08.03.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

14-Jähriger dreht durch: Beherzter Pädagoge vereitelt Bluttat in Rötz Lehrer schlägt Schüler Revolver aus der Hand

An der Hauptschule in Rötz (Kreis Cham) hat am Montagmorgen ein 14-jähriger Schüler mit einem geladenen Revolver einen Lehrer (35) bedroht. Der Pädagoge verhinderte Schlimmeres, weil er versuchte, dem Buben die Waffe aus der Hand zu schlagen. Eine Kugel schlug im Fußboden des Klassenzimmers ein. Verletzt wurde niemand.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Dem Angriff war ein Streit um vergessene Hausaufgaben gleich zu Beginn der ersten Unterrichtsstunde vorausgegangen, in dessen Verlauf der Lehrer den 14-Jährigen des Raumes verwies. Etwa 15 Minuten später kehrte der Schüler mit der .357 Magnum seines Vaters zurück. Über den genauen Tathergang rätselt die Polizei noch.

Bis in die Abendstunden vernahmen Ermittler der Kriminalpolizei Regensburg 23 Schülerinnen und Schüler, die das Geschehen aus nächster Nähe miterlebten. Auch über das Motiv gibt es keine konkreten Erkenntnisse. Der Schüler habe offenbar Probleme gehabt, sich in die Gemeinschaft einzufügen, hieß es aus seinem Umfeld. Vor acht Jahren war die Familie des Jungen aus den neuen Bundesländern in den Landkreis Cham gezogen. Der Vater ist Jäger, er besitzt für den Revolver einen Waffenschein. Offenbar hatte sich der 14-Jährige den Ersatzschlüssel für den Waffenschrank angeeignet und sich die Waffe für die Tat bereits vor dem Streit mit dem Lehrer zurecht gelegt. Über mögliche Gesetzesverstöße des Jungen in der Vergangenheit hüllte sich die Staatsanwaltschaft in Schweigen. Heute soll ein Richter über die Haftfrage entscheiden. Der Unterricht an der Hauptschule Rötz läuft unterdessen weiter. Psychologen des Kriseninterventionsteams der Polizei kümmern sich um Lehrer und Schüler. Bürgermeister Ludwig Reger (CSU) ist entsetzt. "Das Wichtigste ist, dass niemanden etwas passiert ist", sagte er. Auch Landrat Theo Zellner (CSU) zeigte sich erleichtert über den Ausgang des Anschlags.

Hohlmeier: Erschütternd

Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) sagte in München, sie sei bestürzt über den Vorfall: "Es ist erschütternd, dass die Schule vor derartigen Gewaltanschlägen nicht geschützt ist." Die Ministerin verwies darauf, dass Bayern in den vergangenen Jahren ein "umfangreiches Maßnahmenpaket zur Gewaltprävention" geschnürt habe. Man werde jedoch eine Eskalation der Gewalt in den einzelnen Fällen nie ganz ausschließen können.

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