22.07.2009 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim einer der engsten Vertrauten von Claus Schenk Graf von ... Widerstand gegen Hitler aus der Oberpfalz

Zum 65. Mal jährte sich am Montag der letzte und spektakulärste Attentatsversuch auf Hitler. An diesem 20. Juli 1944 zerschlug sich die letzte Hoffnung, den apokalyptischen Untergang Deutschlands abzuwenden. Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde gemeinsam mit drei Mitverschwörern noch in derselben Nacht in Berlin standrechtlich erschossen.

von Autor WSLProfil

Zu diesen engsten Gefolgsleuten gehörte ein weitgehend unbekannter Mann, der einige Jahre seiner Kindheit und Jugend in der Oberpfalz verbracht hat - Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim. Albrecht von Quirnheim besuchte während und nach der Zeit des ersten Weltkrieges von 1914 bis 1920 das Königlich Humanistische Gymnasium Amberg, heute Erasmus-Gymnasium.

Einträge in den Jahresberichten aus jener Zeit machen ersichtlich, dass von Quirnheim im Alter von neun Jahren in diese Höhere Lehranstalt eingetreten ist und sie sechs Jahre lang besucht hat. Der spätere Widerstandskämpfer und Freund Stauffenbergs kam 1905 als Sohn des Hauptmanns im bayerischen Generalstab und späteren ersten Präsidenten des Reichsarchivs Hermann Ritter Mertz von Quirnheim in München zur Welt. Dieser wurde im Jahre 1911 vom Generalstab des III. Armeekorps zum 6. Infanterieregiment nach Amberg versetzt. Auch für seine Familie wurde Amberg zur neuen Heimat.

Kein Meldeblatt

Das im Stadtarchiv Amberg verwahrte Adressbuch von 1914 für die "Königlich Bayerische Stadt Amberg" weist Hermann Mertz von Quirnheim als wohnhaft im Frauenviertel A, Ecke Marstallgasse/Eichenforstgässchen, also Alte Veste (ehemalige Herzogsburg, heute Sitz der Stadtbau) aus.
Man kann wohl davon ausgehen, dass der junge Albrecht ab 1914/1915 von hier aus den Weg zum ehemaligen Humanistischen Gymnasium nahm, das er bis einschließlich der 6. Klasse im Schuljahr 1919/1920 und zwar jeweils in der Abteilung b besuchte. Der Grund für das Fehlen eines Meldeblatts für die Familie von Quirnheim sowohl im Einwohnermeldeamt als auch im Stadtarchiv Amberg liegt offensichtlich darin, dass für Militärangehörige bisweilen auf ein derartiges Dokument verzichtet wurde. Zwei Jahre später, 1913, erfolgte die Berufung von Ritter Mertz von Quirnheim zum Bataillonskommandeur in dieser traditionsreichen Einheit, die seit 1868 in der Kaiser-Wilhelm-Kaserne stationiert war.

Von dieser Ernennung berichtet auch die Amberger Volkszeitung in ihrer Ausgabe vom 22. September 1913. Nach dem Ersten Krieg wurde Hermann von Quirnheim zunächst zur kriegsgeschichtlichen Abteilung im großen Generalstab in Berlin abkommandiert und kurz darauf mit der Leitung des neu gegründeten deutschen Reichsarchivs in Potsdam betraut - eine Funktion, die er bis 1931 ausübte. Nach der umzugsbedingten Beendigung der Amberger Schullaufbahn im Jahre 1920 legt Albrecht von Quirnheim drei Jahre später das Abitur am Victoria-Gymnasium in Potsdam ab.

Kaum Unterlagen

Danach schlug der junge Adelige - wie vielfach in jener Zeit für Angehörige seines Standes üblich - die Militärlaufbahn bei der Reichswehr ein. Im Gegensatz zum Vater - einschlägige Unterlagen über ihn finden sich bis 1920 als Angehörigen der ehemaligen bayerischen Armee im Kriegsarchiv des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in München - sucht man bei Sohn Albrecht in den Archiven nahezu vergebens nach biografischen und archivarischen Quellen. Dies liegt zum einen darin, dass das Heeresarchiv in Potsdam im April 1945 einem Luftangriff zum Opfer fiel, zum anderen aber haben die NS-Machthaber die Personalunterlagen der Verschwörer des 20. Juli nach dem Attentat bewusst und systematisch vernichtet.

Bereits in den 1920er Jahren entwickelte sich eine Freundschaft mit Claus Graf Schenk von Stauffenberg, der seine militärische Ausbildung 1926 in Bamberg begann. Wie die meisten Militärs begrüßten auch die beiden jungen Offiziere zunächst die Machtergreifung der Nationalsozialisten.
Diese Einstellung sollte sich allerdings im Laufe der Zeit und mit zunehmender Kriegserfahrung wandeln. 1943 in die Attentatspläne eingeweiht, arbeitet Albrecht von Quirnheim aktiv mit General Friedrich Olbricht und Graf Stauffenberg den Operationsplan "Walküre" zur Beseitigung des Diktators und anschließender Machtübernahme aus. Er setzte sich auch noch am Abend des Anschlags gemeinsam mit Stauffenberg entschlossen für das Gelingen des Staatsstreiches ein.

Erschießung im Bendlerblock

Nach dem tragischen Fehlschlag des Attentats werden Stauffenberg, dessen Adjutant Werner von Haeften, General Olbricht und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim auf Befehl von Generaloberst Fromm im Hof des Bendlerblocks, Sitz des Heeresamtes in Berlin-Tiergarten, noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 standrechtlich erschossen. Die Leichen werden in Uniform auf dem St.-Matthäus-Friedhof begraben, doch auf Befehl von Himmler noch im Morgengrauen exhumiert und verbrannt. Die Asche wird auf Feldern um Berlin verstreut.

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