Arte und ARD zeigen ein episches Dokudrama über den Herrscher Karl der Große
Frauenheld und Vater Europas

Szene aus dem Film "Karl der Große" von Regisseurin Gabriele Wengler: Bei einer Heerschau stimmt Karl (Alexander Wüst) seine Gefolgsleute auf den Feldzug gegen die Sachsen ein. Bilder: WDR/Taglicht Media/Pre TV

Was muss Karl der Große für eine Erscheinung gewesen sein: Stattliche 1,84 Meter groß, schlank - kerngesund, trotz seines für die Zeit unglaublichen Alters von 66 Jahren und obwohl er immer im Sattel saß. Nur wenige Jahre nach seinem Tod lästerten die Leute, für seinen unmoralischen Lebenswandel schmore er in der Hölle, "wo ihm ein Ungeheuer die Genitalien abnagt", sagt die englische Historikerin Professor Dame Jinty Nelson in dem Arte-Dreiteiler "Karl der Große".

Karl der Frauenheld ist nur eine überraschende Facette in dem Epos, das den mächtigsten Kaiser des Mittelalters beleuchtet. Wer war dieser Mensch, den Deutsche und Frankreich als Stammvater betrachten, den sein Biograf Einhard zum Helden erhob, der sich mit der Aachener Pfalzkapelle bis heute ein Denkmal setzte und der heute als Symbolfigur Europas gilt?

1200. Todestag

Dem geht das dreiteilige Doku-Drama zum 1200. Todestag des Frankenherrschers nach, das der deutsch-französische Kultursender Arte am Samstag ab 20.15 Uhr ausstrahlt. Arte zeigt die drei Folgen hintereinander, komplett in rund 160 Minuten. Es ist eine Mischung aus wissenschaftlicher Spurensuche - etwa in der Frage, wie er denn aussah, der große Frankenherrscher - Spielszenen und wissenschaftlichen Kommentaren. Die ARD zeigt eine gekürzte Fassung von 90 Minuten am 1. Mai.

Nach dem Tod des Vaters Pippin entbrennt zwischen den rivalisierenden Brüdern Karl (Alexander Wüst) und Karlmann ein erbitterter Machtkampf um die Thronfolge. Als der jüngere Bruder Karlmann stirbt, greift Karl nach der alleinigen Macht: Er vertreibt die Witwe seines Bruders und deren Söhne, die ihm den Thron noch streitig machen könnten.

Dunkle Seiten beleuchtet

Karl erobert das Langobardenreich. Er kämpft gegen die Sachsen, die immer wieder die Kirchen fränkischer Siedler an der Weser überfallen. Sie führen eine Art Guerillakrieg gegen die Franken. 775 fasst Karl den Entschluss, die Sachsenstämme zu unterwerfen. Er will das Heidentum ausrotten und die Sachsen zum Christentum zwingen. Die Franken kennen keine Gnade, die Sachsen leisten erbittert Widerstand. 785 treffen sich die Erzrivalen Karl und Widukind. Als Zeichen des Friedens lässt sich Widukind taufen, Karl ist sein Taufpate.

Im fortgeschrittenen Alter konzentriert sich der Frankenherrscher auf die Ausgestaltung seines Reiches. Er will das von Kriegen zerschundene Land aufrichten. Er führt einheitliche Gesetze und Währung ein, leitet eine Bildungsoffensive ein, Menschen lernen in lateinischer Sprache zu lesen und zu schreiben. Und er sammelt Gelehrte um sich.

Die Dokumentation orientiere sich in erster Linie an der klaren Faktenlage der Forschung, sagt die zuständige WDR-Redakteurin Beate Schlanstein. Die wichtigste Quelle in der Karl-Forschung ist die Biografie des Gelehrten Einhard, die "Vita Karoli Magni". "Diese heldenhafte Darstellung des Lebens und Wirkens Karls des Großen prägt bis heute das Bild, das sich die Nachwelt von ihm gemacht hat. Doch mindestens ebenso spannend wie das, was Einhard über Karl schrieb, ist das, was er verschwieg", stellt Schlanstein fest. Das sind die dunklen Seiten Karls mit intrigantem Ränkespiel, gnadenloser Brutalität und "Fleischeslust". Karl stirbt 814 an den Folgen einer Lungenentzündung.

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Sendetermine Arte: Samstag, 20. April, 20.15 Uhr (Episode 1), 21.05 Uhr (Episode 2) und 22 Uhr (Episode 3).Sendetermin ARD: 1. Mai 18.30 Uhr (Zusammenfassung, 90 Minuten).
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