13.09.2017 - 20:00 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Abendführung im Oberpfälzer Volkskundemusuem Gruslige Sagen und Totenschädel

"Glaube, Bräuche und Rituale" - so lautete das Motto einer Abendführung durch das Oberpfälzer Volkskundemuseum. "Das ist ein besonderes Thema",sagte Museumsleiterin Margit Berwing-Wittl, die diese Führung einmal im Jahr anbietet. Es gab sogar schon Zeiten, in denen bis zu 120 Interessenten kamen. Auch diesmal war viel los.

Beschriftete Totenschädel und Versehgarnituren für die letzte Ölung sind in der Vitrine zu sehen. Margit Berwing-Wittl erläuterte die Exponate.
von Redaktion OnetzProfil

Das Haus, in dem sich das Museum befindet, ist schon rund 800 Jahre alt und war früher unter anderem ein Landrichteramt. Bei der Führung achtete Berwing-Wittl, die seit 1983 Museumsleiterin ist, besonders auf Details. Die Besucher sollten sich 150 Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen. Damals besaßen die Menschen keine Tausende Dinge wie heute, maximal 250 gehörten zum Inventar. Dieses Hab und Gut schätzten und pflegten die Vorfahren viel mehr, als das heute der Fall ist. Ein Schrank wurde etwa über mehrere Generation vererbt und drei- bis fünfmal neu bemalt. Die Besitzer gaben sich dabei sehr viel Mühe und engagierten teilweise auch Kirchenmaler.

"Auch der Tod gehört zum Leben", sagte Berwing-Wittl bei der Führung. Die Leiterin wundert sich darüber, dass in letzter Zeit viele Versehgarnituren ins Museum kommen. Passend dazu zeigte sie den Besuchern auch beschriftete Totenschädel und "Memento-Mori-Tafeln" aus Lintach bei Amberg. Die Tafeln sind Holzbretter, die bemalen sind. Auf der Vorderseite befindet sich meist eine Totenhand, die beispielsweise das Licht der Kerze löscht, um so den Tod bildlich darzustellen. Auf der Rückseite befinden sich die Leidenswerke Christi. Früher glaubte man, wenn das Brett komplett verwest ist, ist die gestorbene Seele frei.

Ein Teilnehmer wollte sich etwas gruseln. Berwing-Wittl erfüllte diesen Wunsch, als sie von der Sage des jähzornigen und eifersüchtigen Freiherrn von Spiering und dessen Mord an seinen Bruder erzählte. Der Freiherr beschuldigte seinen Bruder, eine Affäre mit seiner Frau zu haben. Der Sage nach soll es in dem Zimmer im Museum, in dem der Mord passierte, spuken. Vor allem vor Pfingsten soll das Licht flackern und Ketten rasseln. Zum Schluss zeigte die Leiterin des Museums den Anwesenden noch Dinge, die unsere Vorfahren verehrten. Dazu gehörten Reliquien, Überreste von Heiligen und Märtyrern sowie aufwendige Schmuckbilder und Andenken an Wallfahrten. Interessant ist, wie sich Recht, Religion und Brauch in Volksliedern oder am Fasching vermischen durften. Da ärgerte sich keiner, wenn er ein schlechtes Wort über den Bürgermeister hörte. Auch der Aberglaube wurde früher groß geschrieben. So hängte man beispielsweise Hufeisen nie falsch herum auf, weil sonst das Glück heraus zu rutschen drohte. Schwarze Kerzen wurden angezündet, um vor einem Unwetter zu schützen. Viele dieser Bräuche sind auch heute noch weit verbreitet.

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