Autorin Katharina Maier erzählt in ihrem neuen Buch auch wieder Geschichten aus der Region
Freundschaft, das große Geschenk

Vier anonymisierte Freundschaftsgeschichten aus der Region verbergen sich in "Durch dick und dünn".

Haben Sie noch Kontakt zu den besten Freunden aus Ihrer Schulzeit? Tatsächlich? Und haben Sie zusammen schon einiges erlebt? Dann wären Sie vielleicht auch ein Fall für die "Freundschaftsgeschichten" von Katharina Maier. Möglicherweise waren Sie sogar nahe dran, in dem Buch zu erscheinen, denn die gebürtige Sulzbach-Rosenbergerin hat ihr Recherche-Netz auch über die Region Amberg-Sulzbach geworfen und dabei vier lokale Geschichten an Land gezogen.

Die sind aber anonymisiert und deshalb wohl noch etwas schwerer zu erkennen als die drei Texte mit Amberg-Sulzbacher Hintergrund in Katharina Maiers Buch "Finde deinen Weg - Beruf, Berufung, Lebensglück" vom Frühjahr. "Weil es um persönlichere Geschichten geht", habe sie die Anonymisierung dieses Mal etwas weiter getrieben, erläuterte die Autorin gegenüber unserer Zeitung.

Die zehn Geschichten in ihrem neuen Werk hat die inzwischen in Augsburg lebende Schriftstellerin durch Rund- und Nachfragen bei ihren Freunden und Bekannten sowie deren weiterem Umfeld gefunden. Ganz einfach war das nicht, denn zuerst musste von den Protagonisten oder ihren Bekannten das Ungewöhnliche und Erzählenswerte an ihrer Freundschaft erkannt werden, die sie selbst meist als ganz alltäglichen Teil ihres Lebens einstuften. Erst beim Erzählen sei den meisten klar geworden, wie wunderbar und wertvoll ihre Freundschaft ist, schreibt Katharina Maier im Vorwort.

Die zweite Schwierigkeit war, dass die Rückmeldung dann wieder zur Ausgangsstation gelangen musste: "Es lief in einigen Fällen so ab, dass ich meine Bekannten fragte, die wiederum ihre Bekannten fragten usw., bis jemand sich dann gemeldet hat, meistens nicht sich selbst betreffend, sondern mit den Worten: Ich kenne da welche, die sind schon seit soundso viel Jahren befreundet", verriet Katharina Maier aus ihrer Werkstatt.
Denn dass es bei Freundschaften, die von den Menschen geschätzt werden, nicht um dramatische Erlebnisse oder krisenhafte Zuspitzungen geht, hat sie bei der Arbeit an dem Buch schnell gemerkt: "Ein, wenn nicht das wichtigste Element einer tiefen Freundschaft ist offenbar ihre Langlebigkeit. All die anderen Aspekte - Akzeptanz, gegenseitige Unterstützung, Loyalität, Ehrlichkeit, Zuneigung - scheinen bereits in dieser einen Qualität der Dauer enthalten zu sein."

Dramatik nicht nötig

Es ist wohltuend, dass die Autorin die Freundschaftsgeschichten, die ihr erzählt wurden, nicht groß theoretisch analysiert, sondern vor allem die Freunde selbst zu Wort kommen lässt. Mal eher als runde Erzählung, dann wieder stärker unterteilt oder in Interviewform. Die besten Geschichten sind übrigens gar nicht die voller Dramatik oder weltumspannender Verwicklungen (die gehen bei einer französischen Schauspielerin bis hin zu Dreharbeiten auf Madagaskar). Auch wenn natürlich die Geschichte von der Jüdin Louise, die in der Nazizeit Deutschland verlassen muss und 20 Jahre später in Hamburg ihrer Herzensfreundin Gertrud wieder in die Arme fällt, schon außergewöhnlich ist.
Noch beeindruckender sind aber die klaren, einfachen Freundschaftsgeschichten, bei denen wohl jedem Amberg-Sulzbacher der Gedanke kommt: Das könnte sich bei uns genauso abspielen (hat es ja vielleicht auch). In einer dieser ruhigen Erzählungen findet sich auch die schönste Stelle in dem Buch, an der eine der Hauptpersonen erklärt, dass hinter ihrer geschilderten tiefen, unerschütterlichen Freundschaft schon ein Geheimnis stecke, aber eines, "das man nicht erklären kann. ... Unsere Freundschaft hat keinen 'Grund'. So eine Beziehung kann man nicht suchen und nicht wollen. Sie fällt einem zu. Sie ist ein Geschenk."

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Katharina Maier, "Durch dick und dünn - Freundschaftsgeschichten", 176 Seiten, 16,95 Euro, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2011.
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