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Die Fantasie-Verschicker

Spiele werden immer mehr übers Internet gekauft und gespielt. Der Landwirtschafts-Simulator Farmville war in Facebook sehr beliebt. Bild: Zynga/dpa
Wirtschaft
Burglengenfeld
15.09.2017
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Geschäftsführer Markus Biehl und sein Team verschicken Computerspiele, Fanartikel und Zubehör an bis zu 3000 Verkaufsstellen.

Computerspiele werden immer beliebter. Siedler und Soldaten, Kobolde, Zauberer, Rennwagen und Dinosaurier starten von Burglengenfeld aus ihre Reise in die Wohnzimmer Deutschlands: Activision-Blizzard, der zweitgrößte Computerspiele-Entwickler der Welt, vertreibt von dort aus seine Werke.

Ein mannshoher Plüsch-Panda sitzt am Empfangstisch der Burglengenfelder Firma NBG. Poster an den Wänden zeigen Zombies - im Weltraum. In den Regalen und auf den Schreibtischen tummeln sich kleine Spielfiguren.

Büro und Lager sind das Reich von Geschäftsführer Markus Biehl und seiner 28 Mitarbeiter. Seit 2001 leitet der Saarländer das Unternehmen. Biehl schnupperte erstmals 1996 Computerspiel-Luft: Sein erster Job führte ihn zu Blue-Byte, wo er Vertriebsleiter wurde. Das deutsche Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf produzierte damals "Siedler II". Das Aufbau-Spiel wurde zu einem Klassiker: Mit einer geringen Menge an Rohstoffen übernahm der Spieler eine römische Siedlung und baute sie nach und nach zu einem Imperium aus. Biehl wusste nach vier Wochen: "Damit kann ich meinen Lebensunterhalt verdienen." Die Arbeit dort sei faszinierend gewesen: "Die hatten einen eigenen Musiker mit Studio. Die Grafiker und die Designer, das war einfach hochinteressant."

3000 Verkaufsstellen

Die NBG beliefert laut Marken-Managerin Claudia Zirngibl bis zu 3000 Verkaufsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie bietet nicht nur Computerspiele an, sondern auch Fanartikel und Zubehör. Seit 1997 gehört die Firma zu Activision-Blizzard, dem zweitgrößten Spiele-Hersteller der Welt mit Sitz in Santa Monica, Kalifornien (USA). Bekanntestes Spiel von Blizzard ist das Online-Rollenspiel "World of Warcraft". Das Studio hat daran seit der Veröffentlichung im Jahr 2004 laut dem Magazin "Business Insider" mehr als 8,5 Milliarden Dollar verdient. Zusammen mit dem Sitz in Ismaning bei München übernimmt die NBG den Deutschland-Vertrieb der Activision-Blizzard-Produkte.

600 Entwickler für ein Spiel

Dazu gehört auch laut Geschäftsführer Markus Biehl eine der erfolgreichsten Spiele-Reihen der Welt, "Call of Duty" (Die Pflicht ruft). Sie schickt den Spieler als Einzelkämpfer auf die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs, des Vietnamkriegs oder auf verdeckte Missionen während des Kalten Kriegs. Am erfolgreichsten Teil der Action-Reihe mit dem Namen "Modern Warfare" (Moderne Kriegsführung) aus dem Jahr 2007 verdiente Hersteller Activision laut "Business Insider" rund 700 Millionen Dollar.

Bis ein Spiel fertig ist, könnten laut Biehl zwei bis drei Jahre vergehen. Activision veröffentliche jedes Jahr einen neuen Teil der Reihe. Das gehe nur, weil mehrere Werke gleichzeitig von verschiedenen Studios produziert werden. "Ein Stab von 600 Entwicklern ist beteiligt: Programmierer, Grafiker, Designer."

Durchbruch mit "Hugo"

Bevor Biehl zur NBG kam, war Detlef Erhardt Chef des Unternehmens. Sein vielleicht größter Coup: "Hugo". Das Spiel rund um den sympathischen Troll wurde Mitte der 90er Jahre vor allem bekannt durch eine Fernsehsendung auf Kabel Eins. Dort steuerten Anrufer das Wesen mit den Tasten ihres Telefons durch verschiedene Parcours.



Der Vertrieb des Spiels mit dem freundlichen Kobold habe das Unternehmen deutschlandweit bekannt gemacht, erläutert Biehl. Dadurch sei Activision auf die NBG aufmerksam geworden. "Das war ja das erste interaktive Game, das man von zu Hause aus steuern konnte."

Im Jahr 1998 wechselte Biehl zur NBG und löste im Jahr 2001 den vorherigen Chef Erhardt ab. Heute vertreibt die NBG Spiele wie den Bus-, Feuerwehr- oder Eisenbahn-Simulator. Ein Scharfschützen-Spiel, Zumba für die Wii, Unterhaltungstechnik von Microsoft sowie "Portal Knights", den Gewinner des diesjährigen Computerspiel-Preises.

Am liebsten Rennspiele

Biehl und seine Mitarbeiter müssen sich dabei auch wieder neuen Trends stellen. Computerspiele werden zunehmend über das Internet anstatt im Laden verkauft. Ein Problem für das Geschäftsmodell der NBG: "Wir sind immer noch die alten Gallier, die das Produkt zum Anfassen machen", sagt Biehl. Vor drei Jahren hat die NBG deshalb angefangen, neben den Spielen auch Fanartikel zu verschicken.

Biehl selbst spielt am liebsten Rennspiele. "Weil's schnell ist und mich entspannt." Computerspiele seien inzwischen aus dem Leben nicht mehr wegzudenken, findet der Geschäftsführer. "Ich kenne keinen, der nicht ab und zu auf dem Handy spielt."
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