02.09.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bahn-Elektrifizierung: Mittlerweile drei Trassen im Gespräch - Bedarf von 750 Millionen Euro Viele wollen zum Zug kommen

Kaum ist das eine Mammut-Projekt abgeschlossen, folgt das nächste: Wenn am Mittwoch die Ost-West-Magistrale zwischen Nürnberg und Prag für den Autoverkehr freigegeben worden ist, wollen sich Politiker und Wirtschaftsvertreter den Ausbau des Schienennetzes in Ostbayern vornehmen.

Bahnlinien mit Nachholbedarf: Drei Trassen in der Region sollen ausgebaut werden. Grafik: nt/az
von Uli Piehler Kontakt Profil

168 Millionen Euro kostet der Lückenschluss der Autobahn A 6 - ein Bruchteil dessen, was für die Sanierung, Erweiterung und Elektrifizierung der wichtigsten Bahnstrecken in der Region veranschlagt ist. 750 Millionen kommen schnell zusammen, wenn eine der beiden strittigen Ost-West-Verbindungen zwischen Nürnberg und Prag und die ausdrücklich forcierte Nord-Süd-Achse Hof-Regensburg ausgebaut werden sollen.

Die Aussagen der regionalen Abgeordneten von CSU und SPD gehen in die gleiche Richtung: Am liebsten wäre ihnen die Elektrifizierung aller dreier Strecken. Die Politiker werden sich etwas eindeutiger positionieren müssen, denn in der nächsten Legislaturperiode steht die Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes an. Er ist die Grundlage für alle Mammut-Investitionen in den nächsten zehn Jahren. 2003 wurde er zum letzten Mal aktualisiert.

In der bisherigen Fassung ist als "vordringlich" allein der Ausbau der nördlichen Ost-West-Trasse von Nürnberg über Marktredwitz bis an die Grenze (Investitionsbedarf: rund 470 Millionen Euro) enthalten. Die Elektrifizierung lässt allerdings auf sich warten, weshalb sich Landräte und Bürgermeister in Oberfranken ernsthaft Sorgen um die Realisierung machen. Weil nun verstärkt über die anderen Strecken diskutiert wird, sehen sie die Felle davonschwimmen.

Hilfe von Tiefensee

Die Marktredwitzer Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder (parteilos) hat sich erst vor wenigen Tagen der Unterstützung von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) versichert. Bei einem Besuch des Ministers in der Stadt, wies sie auf die "längst überfällige" Elektrifizierung der Bahnlinie über Marktredwitz hin. Tiefensee sprang der Oberbürgermeisterin prompt bei, nicht zuletzt deshalb, "weil auch Tschechien mitmacht". Wie schon beim Autobahnbau sind auch beim Ausbau der Zuglinien die Tschechen schneller als die Deutschen. Die Arbeiten zwischen Prag und Eger laufen bereits und sollen bis 2016 abgeschlossen sein. "Wir gehen von einer Wiederaufnahme des Fernverkehrs zwischen Nürnberg und Prag mit Fahrzeiten von drei Stunden 20 Minuten aus", heißt es in einem Schreiben aus dem tschechischen Verkehrsministerium an Seelbinder.

Die bayerische Seite macht sich hingegen besonders für die Elektrifizierung der Nord-Süd-Linie Hof-Regensburg stark, deren Kosten auf etwa 250 Millionen Euro taxiert werden. Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) will dafür sorgen, dass dieses Vorhaben in den vordringlichen Bedarf des nächsten Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden", sagte die Politikerin bei einem Redaktionsbesuch und fügte an: "Da bin ich dahinter."

150 Jahre alt

Die Stadt Nabburg beispielsweise wartet schon lange auf eine solche Weichenstellung. Müsste im Zuge einer Elektrifizierung das Dauerproblem Bahnübergang an der Naabbrücke gelöst werden. Doch auch in Amberg gibt es Begehrlichkeiten. Der Amberger CSU-Abgeordnete Heinz Donhauser hält den Ausbau der südlichen Ost-West-Verbindung von Nürnberg über Amberg, Schwandorf und Furth im Wald genauso geboten. Donhauser "2009 werden es 150 Jahre, dass der Zugverkehr hier auf demselben Bahnkörper läuft." Eine Feststellung, die so ähnlich für weite Teile des Oberpfälzer Schienennetzes gilt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.