"Arbeit" Thema beim 10. Burglengenfelder Gespräch
"Nichtstun will gelernt sein"

Rudolf Busl gestaltete den Abend im Volkskundemuseum mit, zu dem die Friedrich-Ebert-Stiftung eingeladen hatte. Bild: rhi
Vermischtes
Burglengenfeld
12.02.2018
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Ist eine Gesellschaft ohne Arbeit überhaupt denkbar? Diese Frage stellt sich in der Debatte um das Grundeinkommen. Beim 10. Burglengenfelder Gespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung in den Räumen des Oberpfälzer Volkskundemuseums geht es um das Verständnis von Arbeit. Als Motto dient ein abgewandelter Spruch von Friedrich Schiller: "Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er arbeitet."

Kunsthistoriker Sebastian Karnatz, der zusammen mit dem Gitarristen Johannes Molz nicht nur für die musikalische Begleitung des Abends sorgte, steuerte mit einigen Reproduktionen historischer Gemälde einen künstlerischen Blick auf das Thema bei. Rudolf Busl, ein früherer Lehrer am Gymnasium in Burglengenfeld, erläuterte den Begriff der Arbeit mit Zitaten aus der Philosophiegeschichte.

Geänderter Blick

Lange Zeit sei die Arbeit "eine Ausgrenzung von der Freizeit und vor allem von der Mitgestaltung am Staatswesen" gewesen, erklärte er und erinnerte auch an die Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter. Der Adel ließ die Untertanen für sich arbeiten. Oder zu Zeiten der Sklaverei, als Arbeit gleichzeitig Unterdrückung bedeutete. Erst mit der Säkularisierung sei ein Wandel eingetreten. Arbeit wurde "zum Ausdruck der Vernunft" und bot die Möglichkeit, zu Wohlstand zu gelangen.

Wirtschaftsliberale zeigten und zeigen sich überzeugt, man müsse unter den Arbeitnehmern nur genügend Konkurrenz schaffen und sie entsprechend motivieren, dann würden am Ende alle im Wohlstand leben. Mit Hegel und Marx änderte sich dann der Blick auf die Arbeit entscheidend, wie Busl ausführlich darstellte - sie wurde quasi "heilig gesprochen".

In die Diskussion der Neuzeit führte der Wissenschaftler Rainer Barbey von der Universität Regensburg ein. Er machte am Beispiel von Kindern und Rentnern, von Hausfrauen und von Menschen, die von den Kapitalerträgen ihres Vermögens leben können, deutlich, dass es gesellschaftlich akzeptierte Formen der Arbeitslosigkeit gibt. Und er stellte fest, dass nur eine Minderheit in unserer Gesellschaft erwerbstätig sei.

Eine "Abwrackprämie"?

Ist aber eine Gesellschaft ohne Arbeit überhaupt denkbar? Barbey war davon nicht überzeugt. Selbst ein kollektiver Freizeitpark komme nicht ohne Dienstboten aus und das bedeute "nichts anderes als die bittere Einsicht, dass das Ideal einer völligen Arbeitslosigkeit wohl genauso unrealisierbar ist wie ihr Gegenstück, die Chimäre der Vollbeschäftigung".

Bei der Pro- und Contra-Diskussion zitierte Barbey für das bedingungslose Grundeinkommen unter anderem den Ausdruck "Abwrackprämie für Überflüssige" und stellte die Frage: "Kann Mensch permanente Freizeit aushalten? Nichtstun will gelernt sein." Im Übrigen bedeute Arbeit auch Sozialintegration.

Das bedeutet nichts anderes als die bittere Einsicht, dass das Ideal einer völligen Arbeitslosigkeit wohl genauso unrealisierbar ist wie ihr Gegenstück, die Chimäre der VollbeschäftigungRainer Barbey
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