04.06.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Babyleiche am Donau-Ufer: Anklägerin und Verteidiger plädieren auf eine moderate Strafe Staatsanwaltschaft rudert zurück

Der Mordvorwurf gegen eine junge Mutter, die ihr Neugeborenes getötet und zwei Monate später am Donau-Ufer nahe Kelheim abgelegt haben soll, ist vom Tisch. Vor dem Landgericht Regensburg plädierten Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Dienstag auf eine Strafe wegen Totschlags.

von Autor AHSProfil

In dem Prozess gegen eine heute 20-jährige Metzgereiverkäuferin aus Saal an der Donau wird heute das Urteil verkündet. Oberstaatsanwältin Ulrike Klein forderte am Dienstag eine Jugendstrafe von sechs Jahren und neun Monaten wegen Totschlags. Verteidiger Michael Haizmann richtete ausdrücklich die Bitte an die Jugendkammer, es im unteren Bereich des Strafrahmens zu belassen und sprach sich für eine Jugendstrafe von fünf Jahren aus.

Wie berichtet hatte die Angeklagte gestanden, ihr Baby im Februar 2013 wenige Minuten nach der Geburt erstickt und mit einem Messerschnitt in den Hals getötet zu haben. Anschließend hatte sie den kleinen Leichnam bis Mitte April in der elterlichen Garage versteckt und schließlich in einem Einkaufskorb in der Donau ausgesetzt.

Kritik am Elternhaus

Die Staatsanwaltschaft ging von Mord aus. Oberstaatsanwältin Klein hatte hierfür einen Strafantrag von bis zu neuneinhalb Jahren in Aussicht gestellt. Verteidiger Michael Haizmann hingegen strebte von Anfang an eine Verurteilung wegen "Tötung ohne Mörder zu sein" an. Beide Seiten übten in ihren Plädoyers harsche Kritik am Elternhaus der Angeklagten. Diese sei in einem Umfeld von sozialer Kälte und Interesselosigkeit aufgewachsen. Hieraus habe sich - so die Sachverständigen in ihren Gutachten - eine affektive Persönlichkeitsstörung bei der Angeklagten entwickelt, ständig auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung.

Diese fand sie auch nicht in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis, welcher eher oberflächlicher Natur war und bei dem Party feiern und Alkohol an erster Stelle stand. Zu diesem Kreis zählte auch der Kindesvater, den Verteidiger Haizmann mit "verwahrloste und dissoziale Persönlichkeit" charakterisierte. Als er von der Schwangerschaft erfuhr, wandte er sich wieder seiner früheren Freundin zu.

Bezeichnend für diese Beziehung: Ihm gegenüber kündigte die Angeklagte an, dass sie das Kind abtreiben lassen wolle. Wochen später meldete er sich bei ihr per Facebook: "Was machst Du gerade?" Auf ihre Antwort "Dein Kind im Bauch rumtragen" reagierte er mit dem Kommentar "Was, ist es immer noch da?".

Von allen in Stich gelassen

Oberstaatsanwältin Klein hielt der Angeklagten zu Gute, dass sie sich in einem Gefühlswirrwarr befunden haben muss. Immerhin dauerte der Entschluss, das Baby zu töten, 30 Minuten. Positiv wertete sie auch das vor Gericht abgelegte und von Reue und Schuldgefühlen getragene ausführliche Geständnis. Vor allem aber, dass sie von allen in Stich gelassen wurde.

Verteidiger Haizmann hatte "mit Dankbarkeit zur Kenntnis genommen, dass die Staatsanwaltschaft vom Bild der eiskalten Mörderin abgerückt ist" und verwies nochmals auf die ausweglose Konfliktsituation seiner Mandantin, die wohl nie mehr in ihr Elternhaus zurück könne und damit ihren Lebensmittelpunkt verloren hat. Die Angeklagte selbst brachte nur einen Satz heraus: "Es tut mir unglaublich leid."

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