24.08.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Börsenbauer" Johann Schmalhofer freut sich über steigende Rohstoffpreise - Rat an Kollegen: ... Von der Wall Street auf den Vollernter

Johann Schmalhofers Werte sind weder aus Papier, noch notieren sie am Hang Seng Index in Hongkong. Seine Werte bestehen hauptsächlich aus Stärke und Wasser und lagern neben der Maschinenhalle in der Ortschaft Taimering (Kreis Regensburg). "Das, was auf den Feldern wächst, ist mein Kapital", sagt der 47-jährige Landwirt, der seit einigen Wochen als "Börsenbauer" bundesweit für Furore sorgt.

Der "Börsenbauer" aus der Oberpfalz im Fernsehen. Bild: N 24
von Uli Piehler Kontakt Profil

Johann Schmalhofer hat schon im vergangenen Jahr vorhergesagt, dass die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe, Softcommodities - wie sie die Aktienhändler nennen - kräftig ins Kraut schießen. Jetzt stehen die Telefone in seinem schmucken Bauernhaus in Taimering nicht mehr still.

Der Nachrichtensender N 24, Online-Magazine und diverse Agrarzeitschriften - alle wollen von ihm wissen, wie es an den Märkten weitergeht. Schmalhofer wechselt den Bulldogsitz mit dem Bürostuhl und analysiert auch per Webcam den Markt für die Börsianer. Sein Podcast läuft auf "traders-mag.com", live von Taimering aus in alle Welt übertragen.

Früher hat der "Schmalhofer Hans", wie er von seinen Nachbarn genannt wird Fußball gespielt. "Irgendwann ist das nicht mehr gegangen. Ich war einfach nicht mehr so flink am Ball", erzählt er. Da habe ich mir ein anderes Hobby gesucht." Aus dem "Hobby" ist eine Profession geworden.

Der Oberpfälzer Landwirt ist Mitglied des Analystenverbands VTDA, dem Berufsverband für Technische Finanzanalyse. Für ihn hält er in ganz Deutschland Vorträge und reist zu internationalen Konferenzen wie den Weltanalystenkongress in Lugano.

Weizenpreis explodiert

Was er dort erzählt? "Dass wir am Anfang einer ausgeprägten Rohstoff-Hausse stehen." Schmalhofer macht das an Zyklen fest, nach denen sich die Märkte richten. "Der Energiesektor zieht zuerst an", sagt er. "Dann folgen die Edelmetalle, dann die Industriemetalle und zum Schluss kommt der Agrarsektor."

Alles spreche dafür, dass die Preise für Milch, Getreide und Fleisch in den nächsten Monaten weiter kräftig zulegen. "Mittlerweile muss Rindfleisch in die EU importiert werden, um die Nachfrage zu befriedigen. Steigender Fleischverzehr bindet wiederum Getreideflächen zur Futtermittelerzeugung."

An der Börse in Chicago hat der Weizenpreis mittlerweile ein neues Allzeithoch erreicht. Schmalhofer: "Es ist keine Frage, ob der Weizenpreis nach oben ausbricht, sondern nur wann." Prinzipiell sehr gute Nachrichten seien das für die Landwirtschaft.

Doch der "Börsenbauer", der auch Vorsitzender der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft im Kreis Regensburg ist, warnt auch: Wenn die Preise für Softcommodities weiter steigen, wird der Einsatz nachwachsender Rohstoffe wirtschaftlich immer unattraktiver.

"Ich will unsere Pioniere auf diesem Gebiet nicht verängstigen", sagt er. "Aber Betreiber von Biogasanlagen sollten ihre Kalkulationen zum Beispiel beim Zukauf von Mais überdenken. Die Abnahmeverträge werden an die Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten angepasst." Einen weiteren Rat hat er für seine Berufskollegen parat: "Ich würde möglichst viel einlagern und möglichst wenig Vorverträge abschließen."

Seinen Hof bewirtschaftet der dreifache Familienvater trotz allen Ackerns auf den weiten Feldern des Börsenparketts immer noch selbst. Auf etwa 54 baut er Kartoffeln, Zuckerrüben, Weizen, Mais und Raps an. Dazu kommen rund neun Hektar Wald. "Mir macht die Arbeit Spaß", sagt er. In dieser Woche bringt er die Kartoffelernte ein und hütet sie - wie so mancher Hobbyaktionär sein Wertpapierdepot.

Weitere Informationen im Internet: www.boersenbauer.de

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