23.08.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

19-jähriger Weidener bricht sozialen Dienst in Georgien ab - Abenteuerliche Heimreise über ... Flucht vor den Bomben im Kaukasus

von Uli Piehler Kontakt Profil

Er wollte etwas sinnvolles tun nach dem Abitur, anderen Menschen helfen, zu sich selbst finden - plötzlich fand er sich mitten in einem Krieg wieder. Der 19-jährige Lukas Hartwig aus Weiden brach in der vergangenen Woche seinen ursprünglich für sechs Monate geplanten freiwilligen sozialen Dienst in Georgien ab. Unversehrt, aber nach einer abenteuerlichen Heimreise, kehrte er nach Hause zurück.

Während andere Schulabgänger nach der Zeugnisvergabe in den Urlaub nach Mallorca flogen, stieg Lukas Hartwig am 30. Juni in ein Flugzeug, das ihn nach Tiflis brachte. Der Abiturient vom Augustinus-Gymnasium in Weiden hatte sich bei der in Frankfurt am Main ansässigen Hilfsorganisation "Nothelfergemeinschaft der Freunde" für ein Volontariat in einem Armenhaus in dem Örtchen Gemri beworben. Etwa 70 Bedürftige - Behinderte, Waisen oder auch minderjährige Mütter - werden dort von Pädagogen und Jugendlichen aus der ganzen Welt betreut.

"Das war wirklich eine schöne Aufgabe", berichtet Lukas. "Ich hatte intensiven Kontakt zu Land und Leuten. Die Gastfreundschaft war unglaublich." Zwischen Ausflügen, Küchenarbeit und Erlebnispädagogik bekam er kaum etwas vom heraufziehenden Krieg mit. Internetzugriff hatte der 19-jährige nur alle zwei Wochen. Am Telefon erzählten seine Eltern am 8. und 9. August von der Mobilmachung und der Verhängung des Kriegsrechts. "Ich habe großen Respekt vor dem Leiter des Armenhauses", sagt Lukas. Der Mann habe am 10. August, am Tag der heftigsten Angriffe, alle ausländischen Helfer zusammengerufen und ihnen die Abreise nahegelegt.
Lukas hörte, wie die Bomben in der nicht weit entfernten Stadt Signaghi einschlugen. "Obwohl wir uns draußen auf dem Land sicher glaubten, war uns da schon ein bisschen mulmig." Als letzte, die noch ausharrten - sechs Briten hatten sich gleich verabschiedet - entschloss er sich an jenem Sonntagabend, zusammen mit zwei Franzosen aufzubrechen.

Über Tiflis auszureisen war unmöglich. Der Flughafen war stillgelegt. Blieb nur die Ausreise auf dem Landweg über Aserbaidschan oder Armenien. Weil alle Busse in die näher gelegene armenische Hauptstadt Eriwan abgefahren waren, bot ihm ein Taxifahrer ein Nachtquartier an. "Er hat für mich gekocht und mich noch vor Sonnenaufgang zum Bus gebracht." Der Taxifahrer vermittelte ihm auch den Kontakt zu einer russisch sprechenden Italienerin, die ebenfalls über Eriwan in ihre Heimat zurückkehren wollte. "Ohne die wäre ich aufgeschmissen gewesen", erzählt Lukas.

Schließlich klappte alles: In Eriwan bekam er eine Lufthansa-Maschine nach München. "Ich würde gerne nach Georgien zurückkehren", sagt er. Heute trifft sich Lukas mit dem Leiter des Projekts der Nothelfergemeinschaft in Köln, um darüber zu beraten.

Weitere Informationen im Internet:

www.nothelfergemeinschaft.de

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