27.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Beispiellose Infektionsrate unter Medizinpersonal - Experte übt Kritik an ... Hunderte Helfer an Ebola erkrankt

Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika haben sich medizinische Helfer in bisher beispiellosem Ausmaß mit dem Virus infiziert. Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte und Pfleger angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit.

Das Pflegepersonal und die Ärzte sind bei der Betreuung der Ebola-Kranken besonders gefährdet. Ungewöhnlich viele infizierten sich, 120 sind bereits am Virus gestorben. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Der renommierte Experte und Ebola-Mitentdecker Peter Piot warf der Organisation vor, viel zu spät auf die Epidemie reagiert zu haben. Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern nannte die WHO am Dienstag etliche Gründe: Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Handschuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe. "Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler", erklärte die WHO.

Der Kampf gegen die Epidemie wird nach Angaben der Vereinten Nationen durch die Reduzierung der internationalen Flüge nach Westafrika stark behindert. Dadurch werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen, sagte der UN-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone, David McLachlan-Karr, bei einer Pressekonferenz in Freetown. Die UN seien bereit, Maßnahmen zur Eindämmung erheblich auszuweiten. "Aber dies ist nur möglich, wenn die Flüge wieder aufgenommen werden."

"Zu langsam reagiert"

Unterdessen weitet sich der Virus-Ausbruch immer noch aus. Piot, der verschiedene UN-Programme leitete, warf der WHO vor, zu langsam auf den Ausbruch in Westafrika reagiert zu haben. Bereits im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickele, sagte der belgische Forscher. "Ungeachtet von Anforderungen durch MSF (Ärzte ohne Grenzen) ist die WHO nicht vor Juli aufgewacht", kritisierte der Mikrobiologe, der das Ebola-Virus 1976 im damaligen Zaire mitentdeckte. "Inzwischen hat sie die Führung übernommen, aber das kam spät."

Der 65-Jährige warnte, dass die Ebola-Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher. Für westliche Länder sieht er keine ernste Gefahr. Es sei möglich, dass einzelne Fälle von Ebola auftreten, moderne Gesundheitssysteme könnten damit aber fertig werden.

Der mit Ebola infizierte britische Krankenpfleger könnte nach Darstellung des Gesundheitsministeriums in London mit dem Medikament "ZMapp" behandelt werden. Die Behandlung gilt als vielversprechend, es hat jedoch auch Todesfälle bei Ebola-Patienten gegeben, die das Medikament erhalten hatten. "Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass es bisher kein Medikament gibt, dessen Wirkung gegen Ebola erwiesen ist", sagte der Sprecher in London.

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