09.04.2018 - 20:10 Uhr
Cham in der OberpfalzOberpfalz

Besuch im Rundfunkmuseum Cham Grammophon und Musikbox

Radios, Plattenspieler, Fernsehapparate, Mikrofone und technisches Zubehör sind im Chamer Rundfunkmuseum zu sehen. Unter den 4000 Exponaten finden sich Raritäten wie Thomas Gottschalks altes Mischpult. Sogar einen eigenen Sender betreibt das neue Museum.

Michael Heller bedient ein Radio im Chamer Rundfunkmuseum. Bild: Armin Weigel/dpa
von Agentur DPAProfil

Flachbildschirme, Internetradio und Smartphones sind Standard in vielen deutschen Haushalten. Das Rundfunkmuseum in Cham nimmt seine Besucher mit auf eine Zeitreise zu den Anfängen der Kommunikationstechnik. In dem auf private Initiative hin entstandenen Museum sind rund 4000 Exponate zu sehen. Sie richten sich vor allem an die Schülergeneration, die mit dem Internet aufgewachsen ist, wie Museumsgründer Michael Heller sagt. Aber auch Erwachsene und Senioren, die Musikboxen und Röhrenfernseher noch selbst erlebt haben, sind angesprochen.

Das im ehemaligen Fernmeldeamt untergebrachte Museum zeigt seit Herbst 2017 die Entwicklung der Rundfunk- und Fernsehtechnik. Die Besucher starten in der Zeit rund um das Jahr 1900. In der im Stil eines nostalgischen Cafés eingerichteten Abteilung läuft Musik über originale Abspielgeräte. Die meisten der Phonographen und Grammophone sind voll funktionsfähig. Ein paar Handgriffe und der Edison Phonograph "Triumph" aus dem Jahr 1905, das "Berliner Grammophon" und die Musikbox von 1900 setzen sich in Gang. "Das war schon immer der Traum der Menschen, das einzufangen und zu konservieren, was so flüchtig ist: den Schall", erzählt Heller. Stimmen ließen sich mittels der Technik festhalten und zu jeder Zeit abspielen. "Lange Zeit war das unvorstellbar."

Vor allem Schüler seien erstaunt, dass man Lautstärkeregler, Kabel und Steckdosen bei den antiquarischen Geräten vergebens sucht und dennoch Musik hört. "Damals wurde noch gekurbelt", sagt Heller und macht es vor. "Und die Lautstärke hat man über die Dicke der Nadeln geregelt."

Bei der Zeitreise durch die Jahrzehnte ist die Begeisterung des 70-Jährigen für Technik spürbar. Schon als Bub habe er fasziniert zugesehen, wenn sein Vater im eigenen Elektroladen Rundfunkgeräte reparierte, erzählt er. Als Heller sich 2012 in den Ruhestand verabschiedete, hatte er plötzlich sehr viel Zeit. "Ich habe ein Hobby gesucht", sagt er. "Und da ich meinen erlernten Beruf als Radio- und Fernsehmeister sehr gerne, aber lange nicht mehr gemacht hatte, dachte ich mir: Mach' da weiter und besinne Dich auf Deine Wurzeln." Heller schmunzelt. Dass er damit den Grundstein für das Chamer Rundfunkmuseum legte, war ihm damals noch nicht klar. Er kaufte Gerätesammlungen auf - etwa des früheren Rundfunkmuseums Schloss Brunn in Emskirchen - und hielt Ausschau nach Raritäten. Heraus kam eine stattliche Sammlung. Darunter sind Thomas Gottschalks erstes Mischpult aus seiner Anfangszeit als Radiomoderator, die erste Farbfernseh-Studiokamera von Bosch, das erste Tonbandgerät AEG K 2, eine Nipkow-Anlage, der Siemens Rundfunkempfänger "Kammermusik II" aus den 1930er-Jahren und der letzte Mittelwellensender des Bayerischen Rundfunks. Das Museum betreibt damit einen eigenen kleinen Sender.

Öffnungszeiten

Ein Besuch des Rundfunkmuseums Cham ist im Rahmen einer Führung möglich. Diese finden dienstags um 14 Uhr statt. Anmeldung per E-Mail an: info[at]rundfunkmuseum-cham[dot]de

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