Bayern-Präsident droht mit Gegenoffensive - Fußball-Szene als Kartell des Schweigens
Steuersünder Uli Hoeneß verbrennt sich ordentlich die Finger

Bayern-Präsident Uli Hoeneß grillt im November 2009 wegen einer verlorenen Wette Würstchen für die Fans. Jetzt steht er wegen der Steueraffäre mächtig im Feuer. Archivbild: dpa

Selbst die Bundeskanzlerin ist "enttäuscht" von Uli Hoeneß - den FC Bayern wird die pikante Steuersünde seines Präsidenten in den wichtigsten Wochen der Rekord-Saison verfolgen. Der Rechtsbruch des Financial-Fairplay-Verfechters gerät für den deutschen Fußball-Rekordmeister zur Dauer-Affäre.

Der ermittelnde Oberstaatsanwalt machte am Montag noch keine Angaben über die Länge der Untersuchungen, Hoeneß selbst will ebenfalls nicht für weitere öffentliche Aufklärung sorgen. Einen Rücktritt schließt der 61 Jahre alte Sportfunktionär aus und geht stattdessen schon wieder in die Offensive.

"Richtig teuer"

Zwei Tage nachdem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung bekanntgeworden waren, drohte Hoeneß Medien mit juristischen Schritten. "Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen", sagte er im "Münchner Merkur". Einer Münchner Zeitung kündigte der frühere Bayern-Manager an: "Für die wird das richtig teuer."

Bezahlen muss Hoeneß seine Verfehlung bereits jetzt mit einem beträchtlichen Imageschaden. Zwar schwiegen zahlreiche Größen aus dem deutschen Fußball zur Causa, Angela Merkel (CDU) distanzierte sich jedoch mit deutlichen Worten von ihm. "Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Diese Enttäuschung sei natürlich umso größer bei jemandem, der für so viel Positives stehe. Es gebe weiterhin Verdienste des Bayern-Präsidenten. "Aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs eine andere, traurige Facette hinzu gekommen."
Mit Spannung wird der angekündigte Besuch von Hoeneß heute in der heimischen Allianz Arena beim Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona erwartet. Äußerungen zum schwebenden Verfahren soll es dabei allerdings nicht geben: "Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere", erklärte Hoeneß. Bei der Pressekonferenz zum Königsklassen-Duell untersagte der Club Fragen zu dem Thema.

Dennoch wird der Fall die Münchner, die nach dem Gewinn des Meistertitels mit Triumphen in Champions-League und DFB-Pokal erstmals das Triple holen wollen, noch für längere Zeit begleiten. "Das lässt sich rein zeitlich sehr schwer einschätzen, das hängt immer von der Fallgestaltung ab", sagte Staatsanwalt Ken Heidenreich über das mutmaßliche Ausmaß der Ermittlungen. "Es müssen viele Dinge geprüft werden."

Keine Einzelheiten

Heidenreich bestätigte, dass die juristische Maßnahme durch eine Selbstanzeige im Januar aufgenommen worden sei. Zu Details, Summen oder einer angeblich erfolgten Hausdurchsuchung machte er keine Angaben. "Zu Einzelheiten möchten wir uns nicht äußern." Begegnet waren sich die Münchner Staatsanwaltschaft und Hoeneß bereits, als der FCB-Präsident die Ermittler wegen ihres Vorgehens im Fall der Brandstiftung durch Innenverteidiger Breno harsch attackierte.
Mit Hoeneß gehen aktuelle Entscheidungsträger der Szene hingegen öffentlich nicht hart ins Gericht - der Fußball präsentierte sich wie ein Kartell des Schweigens. Vom DFB ("laufendes Verfahren"), dem von Hoeneß oft kritisierten Weltverband FIFA ("kein Kommentar") oder beispielsweise Dieter Hundt, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des VfB Stuttgart, gab es keine Aussage.

Ein Spitzenfunktionär wollte sogar seinen Namen gar nicht im Zusammenhang mit der Affäre lesen, Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler ließ sich zumindest entlocken, dass er "ein bisschen geschockt" über die unerwartete Offenbarung sei. "Wenn man die Fakten nicht kennt und vor allem Uli Hoeneß kennt - ich habe ihn im Laufe der Jahre als ganz großen Menschen kennengelernt - muss man sich zurückhalten", sagte der frühere Teamchef der deutschen Nationalmannschaft beim Pay-TV-Sender Sky.

Eine Privatangelegenheit

Aus dem Bayern-Aufsichtsrat gab es zunächst ebenfalls keine Stellungnahme über den Vorsitzenden des Gremiums. Ein Sprecher des Hauptsponsors Telekom, für den Finanzvorstand Timotheus Höttges im Aufsichtsrat sitzt, verwies darauf, dass es sich um eine Privatangelegenheit von Hoeneß handele. Herbert Hainer, Vorstandsvorsitzender von Bayern-Anteilseigner Adidas, und VW-Vorstandschef Martin Winterkorn äußerten sich ebenfalls nicht. Die Selbstanzeige hänge mit einem Konto in der Schweiz zusammen, hatte Hoeneß dem "Focus" gesagt. Dort sorgt der Fall vor allem vor dem Hintergrund früherer Aussagen des Bayern-Präsidenten für deutliche Kritik. "Bis jetzt war er der erhobene Zeigefinger des deutschen Fußballs - doch nun richten sich die Zeigefinger auf ihn selbst", hieß es im Schweizer "Tages-Anzeiger". "Uli Hoeneß stürzt von der Kanzel des Moralpredigers", schrieb die "Neue Zürcher Zeitung".
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