23.08.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bewährung für Ex-Bankier Schmidt - 31,5-Millionen-Euro-Kredit ohne Sicherheiten vergeben Untreu seinem eigenen Lebenswerk

Karl Gerhard Schmidt ist die Erleichterung anzusehen. Vor wenigen Minuten kauerte der 72-jährige ehemalige Chef der SchmidtBank noch die Hände knetend auf der Anklagebank. Jetzt steht er aufrecht da und lächelt. "Ich bin froh, dass die Betrugsvorwürfe aus der Welt sind", sagt er. "Das ist das Wichtigste."

von Uli Piehler Kontakt Profil

"Schuldig wegen Untreue" lautete das Urteil der 3. Wirtschaftskammer des Landgerichtes Hof gegen den einstigen Übervater des zugrunde gegangenen Familienimperiums. Den Vorwurf des 232-fachen Betrugs ließ Richter Viktor Mihl - der viele Jahre am Landgericht Weiden tätig war - fallen. Aufatmen bei Karl Gerhard Schmidt. "Der Betrugsvorwurf war so ungeheuerlich. Der war so ehrenrührig", sagt er.

Neben Untreue gegen sein eigenes Unternehmen hatte ihm die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt, mindestens 232 Kleinanleger bewusst betrogen zu haben. Die Aktie des Hauses habe er vor sechs Jahren auch dann noch als sichere Altersvorsorge anpreisen und verkaufen lassen, als er schon wusste, dass die Bank nicht mehr zu retten war. "Dem Angeklagten war zwar klar, dass die Lage prekär war. Er konnte aber bis zuletzt davon ausgehen, dass eine Rettung möglich ist", stellte Richter Mihl fest.

"Deal" schlägt fehl

Hätte der "Deal" mit der Postbank geklappt, gäbe es die SchmidtBank vielleicht heute noch. Das oberfränkische Familienunternehmen war angeschlagen, doch verfügte es über stattliche Reserven. Die Postbank sollte im November 2001 den 66-prozentigen Anteil der SchmidtBank am Online-Broker Consors kaufen. Mit dem anvisierten Erlös von etwa 470 Millionen Euro wäre das Schmidt-Imperium saniert gewesen. Alles wäre weitergelaufen wie bisher. Die Öffentlichkeit hätte kaum etwas von der Schieflage mitbekommen. Doch am 8. November 2001 wollte die Postbank auf einmal nur noch 15 Euro pro Consors-Aktie zahlen - einen Preis, weit unter dem von Sachverständigen errechneten Wert des Papiers und zu wenig für eine Rettung der SchmidtBank.

"Erst ab diesem Zeitpunkt hat Karl Gerhard Schmidt erkannt, dass das Ende unvermeidlich ist", sagte der Richter. Der Aktienhandel lief noch bis zum 14. November 2001 weiter. Sechs Tage, in denen 232 Anleger vertrauensvoll Anteilsscheine der SchmidtBank erwarben. "Der Vorsatz hinsichtlich des Betrugs fehlt", heißt es in der Urteilsbegründung.

Die Freiheitsstrafe von einem Jahr, die auf eine Bewährungszeit von drei Jahren ausgesetzt ist, verhängte das Gericht wegen des Untreue-Vorwurfs. Dabei geht es um einen Kredit in Höhe von 31,5 Millionen Euro, den der Bankchef im Oktober 2001 bewilligt hat, ohne Sicherheiten zu verlangen und ohne die erforderliche Zustimmung der Geschäftsleiter und des Aufsichtsrates einzuholen. "Alle notwendigen formalen Voraussetzungen fehlten", erklärte der Richter.

Empfänger des Kredites war eine Firma, die Schmidts Sohn Karl Matthäus gegründet hatte. Mit den 31,5 Millionen Euro kauften Vater und Sohn etwa vier Wochen vor dem Zusammenbruch den Neun-Prozent-Anteil zurück, den die staatseigene LfA-Gesellschaft für Vermögensverwaltung an der SchmidtBank hielt. Gerade diesen Vorgang führte die Verteidigung immer wieder als Beleg dafür an, dass beide fest an das Fortbestehen ihres Geldhauses glaubten.

Auf "Untreue im besonders schweren Fall" steht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. "Damit haben wir es hier nicht zu tun", sagte Richter Mihl. Karl Gerhard Schmidt habe sich nicht privat bereichern wollen, er habe selbst am meisten unter dem Zusammenbruch seines Lebenswerkes gelitten. Auch sein Mäzenatentum hielt der Richter dem Angeklagten zugute. "Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die auf Bewährung ausgesetzt ist, erscheint deshalb ausreichend."

Schmidt will Revision

Karl Gerhard Schmidt pocht aber auch in diesem Fall auf einen Freispruch. "Den Vorwurf der Untreue lasse ich nicht auf mir sitzen", sagt er und kündigt - ohne sich zuvor mit seinen Anwälten abgesprochen zu haben - Revision beim Bundesgerichtshof an. "Wir wollen das prüfen", schränkt seine Anwältin ein. "Vielleicht ist es aber besser, das Urteil anzunehmen."

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