25.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bis zu einer Entscheidung in Tschechien ist es noch lange hin - Widerstand aus dem Kreis Cham Pläne für Atom-Lager in der Kritik

Gemeinhin schwören die Tschechen auf Atomkraft und die Nachbarn in Bayern und Österreich protestieren dagegen. Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Zwar hält eine große Mehrheit der Tschechen die AKW in ihrem Land für unverzichtbar und belächelt bestenfalls den in Deutschland beschlossenen Atomausstieg. Aber es gibt ein paar "gallische Dörfer", die sich auch bei den östlichen Nachbarn wehren: diejenigen, die für ein mögliches Atommüll-Endlager herhalten sollen.

Das grenznahe Manovice ist ein möglicher Kandidat für ein Atommüll-Endlager in Tschechien. Bild: Bürgerinitiative Bayerischer Wald
von Autor SHJProfil

In Tschechien fallen derzeit 100 Tonnen abgebrannter Brennelemente und 5,5 Kubikmeter hochradioaktiver Abfall an. Die sind in der Nähe der beiden Atomkraftwerke in Temelin bei Budweis und Dukovany bei Brünn zwischengelagert. Schon kurz nach der "Samtrevolution" im Jahre 1990 beschloss man, einen Ort für ein Endlager zu suchen. Bis 2025 ist ein Machbarkeitsnachweis geplant. Baubeginn soll 2050 sein. Und die Inbetriebnahme wurde bislang auf 2065 terminiert.

Derzeit werden mehrere Standorte geprüft. Von den sieben, die man auserkoren hat, sollen im übernächsten Jahr drei wegfallen. Die Regierung in Prag führt die Suche ohne Zustimmung der Gemeinden durch, um Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Man lockt im Gegenteil die Gemeinden mit Geld. Allein für die Zustimmung zu Probeuntersuchungen winken den Ortschaften jährlich 4 Millionen Kronen (rund 160 000 Euro). Doch die Bürgermeister lehnten eine solche Finanzspritze, die im Grunde hochwillkommen wäre, bislang standhaft ab. Sie fürchten, dass damit auch die Zustimmung zu einem Endlager erkauft werden könnte.

Proteste aus Cham

Ende vergangenen Monats fand bereits zum zehnten Mal zwischen den Gemeinden Pacejov und Manovice ein 5 Kilometer langer Marsch zu Fuß und auf Rädern statt. Er richtet sich gegen ein mögliches Endlager in der Gegend, die nur 75 Kilometer von Cham entfernt liegt.

Bürgermeister Miroslav Panuska aus Manovice hofft, dass sein Ort 2016 von der Liste der möglichen Standorte entfernt wird. "Dann würden wir die Sektkorken knallen lassen", sagte er am Rande des Protestmarsches, an dem auch Atomkraftgegner aus Oberösterreich teilnahmen.

Gegen ein Endlager in Manovice hatte sich in dieser Woche auch der Chamer Landrat Franz Löffler gewandt. Er bat die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks schriftlich, in Prag nach dem Stand der Dinge zu fragen, und kündigte zugleich Widerstand aus Ostbayern an. Bislang hat Druck aus dem Ausland, namentlich aus dem AKW-freien Österreich, in Prag allerdings niemanden beeindruckt.


Wann es zu einer Entscheidung über einen Standort kommt - und ob überhaupt - steht jedoch in den Sternen. Die Prager Regierung hatte im Gegensatz zur deutschen Bundesregierung kurz nach der Katastrophe in Fukushima den Ausbau von Temelin angekündigt. Ein Energiekonzept aus dem vergangenen Jahr sah vor, den Anteil der Stromerzeugung aus Atomkraft auf 52 Prozent zu erhöhen.

Der Atomstrom sollte nicht nur den tschechischen Energiebedarf decken helfen. Prag erhofft sich damit auch ein lukratives Geschäft speziell mit Deutschland, sollte es dort nach dem Atomausstieg zu Engpässen kommen. In Berlin wurde das Konzept Tschechiens notgedrungen akzeptiert. Energiefragen liegen in der EU allein in den Händen der einzelnen Mitgliedsländer.

Pläne liegen auf Eis

Der geplante Ausbau der Kernenergie in Temelin liegt jedoch derzeit auf Eis. Der halbstaatliche Energiekonzern und Betreiber von Temelin, CEZ, hatte eine Entscheidung über das Projekt vor Jahresfrist zunächst um zwei Jahre verschoben. Die neue Prager Regierung lehnte im Februar dieses Jahres eine von CEZ geforderte Preisgarantie für Atomstrom ab. Im April schließlich sagte CEZ den Ausbau von Temelin vorerst ab und beendete die Ausschreibung, an der sich ein russisch-tschechisches und ein amerikanisch-japanisches Konsortium beteiligt hatten. Zur Begründung hieß es, die Pläne rechneten sich derzeit nicht.

Hinzu kommen politische Sorgen in Prag, wo man dem Vernehmen nach dem russisch-tschechischen Projekt zugeneigt war. Die Ukraine-Krise und die Rolle Moskaus dabei haben eher dazu geführt, dass man über eine größere Unabhängigkeit in Energiefragen von Russland nachdenkt.

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