Christa Stewens soll für Ruhe in der CSU-Landtagsfraktion sorgen - Chefin für fünf Monate
Knochenjob für die Parteisoldatin

Ein Stuhl bleibt leer im Fraktionssaal der CSU. Georg Schmid, der wegen der "Ehegatten-Affäre" zurückgetretene Fraktionschef, ist nicht gekommen zur Wahl seiner Nachfolgerin. Er will sich das nicht antun. Christa Stewens, die mit 79 von 80 Stimmen gewählte Interimsvorsitzende bis zur Landtagswahl, hat dafür Verständnis. "Es ist eine schwierige Situation für ihn", sagt sie.

Denn mit dem Rücktritt ist die Sache für Schmid wohl noch nicht ausgestanden. In seiner schwäbischen Heimat denken sie laut darüber nach, ihm auch noch die erneute Kandidatur für den Landtag zu entziehen. Im Herbst könnte der 60-Jährige also mit leeren Händen dastehen.

Wahl im Eiltempo

Die Nachfolge Schmids regeln die zur Sondersitzung ins Maximilianeum gerufenen CSU-Abgeordneten im Eiltempo. Um 12.15 Uhr kommen sie zusammen, eine Stunde später schon ist Stewens gewählt. Dabei hatte vorher noch Geschäftsführer Alexander König die Erwartungen gedämpft. Eine Neuwahl stehe nicht explizit auf der Tagesordnung, erklärte er. Wenn es aber gelänge, binnen weniger Stunden nach Schmids Rücktritt einen neuen Fraktionschef zu wählen, "dann wäre das ein ganz starkes Zeichen der Entscheidungsfähigkeit und Geschlossenheit der CSU-Fraktion". Dass gewählt wird und dass es eine Frau wird, ist aber schnell klar. Schon 15 Minuten nach Beginn der Sitzung wird vor dem Fraktionssaal ein Blumenstrauß bereitgestellt.
In der Sitzung übernimmt Partei- und Regierungschef Horst Seehofer schnell die Regie. Und das, obwohl er der Landtagsfraktion gar nicht angehört. Er schlägt Stewens zur Wahl vor, rühmt sie als "sehr kompetent" und "in der breiten Bevölkerung beliebt und hoch anerkannt". Auch Finanzminister Markus Söder ergreift das Wort für Stewens. Er galt zuletzt als überaus ambitionierter Gegenkandidat, den Hut wirft er dann doch nicht in den Ring. Dann wird gewählt. Stewens erhält mit 98,75 Prozent ein "überragendes Ergebnis", wie Seehofer kommentiert, um noch anzufügen: "Das ist ein glücklicher Moment für den Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden." Es wirkt nicht, als ob er flunkern würde.

Stewens selbst nimmt ihre Wahl mit der Gelassenheit einer alten Füchsin auf. "Das politische Leben birgt viele Überraschungen", erklärt sie mit Blick auf das Comeback, das ihr als 2008 von Seehofer aufs Altenteil abgeschobene Ministerin noch vor zwei Tagen selbst noch als irreal erschienen sei. Sie weiß das Ergebnis aber auch einzuschätzen. "Es waren sicher sehr viele erleichtert, dass ich das mache", mutmaßt sie. Denn in fünf Monaten, nach der Landtagswahl, ist ohnehin Schluss für sie. Sie blockiert also keinem aufstrebenden Jungspund einen Platz. Es kämen jetzt spannende Zeiten auf sie zu, "ich freu' mich drauf".
Dahinter darf eine Fragezeichen gesetzt werden. Denn mit dem Rücktritt Schmids ist die Affäre um mit Steuergeld finanzierte Verwandte in der CSU längst nicht ausgestanden. In den Mittelpunkt rückt nun der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Georg Winter. Der hat Ende 1999, kurz vor dem Verbot für neue Beschäftigungsverhältnisse für enge Angehörige in Abgeordnetenbüros, noch schnell seine damals 13 und 14 Jahre alten Kinder bei sich angestellt und mit je 100 Euro monatlich vom Landtag bezahlen lassen. Die Sache riecht nach Abzocke und ist zudem rechtlich dubios. Diesen und die noch 15 weiteren Altfälle in der CSU-Fraktion muss Stewens nun lösen. Daran will sich Stewens nun machen und hat dafür die ausdrückliche Rückendeckung Seehofers, der zuletzt immer wieder erklärt hatte, er habe "keinerlei Verständnis" für jene Kollegen, die das Modell staatlich alimentierter Familienangehöriger weiter verteidigten. Schließlich habe dies die CSU in eine "ernste Situation" geführt.

Probleme bereinigen

Zum Fall Winter will sich Seehofer nicht äußern, auch Innenminister Joachim Herrmann sagt nichts dazu. Doch wie er es sagt, ist es eindeutig: "Weiß ich nicht, kenn' ich nicht!", distanziert er sich von dem einflussreichen Parteifreund. Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm meint, dass noch weiter aufgeklärt werden muss, allerdings nicht nur bei der CSU. Bei der will Stewens gelassen, differenziert und mit der notwendigen politischen Sensiblität an die Sache herangehen, lässt aber an ihrer Entschlossenheit keinen Zweifel: "Ich habe jetzt fünf Monate Zeit und denke, dass wir bis dahin alle Probleme bereinigt haben."

Zu diesen gehört auch, dass sich die CSU zuletzt geweigert hat, ab sofort für volle Transparenz bei den Nebeneinkünften von Abgeordneten zu sorgen. Nach der Opposition drängt auch der Koalitionspartner FDP auf Einsicht bei der CSU. Fraktionschef Thomas Hacker setzt sich für eine Regelung noch vor der Landtagswahl ein. Stamm sieht das inzwischen ähnlich, während Stewens erst in sich gehen will. Auch die Neue wird also von den alten Problemen der CSU eingeholt. Sie weiß das auch. "Hin und wieder muss man sich im Leben auch schwierigen Situationen stellen." Nach fünf Monaten kann sie sich entspannt zurücklehnen.
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