12.11.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Bitte keine Unruhen"

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der palästinensische Arzt und Schriftsteller Dr. Mohammed Abu-Zaid lebt in Ramallah im Westjordanland. Nach seinem Medizinstudium an der Freien Universität in Berlin arbeitete der 49-Jährige viele Jahre als Notarzt. Als Übersetzer unterstützt er die Arbeit des Goethe-Institutes in seiner Heimatstadt Ramallah. Sein Wohnhaus ist nur 1000 Meter vom Hauptquartier des verstorbenen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat entfernt. Mit Mohammed Abu-Zaid sprach Alexander Pausch.

Der Tod von Jassir Arafat ist ein bitterer Tag für die Palästinenser. Wie ist die Stimmung?

Abu-Zaid: Die Stimmung ist sehr traurig. Die Menschen in Ramallah sind niedergeschlagen.

Es gibt zahlreiche Befürchtungen, dass es zu Unruhen und Machtkämpfen kommt. Teilen Sie dies?

Abu-Zaid: Jassir Arafat hat fast 40 Jahre allein regiert. Zu Machtkämpfen kann es kommen, aber bitte nicht zu Unruhen.

Verleiht der Tod des Palästinenserpräsidenten den radikalen Kräften neuen Auftrieb?

Abu-Zaid: Umgekehrt, die liberalen Kräfte können eventuell die Oberhand gewinnen. Denn er war eine Galionsfigur bzw. ein Familienvater, dem man nicht widersprechen konnte.

Viele im Westen erhoffen sich jetzt eine neue Dynamik im Friedensprozess. In ihren Augen könne sich die israelische Regierung jetzt Gesprächen nicht mehr verweigern. Sehen Sie das auch so?

Abu-Zaid: Die Israelis behaupten immer wieder, dass sie auf der Suche nach einem "zuverlässigen" palästinensischen Gesprächspartner waren. Es ist zu befürchten, dass sie aus der Schwäche der Palästinenser politisches Kapital schlagen. Die Israelis müssen endlich vernünftig handeln und die Anerkennung eines palästinensischen Staates in den Grenzen von 1967 in Aussicht stellen.

Laut palästinensischer Verfassung sollen nach 60 Tagen Wahlen abgehalten werden. Ist dies angesichts der Zerstörungen und der Besatzung überhaupt möglich?

Abu-Zaid: Wahlen sind möglich. Vorausgesetzt, dass die Israelis sich aus dem Spiel raushalten.

Bei der letzten Präsidentenwahl haben Sie den Wahlkampf von Jassir Arafats Gegenkandidatin organsiert. Wen unterstützen Sie diesmal?

Abu-Zaid: Ich will diesmal nur als private Person wählen.

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