Krokodil wie einen Schoßhund im Wohnwagen hielt.

Kritische Elemente

"Es sei nicht verschwiegen, dass es in der Gegenwart durchaus kritische Elemente gibt, die vielen Zeitgenossen den Spaß am Zirkus verderben können." Angesichts der aktuellen Diskussionen kam die Museumsleiterin bei der Eröffnung der Schau nicht umhin, auf die Schattenseiten von Löwen, Elefanten und Affen in der Manege einzugehen. "Aber ich denke dennoch, dass es schön und völlig legitim ist, sich an die naive und für die damalige Zeit höchst aufregende Zirkuswelt der Zeit vor 80 oder 100 Jahren zu erinnern."

Mit dieser Aussage umreißt die Museumsleiterin auch den Grundeindruck der Ausstellung. Es geht um Nostalgie. Die Geschichte des Zirkus wird hier abgehandelt: von der Namensgebung in der Antike, als man eine kreisförmige Arena (lateinisch circus) so bezeichnete. Über den klassischen Zirkus, der Mitte des 18. Jahrhunderts in England entstand - erste Pferdevorführungen waren damals die Vorreiter der drei großen Zirkusbereiche Tierdressur, Akrobatik und Clownerie. Bis hin zur Einführung des Zirkuszeltes, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Amerika nach Europa kam.

Das war auch die große Zeit des Zirkus: "Weder vorher noch nachher gab es in Europa so viele Zirkusse wie in den 1920er Jahren", informiert eine Tafel der Ausstellung. Viele Impulse der Zirkuskunst gingen damals von Deutschland aus, wo sich große Dynastien wie Renz und Busch etablierten. Die in der Ausstellung gezeigten Plakate, Programme, Eintrittskarten, Puppen, Blechfiguren und Stofftiere fangen vor allem die Stimmung dieser Zeit ein.

Zirkuswagen vor der Tür

Das gilt auch für das Prachtstück der Schau, das nicht in die Räume des Museums gepasst hat: Vor der Türe steht ein eindrucksvoller Zirkuswagen. Auch diesen hat Gerhard Pretzl beigesteuert. Seit einigen Jahren ist der Sammler in Besitz des Gefährts, das im frühen 20. Jahrhundert als Gepäckwagen eines Zirkus durch die Gegend tingelte. Das vorhandene Fenster bauten in den 1970er Jahren Hippies ein, die mit dem Wagen durch Europa fuhren. Heimelig eingerichtet vermittelt der Wagen nun eine Vorstellung vom Zirkusleben vergangener Zeiten.

Und auch das zeichnet die diesjährige Weihnachtsausstellung des Volkskundemuseums in Burglengenfeld aus: Alles ist heimelig, bunt und freundlich. Über das "harte Leben der fahrenden Leute" liest man zwar in den Texttafeln. Der bleibende Eindruck allerdings entspricht dem, wie es Margit Bewing-Wittl formuliert: "Wer erinnert sich nicht an seine allerersten Zirkusbesuche in einem riesigen Zelt, mit gespannten Gästen, wilden Tieren, Zauberkunststücken von Jongleuren und Artisten und komischen Nummern der Zirkusclowns." So soll es sein. Zu Weihnachten beschert das Oberpfälzer Volkskundemuseum vor allem eines: Freude.

ServiceAusstellung: "Menschen, Tiere, Sensationen aus Blech, Papier und Pappe - Zirkus-Spielzeug aus der Sammlung von Gerhard Pretzl, Viechtach". Bis 15. Januar.

Ort: Oberpfälzer Volkskundemuseum, Berggasse 3 in Burglengenfeld.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. und 6. Januar. Am 26. Dezember (17 Uhr) findet im Museum die "Oberpfälzer Rauhnacht" statt.

Öffentliche Führung: Dienstag, 3. Januar, 19 Uhr.

Kontakt: Telefon 09471/602583.

Weitere Informationen: www.burglengenfeld.de
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