04.09.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

100. Todestag des Domkapellmeisters und Hochschulgründers Franz Xaver Haberl Papst zeichnet Lehrer-Enkel aus

In ganz Europa hoch geachtet und vielfach ausgezeichnet, starb vor 100 Jahren am 5. September 1910 in Regensburg Franz Xaver Haberl, der Enkel eines Luher Lehrers, dessen Vater im Markt geboren worden war. Die von dem Päpstlichen Hausprälaten 1874 gegründete erste katholische Kirchenmusikschule stieg 2001 zur Europäischen Hochschule für Kirchenmusik auf.

von Autor SEFProfil

Am 27. Februar 1807 wurde der 1782 geborene Joseph Haberl aus Schönsee an die nun zweiklassige Volksschule Luhe versetzt. Er wohnte und unterrichtete im Mesnerhaus neben der Martinskirche 97 Buben. Verheiratet war der Knabenlehrer mit Eva Schmid, Tochter eines Amberger Hufschmieds. Als Haberl 1814 im Alter von 32 Jahren starb, hinterließ er die Witwe und fünf Kinder. Sein kärgliches Jahresgehalt hatte zuletzt 309 Gulden 59 Kreuzer betragen. Dazu kamen noch 60 Gulden, mit denen er einen Mesnergehilfen bezahlte.

Einer der unmündigen Halbwaisen war Franz Xaver, der am 13. Juni 1807, kurz nach dem Dienstantritt des Vaters, in Luhe das Licht der Welt erblickt hatte. Auch er wollte Lehrer werden und absolvierte die Ausbildung in Straubing. Nach der definitiven Anstellung heiratete er Cäcilie Bauer aus Langquaid bei Kelheim. Auch seine Mutter Eva hatte sich mittlerweile wieder vermählt und zwar 1815 mit Johann Michael Götz aus Hochdorf, der die Planstelle des Vaters übernommen hatte.
Franz Xaver Haberl war ebenfalls kein langes Leben vergönnt. Er starb schon 1851 an seinem Wirkungsort Neuburg am Inn. Zuvor war er in Oberellenbach, dem heutigen Mallersdorf-Pfaffenberg eingesetzt. Dort kam am 12. April 1840 der gleichnamige Sohn Franz Xaver zur Welt. Er besuchte das Bischöfliche Knabenseminar Passau, studierte Theologie und empfing am 12. August 1862 die Priesterweihe.

Studien in Rom

In dieser Zeit vollendete er die Herausgabe des vierten Bandes der "Musica Divina" seines verstorbenen Lehrers Carl Proske. Nach einer Musikpräfektentätigkeit in Passau widmete er sich von 1867 bis 1870 als Organist der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell' anima in Rom auch musikwissenschaftlichen Studien. Von 1871 bis 1882 wirkte der Geistliche als Domkapellmeister und Leiter der Dompräbende in Regensburg.

Dort gründete er 1874 die erste katholische Kirchenmusikschule. Sie blühte unter seiner Führung rasch auf und erlangte Weltruhm. 1879 rief er außerdem einen Palestrina-Verein ins Leben. Während Haberls Amtszeit als Domkapellmeister erschienen Neuausgaben der Choralbücher. Seit 1876 gab er den "Cäcilien-Kalender" heraus, den er 1886 zu einem wissenschaftlichen Publikationsorgan mit dem Titel "Kirchenmusikalisches Jahrbuch" ausbaute.
Nach einem längeren Studienaufenthalt in Rom, den er vor allem zur Vorbereitung der Gesamtedition der Werke Palestrinas nützte, übernahm er 1885 wieder die Leitung der Regensburger Kirchenmusikschule. Seit 1889 redigierte Haberl die kirchenmusikalische Zeitschrift "Musica sacra" und ab 1899 auch die "Fliegenden Blätter für katholische Kirchenmusik".

Im selben Jahr initiierte er den Bau der Cäcilienkirche in Regensburg. Sie wurde bis 1902 im neoromanischen Stil als Übungsstätte erbaut. Die Zöglinge der Präbende hatten künftig Gelegenheit, darin liturgische Formen in der Praxis zu erproben. Der Freund Franz Liszts und Lorenzo Perosis wurde 1879 zum Ehrenkanonikus der Kathedrale von Palestrina in Italien ernannt und 1899 zum Präsidenten des "Allgemeinen Deutschen Cäcilienvereins" gewählt.

Ehrendoktor in Würzburg

Die Universität Würzburg verlieh ihm 1899 ehrenhalber die theologische Doktorwürde. 1908 ehrte ihn Pius X. mit dem Ehrentitel des Päpstlichen Hausprälaten, war er doch zu Zwecken der Kirchenmusikforschung 28 Mal nach Rom gereist.

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