14.08.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

1970 nahm die Autobahnmeisterei Lauterhofen den Betrieb an der A6 auf - Wichtige Funktion an ... Seit vier Jahrzehnten täglich auf Achse

Es gibt Dinge, an denen sich der Lauf der Zeit festmachen lässt. Autos gehören dazu. Und die Straßen, auf denen sie fahren. Mit beidem hat die Mannschaft der Autobahnmeisterei Lauterhofen täglich zu tun. Seit 40 Jahren. Am 15. August 1970 nahm deren erster Chef, Rudolf Weidinger, seinen Dienst auf - noch ohne Personal und ohne Betriebsgelände. Heute ist die Meisterei eine der größten im Bereich der Autobahndirektion Nordbayern.

von Alexander Rädle Kontakt Profil

Mit einem Opel Rekord Caravan, einer Limousine der oberen Mittelklasse, fuhr er durch die Gegend. Weit weniger nobel geht es heute zu. Hauptstraßenmeister Hans Schwemmer, der die Meisterei seit April 2009 leitet (und von 1985 bis 1989 dort Stellvertretender Leiter war), steht nur ein Golf der Kompaktklasse zur Verfügung. Ein Zeichen dafür, wie sich die Zeiten geändert haben.

Moderner Dienstleister

"Bei der Autobahn" beschäftigt zu sein, das bedeutet in erster Linie viel Arbeit und hohe Verantwortung. "Wir sind ein moderner Dienstleister. Die Autobahnmeisterei wird nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt und ist durchaus mit der Leitung eines mittelständischen Unternehmens in der Privatwirtschaft vergleichbar", betont Schwemmer. Er, sein Vertreter Ronnie Seuß und die 17 Mitarbeiter (plus acht Saisonbeschäftigte und zwei Auszubildende) sind für 81 Kilometer der A6 zwischen den Kreuzen Nürnberg-Ost und Oberpfälzer Wald zuständig. Mit allem Drum und Dran: den Grünflächen (rund 250 Hektar), den neun Ein- und Ausfahrten, den vier Rastplätzen, den vier Parkplätzen mit WC, den 13 Talbrücken, 39 Regenrückhaltebecken, vier Lärmschutzwänden, 99 "sonstigen Bauwerken" sowie den zwei Rasthöfen "Oberpfälzer Alb". Eigentlich zu viel, um alles selbst zu erledigen.
Größtenteils wird das, was planbar ist, auch an Fremdfirmen vergeben, erklärt Oberstraßenmeister Ronnie Seuß. Darunter fallen größere Fahrbahnsanierungen, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Wartung und Reinigung der WC-Anlagen, Markierungsarbeiten, maschinelle Gehölzpflege und die Beseitigung von Leitplankenschäden. "Würden wir das alles selbst machen, bräuchten wir zehn Leute mehr."

Anfangs 19 Kilometer

Vor 40 Jahren stand mehr Personal zur Verfügung. Am 1. Oktober 1970 waren 23 Männer plus zwei Führungskräfte der Meisterei zugeteilt, die bis zur Gebietsreform noch den Zusatz "Alfeld" trug. Zwar war die Zahl der Beschäftigten nur unwesentlich höher als heute, jedoch hatte die Belegschaft nur einen Bruchteil der heutigen Strecke zu betreuen. Genau genommen nur den 19 Kilometer langen Abschnitt vom Kreuz Altdorf bis zur Anschlussstelle Alfeld. Verkehrsminister Georg Leber, der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Dr. Otto Schedl und Innenminister Dr. Bruno Merk gaben diesen am 17. November 1970 frei. Das weitere Teilstück bis Amberg/Kastl (jetzt Amberg-West) folgte am 12. November 1971.
Die Schnellstraße endete quasi im Niemandsland. Wer vor 40 Jahren auf einer der Überführungen stand, musste teils Minuten warten, bis ein Auto kam. Heute ist die Autobahn eine europäische Magistrale von Paris bis Prag. Lastwagen reiht sich an Lastwagen. Zählungen ergaben, dass täglich bis zu 35 000 Fahrzeuge auf der A6 unterwegs sind. Der Anteil des Schwerlastverkehrs sei mit 30,8 Prozent außerordentlich hoch. "Durch den Lückenschluss kommt der A6 im transeuropäischen Verkehrsnetz hohe Priorität zu", weiß Schwemmer. "Der Fernverkehr braucht keine Umwege mehr zu nehmen."

Hoheitliche Aufgaben

Und als ob der dichte Verkehr nicht schon Herausforderung genug wäre, verlangen auch noch die geographischen Bedingungen viel von den Straßenwärtern. Unter Spezialisten gilt die A6 als klassische Mittelgebirgsautobahn - mit dem höchsten Punkt bei Poppberg (620 Meter) und dem niedrigsten im Naabtal (380 Meter) bei Pfreimd.

Die Autobahnmeisterei ist darauf eingestellt. Schicht- und Bereitschaftsdienst gewährleisten die ständige Erreichbarkeit bei Unglücken, Notfällen oder beim Winterdienst. Als "Hausherr" übernimmt sie vor allem nicht planbare "hoheitliche Aufgaben": die Verkehrssicherungspflicht, Soforteinsätze bei Unfällen, Unwettern und Katastrophen (zum Beispiel Ausleitungen bei Totalsperren und Wiederfreigabe nach Räumung von Unfallstellen), den Winterdienst und die Beseitigung von akuten, verkehrsgefährdenden Schäden. "Der Betriebsdienst ist ein hochriskantes Geschäft", unterstreicht Schwemmer. Arbeitsstellen müssten heute wesentlich aufwendiger abgesichert werden als früher.
Neben acht Lastwagen, einem Unimog, vier Mannschaftswagen und fünf Spezialgeräten stehen deshalb auch sechs Warnleitanhänger, fünf Vorwarntafeln und zwei LED-Vorwarntafeln im Fuhrpark. Bescheiden nimmt sich dagegen die Grundausstattung von 1970 aus: Zwei VW-Transporter, vier MAN-Lkw, zwei Faun-Lkw, zwei Unimogs und ein Magirus-Mannschaftswagen.

Zum offiziellen Betriebsstart am 1. Oktober 1970 war das heutige Gehöft an der Anschlussstelle Alfeld noch im Bau. Das neue angestellte Personal musste sich mit Garagen begnügen. Die Verwaltung saß in der Meisterei Fischbach bei Nürnberg. Erst im April 1971 waren die neuen Diensträume und Wohnungen bezugsfertig.

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