20.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Aber immer noch zu viele Sitzenbleiber und zu wenig Ganztagsbetreuung - Wirtschaft gegen ... Bildungsmonitor: Bayern auf Platz drei

von Agentur DPAProfil

Ein neuer Bundesländervergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sieht das bayerische Bildungswesen bundesweit auf Platz drei. Eine noch bessere Platzierung scheiterte vor allem daran, dass im Freistaat eine überdurchschnittliche Zahl von Kindern sitzenbleibt und vergleichsweise wenige Vorschulkinder ganztags betreut werden. In diesen Bereichen belegt Bayern jeweils den 14. Platz unter den 16 Bundesländern. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten IW-Bildungsmonitor hervor. Auf den Plätzen eins und zwei liegen Sachsen und Thüringen.

Besonders gut ist Bayern nach Einschätzung der Studienautoren in der beruflichen Bildung (Platz 1), Schulqualität (Platz 2) und der Vermeidung von "Bildungsarmut" (Platz 2). Letzteres soll bedeuten, dass es im Land nur wenige Schüler gibt, die sehr schlecht lesen, schreiben und rechnen können. Der früher sehr hohe Anteil von Jugendlichen ohne Schulabschluss hat sich auf 4,7 Prozent mehr als halbiert - damit liegt Bayern nun bundesweit an der Spitze.

Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) nannte das gute Abschneiden Bayerns "erfreulich": "Die jungen Menschen haben in Bayern überdurchschnittliche Bildungschancen." Die Landtags-SPD forderte Spaenle auf, sich auch die negativen Punkte im Bildungsmonitor zu Herzen zu nehmen. "Das Ganztagsangebot in Bayern ist nach wie vor katastrophal", sagte die stellvertretende Fraktionschefin Simone Strohmayr. "Hier hat die Staatsregierung in der Vergangenheit gepennt und hier tut sie es immer noch."

Denn die Autoren bewerten negativ, dass in Bayern weniger als ein Drittel (29,1 Prozent) der Kindergartenkinder ganztags betreut werden. Ebenfalls negativ sehen die Autoren die "Zeiteffizienz" des bayerischen Schulwesens. So stellten sie den bayerischen Schulen eine schlechte Note dafür aus, dass in der Sekundarstufe I - von der fünften bis zur zehnten Klasse - im Jahr 2012 insgesamt 4,8 Prozent der Kinder sitzenblieben - mehr als in jedem anderen Bundesland.

Deutliche Kritik übte der verantwortliche Autor des Monitors, Axel Plünnecke, an der Diskussion um eine Verlängerung der Gymnasialzeit auf wieder neun Jahre. Nach seinen Worten unterscheiden sich die Schulergebnisse von G 8 zu G 9 kaum. Die Verkürzung habe auch keine relevanten Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung und Lebenszufriedenheit der Schüler. Plünnecke riet eindringlich davon ab, die Reform rückgängig zu machen. Laut Studie haben jene Bundesländer die besten Ergebnisse, die ihre Bildungseinrichtungen nicht immer neuen Strukturreformen aussetzen.

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