15.05.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

30-köpfiges Streifkorps verbreitet Schrecken unter 700 Bürgern - Lebensmittel und Geld geraubt Preußen fallen in Luhe ein

Einen dreitägigen Albtraum erlebten die Luher Bürger vor 253 Jahren am 16. Mai 1757. Etwa 30 preußische Reiter fielen an diesem Tag während des siebenjährigen Krieges im Marktflecken ein und raubten Fleisch, Brot, Bier, Branntwein, Butter, Schmalz, Eier, Mehl und Futter für die Pferde.

von Autor SEFProfil

Preußenkönig Friedrich II. hatte von umfangreichen österreichischen Magazinen in Pilsen gehört. Er entsandte deshalb mehr als 1000 Mann mit fünf Kanonen dorthin, um die Vorräte zu vernichten und den Nachschub einzuschränken.

Furcht verbreiten

Nach erfolgreicher Ausführung wurde Oberstleutnant von Mayr in die Oberpfalz beordert. Er befehligte ein kleines Streifkorps aus etwa 30 Jägern zu Pferde und sollte sich als Anführer der Avantgarde einer starken preußischen Armeeformation ausgeben. Ziel war es der Bevölkerung und Regierung Furcht einzuflößen.

Am 13. Mai 1747 traf Flügeladjutant von Mayr in Eslarn ein. Er ließ das Gerücht verbreiten, seine Einheit sei die Vorhut von 10 000 Mann. Diese würden verheerend einbrechen, falls jemand Widerstand wage. Der Zweck dieser Einschüchterung wurde erreicht: Der bayerische Kurfürst Max III. Joseph ließ dem Streifkorpsführer seine Neutralität versichern und stoppte den Abmarsch von 4000 Mann als Hilfstruppen für Österreich.

200 Gulden übergeben

Aus Eslarn rückte der Oberstleutnant weiter über Pleystein und Vohenstrauß vor. Drei Tage später quartierten sie sich in Luhe ein und fielen wie die Heuschrecken bei den rund 700 Bürgern ein. Die waren von früheren Durchzügen (1430: Hussiten; 1504: Österreicher; 1621: Mannsfeldische Truppen im 30-jährigen Krieg; 1742: Franzosen; 1743 Österreicher) allerhand gewohnt. Dem preußischen Offizier mussten die Luher "für seine Neutralität" extra 200 Gulden aushändigen, was besonders schmerzte.

Insgesamt belief sich der angerichtete Schaden auf 2176 Gulden und 31 Kreuzer, deren Entgelt bei der zuständigen Regierung in Amberg eingefordert wurde. Von hier aus leitete man die "Conscription" (= Zusammenstellung) der Verluste an die kurfürstliche Hofkammer München weiter, wo sie angeblich verloren ging. Deshalb ließ Richter Gregor Paul Hann am 30. September 1760 von seinem Schreiber einen äußerst höflichen, aber umso deutlicheren Mahnbrief an den "Durchleichtigsten Fürsten und Herrn Herrn Maximiliano Josepho in ob: und Nidern Bayrn auch der obern Pfalz Herzogen, Pfalzgrafen bey Rhein, deß Heyl. Röm. Reichs Erztruckhsesß und Churfürsten, Landgrafen zu Leichtenberg" absenden.
Der Luher Richter ersuchte untertänigst und treu gehorsamst seinen gnädigsten Herrn, dass die,,damnificirte" (geschädigte) Bürgerschaft einen Schadensausgleich erhielte. Obwohl sich Hann den "höchstmüldigsten Hulden und Genaden" seines Landesherrn empfahl, sahen die Luher - wie zu befürchten - keinen Kreuzer Wiedergutmachung.

Offizier verwundet

Die Verweildauer der Preußen verzögerte sich, weil in Nabburg Kapitän von Petersdorff, Offizier des Bataillons Kalben, am 15. Mai von den Bürgern verwundet und nach Amberg gebracht worden war. Von Mayr forderte dessen sofortige Freilassung, die die kurfürstlichen Beamten umgehend veranlassten. Deshalb setzte sich erst am 18. Mai 1857 das Streifkorps wieder in Bewegung, rückte nach Vilseck vor und entwaffnete dort die Bürger.

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