04.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Auszubildende gefragter denn je Führerschein als Lockmittel

Chef Winfried Auers (Zweiter von rechts) erklärt seinen Auszubildenden, was unter der Haube des Autos steckt. Die Lehrlinge (von links) Timo Schmitz, Fanik Fagharshak, Lukas Sus und David Kohlmann (rechts) hören interessiert zu. Bild: doz
von Redaktion OnetzProfil

Sulzbach-Rosenberg. (doz) Egal welche Branche, die Bewerber werden weniger: Für viele Ausbildungsbetriebe bedeutet es zuweilen schon einen Kraftakt, geeignete Lehrlinge zu finden. Die geburtenschwachen Jahrgänge und immer mehr Studierende machen sich bemerkbar. Da ist auch Sulzbach-Rosenberg keine Ausnahme.

Bäcker Christian Kliegel erzählt, einen Azubi für die Backstube zu bekommen, sei fast aussichtslos. Das Image des Berufs sei einfach schlecht. Das fange schon beim frühen Aufstehen an. Kliegel rät: "Die Entlohnung müsste wesentlich gesteigert werden." Zudem sei es nicht leicht, Verkäuferinnen zu finden.

Selbst das Rohrwerk Maxhütte kämpft, um die elf Ausbildungsstellen adäquat zu besetzen. Laut Ausbildungsleiterin Margit Högner ist seit zwei Jahren ein gravierender Rückgang spürbar: "Wir hatten früher 400 bis 450 Bewerber, dieses Jahr sind wir knapp über der Hunderter-Grenze." Ein Lehrling, der eine Zusage bekommen hatte, sei kurz vorher abgesprungen, ein anderer erst gar nicht am ersten Arbeitstag erschienen ("Das ist einmalig"). Mittelfristig werde die Lage nicht besser. Deswegen sind die Rohrwerk-Mitarbeiter mit einem Infomobil unterwegs und werben bei Ausbildungsmessen, um Azubis zu bekommen.

Dass das nicht einfach ist, bekräftigt auch Winfried Auers vom gleichnamigen Autohaus: "Vor 20 Jahren gab es noch 65 Bewerber auf eine Stelle, jetzt sind es noch fünf." Davon kämen für eine Lehrstelle ein bis zwei gar nicht erst in Frage. Deshalb sagt Auers: "Es ist sehr, sehr dünn geworden." Trotzdem befindet er sich in der glücklichen Lage, gute Auszubildende in seinen Reihen zu haben: "Ich bin mit meiner Wahl sehr zufrieden." Aktuell absolvieren vier Jugendliche bei ihm eine Lehre.

Die Zukunft zeichnet der Autohaus-Chef aber düster: "Es wird noch prekärer." Das Handwerk könne nur noch überleben, wenn es horrende Stundenlöhne bezahlt. Auers vermutet sogar, dass sich diese in den nächsten zehn Jahren verdoppeln.

Trend zur höheren Bildung

Es gibt einen weiteren Fakt, der die Lehrstellen-Situation verschärft. Ralf Kohl, Bereichsleiter Berufsbildung der IHK Regensburg, sagt: "Der Trend geht zur höheren Schulbildung." Darüber hinaus bemüht auch er den Begriff des demografischen Wandels. Der bedeute immer weniger Jugendliche, also auch immer weniger Bewerber. "Diese Grundsituation ist schwer zu beheben."

Deshalb ist auch klar, dass Lehrstellen unbesetzt bleiben. Das führe aber dazu, dass die Firmen aufgeschlossener werden. Ausbildungsbetriebe erhöhen ihr Engagement. Sie bieten etwa Nachhilfe. Wo Unternehmen ebenfalls ansetzen könnten, sei beim Ausbildungsklima und in Form von Familien- oder Firmenfesten. Nach Aussage von Kohl zahlen einige Betriebe ihren Lehrlingen sogar den Rollerführerschein - als Lockangebot. Auch Auslandsaufenthalte seien eine Möglichkeit.

"Es wird querbeet gesucht. Von der Floristin bis zum Industrie-Mechatroniker gibt es freie Stellen", berichtet Kohl. "Problembranchen" gebe es nach wie vor. Dazu zähle etwa der Einzelhandel oder die Gastronomie, die händeringend suchen. Dennoch macht der IHK-Bereichsleiter darauf aufmerksam, dass nicht jeder Jugendliche etwa Mechatroniker werden kann. Gewisse Grundkenntnisse beispielsweise in der Mathematik müssten schon vorhanden sein. Daraus ergebe sich: "Es gibt genauso unbesetzte Stellen wie suchende Jugendliche."

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