18.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Betriebe locken mit Prämien Wettbewerb um qualifizierte Lehrlinge

Gut die Hälfte eines Jahrgang nimmt derzeit ein Studium auf. Der Nachwuchs fehlt deshalb in den Ausbildungsberufen. Archivbild: dpa
von Redaktion OnetzProfil

München. (dpa) Frisch von der Schule und mit guten Noten in der Tasche sind sie die umschwärmten Stars auf dem Lehrstellenmarkt: Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung entscheiden, haben oft die freie Auswahl, welche Stelle sie möchten. In Bayern kommen auf etwa 76.000 Bewerber nach Angaben der Arbeitsagentur derzeit rund 93.000 gemeldete Lehrstellen. Tausende Plätze werden auch zum Start des neuen Ausbildungsjahres im September offen bleiben.

Den Betrieben bereitet das Sorgen - und es macht sie erfinderisch. Ein neues Smartphone, eine Zeit im Ausland und Geld-Prämien für gute Leistungen sollen die Schulabsolventen locken. "Jeder Betrieb entwickelt ganz eigene Ideen, wie er seine Bewerber rekrutiert. Ich finde es gut, wenn sich die Unternehmen Gedanken machen", meint der Leiter der Abteilung für berufliche Bildung von der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern, Christian Gohlisch.

Geld für gute Noten

In Thurnau (Oberfranken) setzt das Energie- und Sanitärunternehmen Schwender auf eine Mischung aus materiellen Anreizen und persönlicher Betreuung. Gut 100 Euro Bonus zahlt die Firma bei guten Noten im Zeugnis. Außerdem bietet der Betrieb sogenannten Lehrlingsunterricht, wo offene Fragen geklärt werden. Bei Schwender gibt es keine Nachwuchssorgen. Ob das an finanziellen Anreizen oder der guten Unterstützung liegt, mag Mitarbeiterin Luisa Friedlein nicht sagen. "Beides spricht sich rum", glaubt sie.

Im Wettbewerb um qualifizierte Lehrlinge kämpfen die Betriebe auch gegen den demografischen Wandel und den Drang an die Hochschulen. Beides wird immer deutlicher spürbar, zeigen Zahlen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Gut die Hälfte eines Jahrgang nimmt derzeit ein Studium auf. Der Nachwuchs fehlt deshalb in den Ausbildungsberufen. Besonders betroffen sind nach wie vor Bäckereien, Fleischereien und die Gastronomie.

"Ausbilden und halten"

Gerade in diesen Bereichen sind Extras für Auszubildende drin, weiß Michael Rindfleisch von der Bäcker-Innung Bayreuth. Manche Lehrlinge bekommen eine Urlaubsreise bezahlt oder den Führerschein. Andere dürfen den Dienstwagen mitbenutzen. Doch der Bäckermeister hält wenig von solchen Lockangeboten. "Wenn jemand von vorneherein weiß, dass frühes Aufstehen nichts für ihn ist, dann wird er als Bäcker nicht glücklich. Spätestens nach der Ausbildung ist er dann wieder weg", meint Rindfleisch. "Aber ich will die Leute ja nicht nur ausbilden, sondern auch halten."

Auch Gohlisch von der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern hält langfristige Maßnahmen für entscheidend. Betriebe müssten die Perspektiven eines Berufes deutlicher aufzeigen und auch mehr in Weiterbildung und Zusatzqualifikationen ihrer Lehrlinge investieren. Die Möglichkeit etwa, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu absolvieren, nutzten derzeit nur vier Prozent eines Jahrgangs. Zu wenige wüssten zudem, dass sie mit bestandener Meisterprüfung auch das Abitur in der Tasche haben. "Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, entscheidet sich nicht zwangsläufig gegen ein Studium. Die Ausbildung ist keine Sackgasse."

Die Zukunftsperspektiven seien gut, meint auch Bäckermeister Rindfleisch. Käme das bei den jungen Menschen an, wäre es auch kein Problem, qualifizierten Nachwuchs zu finden. "Wir bilden zurzeit aus und das läuft ganz wunderbar - auch ohne Führerschein und Handy."

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