27.03.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Biogas-Branche leidet unter immens hohen Rohstoffpreisen - Anbau und Technik optimieren Bauern zögern mit Investitionen

Die Träume von der eigenen Biogasanlage haben sich für viele Landwirte aus der Oberpfalz in Luft aufgelöst. "Die Rohstoffpreise sind im vergangenen Jahr explodiert", bilanziert Johann Schmalhofer, Ackerbauer und Börsenexperte aus Taimering (Kreis Regensburg). "Das macht solche Anlagen eher unattraktiv."

Ein Landwirt befüllt mit einem Frontlader einen Feststoffdosierer an einer Biogasanlage. Für Bauern, die solche Kraftwerke betreiben, aber nicht über ausreichend eigene Flächen verfügen, gerät die alternative Energiegewinnung derzeit zum Minusgeschäft. Bild: Götz
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Unattraktiv" ist noch eine recht harmlose Beschreibung für die Misere, die jene Landwirte durchstehen müssen, deren eigenproduzierte Biomasse nicht ausreicht, um ihre Biogasanlage zu befüllen. Sie müssen jetzt Futter zur Vergärung teuer zukaufen - zumindest kurzfristig ein Minusgeschäft, wie Johann Schmalhofer erklärt. Zwar rechnet er mit weiter steigenden Rohstoffpreisen. Doch bis spätestens 2020 sei der Zenit der weltweit förderbaren Ölmenge überschritten. Schmalhofer: "Dann werden alternative Energieformen wirklich wieder interessant. Auch Biogas."

Hilfe vom Gesetzgeber

Markus Meyr vom Schwandorfer Biogasanlagenhersteller Schmack räumt ein, dass die Verunsicherung bei den Landwirten im vergangenen Jahr zu einem Einbruch im Geschäft geführt hat. Doch zwei politische Faktoren sollen die Dellen für die Bauern und für Schmack schon bald ausbügeln: Die in der vergangenen Woche vom Bundestag verabschiedete Gasnetzzugangsverordnung und die für den Sommer erwartete Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). "Diese beiden Maßnahmen werden der Biogasbranche einen Schub geben", zeigt sich Meyr überzeugt. Allein die neue Gasnetzzugangsverordnung bringe Anlagenbetreibern Einsparungen von bis zu 15 Prozent bezogen auf die gesamten Produktionskosten.

Schmalhofer, Meyr und nicht zuletzt der Bauernverband raten Landwirten, die eine Biogasanlage betreiben, eine "Zwischenfruchtstrategie" zu entwickeln. Das heißt, die Anbauflächen sollen ein drittes oder viertes Mal abgeerntet werden. "Am besten mit einer energiereichen Grünmasse", sagt Schmalhofer. Die intensivere Bodennutzung müsse weder Monokulturen, noch eine Überdüngung zur Folge haben. "Im Gegenteil. Bestimmte Fruchtfolgen können dem Boden gut tun."

Konzepte mit Zukunft

Christian Pistor aus Regensburg begleitet für die Investmentgesellschaft Lacuna den Bau von Biogasanlagen in der Region. Für ihn gibt es mittlerweile eine untere Grenze: "Anlagen mit einer Leistung von weniger als einem Megawatt sehen wir kritisch, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Gasnetzeinspeisung". Andererseits sollten die Anlagen auch nicht zu groß sein.

"Wir sehen Biogas als Möglichkeit zur dezentralen Energieversorgung mit kurzen Ver- und Entsorgungswegen. Zu große Anlagen werfen oftmals logistische Probleme auf." Die Landwirte müssten dann für die Befüllung zu weite Anfahrtswege in Kauf nehmen. Generell will er die Landwirte nicht entmutigen. Pistor: "Wenn das Konzept gut durchdacht ist, hat diese Form der Energiegewinnung durchaus Zukunft."

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