02.09.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

31-Jähriger aus dem Bayerischen Wald wird im Afghanistan-Einsatz Christ: Erwachsenentaufe in der Gottesburg

Die katholische Messe in der Gottesburg im deutschen Feldlager im nordafghanischen Kundus an diesem Sonntagabend ist etwas besonderes. Zum einen ist es die letzte in diesem Gebäude, zum anderen empfängt ein 31-jähriger Oberfeldwebel aus Regen das Sakrament der Taufe. Gut 75 Soldaten, Männer und Frauen, vom Gefreiten bis zum Oberst haben sich um 19.30 Uhr im schlichten Holzbau eingefunden, um gemeinsam einen Gottesdienst zu feiern. Kerzen, die im Luftzug der Klimaanlage flackern, spenden Licht.

Der katholische Militärseelsorger Norbert S. (rechts) segnet Oliver W. Neben ihm steht sein Taufpate Oberstabsfeldwebel Manfred K. (links). Wolfgang Marx
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Die Freude und Erleichterung ist Oliver W.* anzusehen, als der katholische Militärgeistliche Norbert S.* die Worte "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes" spricht. Freude auch bei seinem Taufpaten Oberstabsfeldwebel Manfred K.* dem Kompaniefeldwebel der Quick Reaction Unit in Kundus. Beide Soldaten kennen sich aus Regen, sie gehören zum Panzergrenadierbataillon 112.

Als Erwachsener empfängt Oliver W. zudem sogleich die erste Heilige Kommunion und die Firmung. Letztere empfängt ein weiterer Soldat, der zwar getauft ist und die Erstkommunion erhalten hat, aber nie die Firmung. Hier in Kundus, im Einsatz, will er dies nachholen. Jährlich gibt es in der katholischen Militärseelsorge durchschnittlich ein halbes Dutzend Erwachsenentaufen.
Während der Feier ertönenen klassische Kirchenlieder wie "Großer Gott, wir loben Dich", aber auch modernere Lieder wie "Kommt und singt ein Lied der Freude". Einen besonderen Klang bekommt unter all den Uniformierten, gerade hier im Einsatz in Afghanistan, die Passage des Liedtextes, in der es heißt, "alle seid ihr eingeladen, alle, ohne Unterschied, weil der Herrgott nicht auf Staaten, nicht auf Rang und Rasse sieht". Als besonderes Geschenk singt die neue Musikgruppe, die vor wenigen Tagen zum ersten Mal geprobt hat, den Song "Hallelujah" des kanadischen Sängers und Autors Leonard Cohen. Es war der letzte Gottesdienst für Norbert S. in Kundus, er ist nach Hause zurückgekehrt.

Das von einem Hesco-Wall umgebene Holzhaus erinnert allein durch seine massive, festungsartige Bauweise an eine Burg - wie so viele Gebäude im deutschen Lager, die durch diese Wälle vor Mörserbeschuss geschützt sind. Nun wird die "Gottesburg" wie so viele Einrichtungen im Feldlager abgebaut. Denn im Herbst übergeben die Deutschen die Liegenschaft an die Afghanen. Für eine Kirche ist dann kein Platz mehr.

Einrichtung ins Museum

Ohnehin ist die "Gottesburg" nie benediziert worden, was den Rückbau einfacher macht. Die Kirche muss nicht eigens profanisiert werden. Das Schild "Gottesburg", das über dem Eingang hängt, soll mit anderen Einrichtungsgegenständen dem Militärhistorischen Museum in Dresden überlassen werden.

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*Die Namen wurden auf Wunsch der Bundeswehr und zum Schutz der Soldaten gekürzt

 

 

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