Bomben von Boston fordern drei Todesopfer, 176 Verletzte - US-Fahnen auf halbmast
Obama spricht von Terrorakt, doch es gibt noch keine heiße Spur

Der Bombenanschlag von Boston hat weltweit Bestürzung ausgelöst und die Angst vor Terror bei Großveranstaltungen neu entfacht. Bei der Explosion von zwei Sprengsätzen während des Boston-Marathons waren am Montagnachmittag (Ortszeit) drei Menschen getötet und 176 weitere verletzt worden.

Täter und Tatmotiv waren am Dienstag noch unbekannt. US-Präsident Barack Obama sprach aber ausdrücklich von einem Terrorakt. Die Ermittler gehen nach eigenen Worten "einem Berg von Hinweisen" nach.

Es handelte sich um den ersten tödlichen Bombenanschlag in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Insgesamt 17 Verletzte waren auch am Dienstag noch in kritischem Zustand. Ärzte fanden in den Beinen vieler Opfer "scharfe Objekte" wie etwa Nägel. Es sei wahrscheinlich, dass die Objekte aus den Bomben stammten. Deutsche kamen nach Angaben des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden.

In Dampfkochtöpfen?

Obama ordnete an, die Flaggen an öffentlichen Gebäuden im Land bis Samstagabend auf halbmast zu setzen. "Jedes Mal, wenn Bomben benutzt werden, um unschuldige Zivilisten ins Visier zu nehmen, ist es eine terroristische Gewalttat", sagte der US-Präsident im Weißen Haus. Er sprach von einem "gemeinen und feigen Akt". Es werde etwas dauern, bis klar sei, auf wessen Konto das Verbrechen gehe. "Aber wir werden es herausfinden", sagte Obama.
In TV-Sendern äußerten Experten die Vermutung, dass es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe. So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze seien nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Sonst hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben. Nach Angaben von CNN steckten die Bomben in Dampfkochtöpfen.

Kurz nach den Explosionen schalteten die Behörden vorübergehend das Mobilfunknetz in Boston ab, um mögliche Fernzündungen weiterer Sprengsätze zu verhindern. Auch der Luftraum über der 625 000-Einwohner-Stadt wurde zwischenzeitlich gesperrt. In anderen größeren US-Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls verstärkt.

"Sinnlose Tragödie"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte die Hoffnung, dass die Schuldigen bald zur Rechenschaft gezogen werden. Papst Franziskus sagte in Rom, er sei zutiefst traurig über die "sinnlose Tragödie".

Für Deutschland sieht das Bundesinnenministerium keine erhöhte Terrorgefahr: Die Sicherheitslage sei unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher; Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.