01.11.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

61-Jähriger Eremit Ephrem Wedel erwirkt 1910 mit Brief Versetzung von Luhe nach Cham Hilferuf an Prinzregent Luitpold

"Ich untertänigst treu gehorsamster armer Frater Einsiedler Ephrem Wedel auf der Klause in Luhe bitte Seine Königliche Hoheit um Vermittlung beim Hochwürdigsten Herrn Erzbischof von München und Freising um eine Klause und Kirche in seiner Diözese." Mit diesen Worten begann ein Schreiben, das am 27. Oktober 1910 Luhe verließ und Prinzregent Luitpold als Adressaten hatte.

von Autor SEFProfil

Der am 12. März 1821 geborene Monarch regierte nach dem Tod Ludwigs II. am 13. Juni 1886 als Verweser das Königreich Bayern. Er lehnte es ab, anstelle des geistig umnachteten Otto I. den Thron zu besteigen. Seine Mission begann der bereits 65-jährige Wittelsbacher unter schwierigen Bedingungen.

Reisen im Sonderzug

Es gab Gerüchte, er habe den Tod des "Märchenkönigs" veranlasst, um dessen Rang einnehmen zu können. Deshalb trat der Prinzregent die Flucht nach vorne an, zeigte sich häufig in der Öffentlichkeit und bereiste im Sonderzug das ganze Land.

Das später überaus populäre Staatsoberhaupt dürfte sehr überrascht gewesen sein, als ihn der seltsame Bittbrief aus Luhe erreichte. Der Einsiedler Ephrem Wedel hatte ohne den üblichen Dienstweg einzuhalten ein flehentliches Gesuch geschrieben, das durch sicheren Stil sowie fehlerfreie Abfassung erstaunt.

"Ich alter Mann mit 61 Jahren war schon früher acht Jahre und vier Monate bei den Einsiedlern, dann sieben Jahre bei den Trappisten in Südafrika. Dort hat mir aber das Klima nicht gepasst, weshalb ich wieder zu den Einsiedlern zurückging.

Abgelegen auf dem Berg

Ich glaube, dass ich deshalb bei meinen Oberen nicht gut angeschrieben bin, weil sie mir die besagte Klause herausgesucht haben. Sie liegt ziemlich abgelegen vom Markt Luhe auf einem Berge. Ich wäre ein gelernter Spengler. Aber hier kann ich mit der Spenglerei nichts verdienen, weil hier schon zwei Spengler sind (u.a. Georg Biller).

Auch ist auf meiner Klause nicht einmal Wasser zu haben. Von mir altem Mann wird verlangt, dass ich es aus dem Markt über den Berg hinauftrage. Dass ich Ihre Königliche Hoheit nebst Ihren werten Angehörigen täglich in mein Gebet einschließe, dürfen Ihre Königliche Hoheit wohl versichert sein.

Nachdem meine Bitte bei meinen Vorgesetzten um Versetzung auf eine Klause mit einer Kirche, wo ich als Mesner und Spengler etwas verdienen könnte, bis jetzt unberücksichtigt blieb, glaubte ich, meine Bitte zu Füßen Ihrer Königlichen Hoheit legen zu dürfen, dessen allbekannte Güte und Milde weit über die Grenzen des Vaterlandes hinaus bekannt sind.
Im Anschlusse hier benütze ich die Gelegenheit, zum bevorstehenden hohen Namensfeste am 1. November meine aufrichtigsten Glückwünsche darzubringen. Insbesondere wünsche ich, dass der liebe Gott Ihre Königliche Hoheit noch eine lange Reihe von Jahren in bester Gesundheit leben lassen möge. Diese Bitte werde ich täglich in meine Gebete einschließen. In Erwartung, dass ich meine Bitte nicht vergeblich stelle, verbleibe ich alleruntertänigster und gehorsamster Einsiedler. Frater Ephrem Wedel in Luhe, Oberpfalz"

Der Brief aus Luhe schlug in der Landeshauptstadt gewaltig ein. Der Prinzregent wurde seiner sprichwörtlichen Leutseligkeit gerecht und machte den zuständigen staatlichen und kirchlichen Behörden bis zum Ordinariat gehörig Dampf. Ephrem Wedel erreichte - fast - alles, was er sich gewünscht hatte.

Vier Zellen in Klause

Bereits am 28. Dezember 1910 wurde er versetzt, zwar nicht in die erhoffte Erzdiözese München-Freising, sondern nach Katzberg bei Cham. Den neuen Wohnsitz bescheinigte am 30. Januar 1911 die dortige Gemeindeverwaltung. In ihrem Einzugsgebiet befand sich auf dem Kalvarienberg seit 1898 eine Eremitage, die zuerst von Ägidius Drexler aus Perkam bewohnt war. Wie der Luher Kollege die Nikolauskirche hatte er das benachbarte Gotteshaus zu betreuen.
Die Einsiedler auf dem Koppelberg bei Luhe waren Franziskanerfratres und gehörten seit 1842 zur neuen bayerischen Eremitenverbrüderung, einer Kongregation diözesanen Rechts.

Bischof Valentin von Riedel bestimmte 1844 den tüchtigen Sebastian Paul Zeilbäck zum ersten "Altvater", der anschließend von 1846 bis 1860 Eremit in Luhe war. Zu seiner Zeit hatte die Klause vier Zellen, unter ihnen die 1789 errichtete Hauskapelle. Als letzter Amtsinhaber hauste oberhalb des Ortes von 1923 bis 1935 Arsenius Graf, dem im Markt Luhe-Wildenau eine Straße gewidmet ist.

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